Der vor der dänischen Insel Anholt angespülte Walkadaver ist höchstwahrscheinlich der berühmte Wal Timmy, der wochenlang die Menschen in Deutschland bewegt hatte. Diese traurige Gewissheit lässt Experten wie Fabian Ritter nicht los. „Sollte es sich bestätigen, dass es derselbe Wal ist, um dessen Schicksal sich in den letzten Wochen alles gedreht hat, dann empfinde ich nur Traurigkeit“, sagt der Vorsitzende des Vereins M.E.E.R. e.V. leise. Ritter hatte den sterbenden Wal über Wochen hinweg begleitet und war von Anfang an skeptisch gegenüber der Rettungsaktion.
Kritik an der Rettungsaktion
Ritter erklärt gegenüber BILD, dass der Tod des Tieres für ihn absehbar gewesen sei: „Ich habe vielfach betont, dass der Wal aufgrund seines allgemeinen Zustands schon vor der Verbringung kein geeigneter Kandidat für eine solche Aktion war. Der Gesamtzustand hat dann wohl auch dazu geführt, dass das, was man befürchten musste, jetzt eingetreten ist.“ Der Walforscher kritisiert erneut die Entscheidung, den Wal zu retten. Er habe sich stets dafür ausgesprochen, den Wal auf der Sandbank liegen zu lassen und ein „natürliches Ende“ zu ermöglichen – auch wenn dies für viele Menschen schwer zu ertragen gewesen sei.
Transport und Freilassung
Ob Timmy während des Transports zu früh oder an der falschen Stelle freigelassen wurde, möchte Ritter nicht bewerten. Allerdings stellt er klar: „Es war auf jeden Fall eine Stelle, an der sehr viel Schiffsverkehr herrschte und der Weg für den Wal in seine Heimatgefilde noch immer sehr, sehr weit war.“ Der Kadaver wird nun von Möwen umringt, die Hautfetzen abpicken – ein trauriges Bild, das die Endgültigkeit des Geschehens unterstreicht.
Forderung nach Untersuchung
Ritters Verein M.E.E.R. fordert eine umgehende Untersuchung des Kadavers. Die Walschützer wollen wissen, ob Timmy von Parasiten befallen war oder Netzreste beziehungsweise Müll in Maul oder Magen hatte. Diese Antworten sollen helfen, die Todesursache zu klären. „Anschließend sollten die Überreste des Wals auf See geschleppt und dort versenkt werden. So würde dafür gesorgt, dass der Wal nach seinem Tod seine finale ökologische Funktion erfüllen kann: das Leben in der Tiefe des Meeres zu begünstigen“, so Ritter.
Weckruf für den Meeresschutz
In einer Mitteilung spricht sich M.E.E.R. dafür aus, den Tod des Wals als „Weckruf für einen Bewusstseinswandel“ zu verstehen. Ritter appelliert: „Der Schutz der Meere liegt so sehr in den Händen des Menschen – er muss aber auch in seinem Herzen liegen.“ Die Tragödie um Timmy soll langfristig zu einem besseren Verständnis und Schutz der Meeresbewohner führen.



