Zeckenbiss macht Bauingenieurin zur Buchautorin: Lesung in Wolde
Zeckenbiss: Bauingenieurin wird Autorin – Lesung in Wolde

Am Freitag, dem 15. Mai, ab 18 Uhr findet im Gutshaus Wolde eine besondere Lesung statt. Beatrice Kietzmann, Bauingenieurin aus Kaluberhof, stellt ihr Werk „Rethra: Gefangene ihrer Verblendung“ vor. Hinter der Autorin steht eine bewegende Geschichte: Ein Zeckenbiss veränderte ihr Leben grundlegend.

Vom Bauingenieurwesen zur Schriftstellerei

„Was wäre wenn“ – diese Frage stellte sich Beatrice Kietzmann oft. Wäre der Zeckenbiss nicht passiert und die Borreliose rechtzeitig erkannt worden, würde sie vielleicht noch als Bauingenieurin arbeiten. Doch die Krankheit zwang sie zur Aufgabe ihres Berufs. „Durch den Zeckenbiss wurde ich schwer krank, konnte meinen Beruf nicht mehr ausüben“, erklärt Kietzmann. „Dafür fing ich an zu schreiben. Ich habe bisher 13 Bücher in verschiedenen Verlagen veröffentlicht, drei davon beim Nordkurier.“

Ein mystischer Roman mit Tiefgang

„Rethra: Gefangene ihrer Verblendung“ ist ein mystischer Roman, der sich nicht leicht einordnen lässt. Es ist eine Erzählung mit einem Mord, aber kein klassischer Krimi. Die Autorin, die das Buch gemeinsam mit ihrem Sohn Ralph schrieb, fügte Fantasie hinzu und regt zum Nachdenken an. Die Handlung beginnt in der Vergangenheit: Die junge Archäologin Gesine Scholl verschwindet im Sommer 1980 in Berlin spurlos. Ihr Mann Reinhardt, ein Professor, verzweifelt, aber die Hoffnung, Gesines Lebenstraum zu finden, hält ihn am Leben. Gesine suchte Rethra – ein slawisches Zentralheiligtum, das tatsächlich in Norddeutschland vermutet wird, aber nie gefunden wurde.

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20 Jahre später wartet ein junges Mädchen vergeblich auf die Rückkehr ihrer Familie von einem Ausflug nach Ankershagen. Ihre Suche führt sie in die Abgründe menschlichen Handelns, und ohne es zu wissen, bleibt ihr nur ein Weg: Sie muss Rethra finden.

Eine Autorin mit regionaler Verbundenheit

Beatrice Kietzmann lebt in Kaluberhof und lässt ihre Geschichten meist in der Region um Altentreptow spielen, mit geografischen Abstechern wie Berlin. Ihre Bandbreite ist groß: Neben Romanen schrieb sie Krimis, Kinderbücher und eine Biografie. „Ich habe als Kind schon geschrieben“, erzählt sie. „Der Putsch vom 11. September 1973 in Chile hat mich schockiert, darüber begann ich ein Buch, das aber nie fertig wurde.“

Geboren im August 1963 in Greifswald, vollendete sie 2006 ihr erstes Buch „Christrotkreuzpionier“. Darin wirft sie einen persönlichen Blick auf die DDR. „Mein Vater hat mich so genannt“, verrät Kietzmann. „Ich ging in die Kirche, arbeitete als junge Sanitäterin und war bei den Pionieren.“

Bücher für Prominente

Die Autorin versuchte, ihre Region bekannter zu machen, und schickte dem kanadischen Premierminister Pierre Trudeau und Regisseur Steven Spielberg je eines ihrer Bücher. „Aus Kanada erhielt ich eine sehr nette Antwort“, sagt sie. „Aus den USA hieß es, ich hätte den falschen Agenten angeschrieben, aber wer der richtige sei, wurde nicht gesagt.“

Diese Episode zeigt ihre tiefe Verbundenheit mit der Heimat. Sie betont, dass viel zu viel über Mecklenburg und Vorpommern geredet werde, aber zu wenig über das Land entlang der unsichtbaren Grenze. Sie möchte nirgendwo anders wohnen als im Treptower Tollenwinkel.

Die Lesung in Wolde freut sie besonders, da sie viele Menschen trifft – einige kennt sie noch aus der Zeit, als sie das Gutshaus mit sanierte, in dem die Lesung stattfindet. „Das Schreiben ist für mich eine Therapie“, gesteht Kietzmann, „weil die Krankheit zu schweren psychischen Belastungen führen kann.“

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