Kölner Pfarrer lädt Dragqueens in die Kirche: Party statt Predigt
Pfarrer lädt Dragqueens in die Kirche

Der evangelische Pfarrer Tim Lahr aus Köln sorgt mit einer ungewöhnlichen Aktion für Aufsehen: Er verwandelt seine Kirche regelmäßig in einen Partyraum für queere Menschen. Mit Dragqueens, lauter Musik und einer Bar will der 36-Jährige zeigen, dass Kirche auch progressiv und offen sein kann. Doch für seine Aktionen erntet er im Internet viel Hass, darunter sogar Morddrohungen.

Ein Gotteshaus wird zum Club

In der Kölner Kirche werden die Bänke zur Seite geräumt, ein DJ-Pult steht am Altar, und eine Bar sorgt für Getränke. Der Pfarrer selbst postet Videos davon auf Instagram und TikTok, wo ihm rund 80.000 Menschen folgen. „Viele queere Menschen haben ein Problem, in die Kirche zu gehen“, erklärt Lahr. „Aber Partys und Clubs sind Treffpunkte. Wenn ich sehe, wie queere Menschen in der Kirche tanzen und sich küssen, ein Raum, der sie jahrtausendelang ausgeschlossen hat, wird plötzlich zum Safe Space – das rührt mich zu Tränen.“

Hass im Netz

Doch die Aktionen stoßen nicht nur auf Gegenliebe. Unter seinen Videos finden sich zahlreiche Hasskommentare und Morddrohungen. Lahr zeigt sie zwar an, aber die Masse ist überwältigend. „Ich komme gar nicht mehr hinterher“, sagt er. Besonders konservative Christfluencer kritisieren ihn scharf. Einer von ihnen, @theofmueller, schreibt: „Jesus Christus steht nicht für weltliche Liebe.“ Lahr kontert: „Ich kenne keine Stelle in der Bibel, die sagt: Du sollst queere Menschen hassen.“

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Queer as Hell: Party mit Botschaft

Das Motto der Party lautet „Queer as Hell“ – eine ironische Anspielung darauf, dass queere Menschen oft in die Hölle gewünscht werden. „Ich mache das für queere Menschen, nicht für die, die es scheiße finden“, betont Lahr. Die Gäste sind begeistert. Dragqueen Biggi Musch findet: „Es zeigt, dass Kirche auch anders sein kann.“ Besucher Guido ergänzt: „Es ist ein schöner Schritt, dass eine Kirche Flagge für unsere Rechte zeigt.“

Sicherheitsdienst und göttlicher Beistand

Wegen Protesten bei früheren Veranstaltungen ist inzwischen ein Sicherheitsdienst im Einsatz. Lahr vertraut aber auch auf höhere Mächte: „Ich bete die ganze Zeit, dass alles rund läuft.“ Die Party selbst verläuft friedlich, doch Nachbarn beschweren sich über die Lautstärke. Daher wird die Party in dieser Form wohl nicht wiederholt werden. Trotzdem zieht der Pfarrer eine positive Bilanz: „Die Kirche war voll, und es ist ein Safe Space für queere Menschen geworden.“

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