Der Rollator quietscht leise über den Kiesweg, während Laura Boldt ihn mit beiden Händen fest im Griff hält. Neben ihr lächelt eine ältere Dame, die Frühlingssonne blinzelt durch die Bäume im Park von Haus Achterfeld und mittendrin: eine 15-Jährige, die lieber zuhört, statt aufs Mobiltelefon zu schauen.
Schülerin wechselt donnerstags ins Pflegeheim
Immer donnerstags tauscht Laura Boldt den gewohnten Schulweg von Fahrbinde zur Dr.-Ernst-Alban-Schule gegen einen ganz anderen Alltag. Dann führt sie ihr Weg ins Kursana Domizil nach Rastow. Von 9.30 bis 16 Uhr hilft sie hier vier Monate lang bei den Praxislerntagen, nicht mit großen Gesten, sondern mit Zeit, Geduld und offenen Ohren.
Mal sitzt sie in der Zeitungsrunde, mal bringt sie beim Sitztanz Bewegung in die Gruppe. Und oft geht es einfach nur hinaus ins Grüne. Schritt für Schritt, Bank für Bank, Geschichte für Geschichte. „Es macht mir Spaß, mich mit den Senioren zu unterhalten. Ich höre gern ihre Geschichten von früher“, sagt Laura Boldt. „Wenn ich anderen Menschen helfen kann, macht mich das immer sehr zufrieden.“
Frühe Praxis: Von der Zahnarztpraxis bis ins LUP-Klinikum
Dass sie einmal in einem sozialen Beruf landen würde, scheint fast vorgezeichnet. Früh hat sich die Schülerin orientiert, hat Praktika genutzt wie andere Ferien. In der achten Klasse schnupperte sie in eine Zahnarztpraxis und ins Krankenhaus in Ludwigslust hinein. Später kehrte sie noch einmal ins LUP-Klinikum Helene von Bülow zurück. Und nun also Rastow. Dorthin, wo auch ihre eigene Familiengeschichte Spuren hinterlassen hat.
„Früher hat sie meine Urgroßmutter, die 102 Jahre alt geworden ist, zu Hause gepflegt“, erzählt Laura Boldt über ihre Mutter, die seit Oktober 2025 selbst als Pflegehelferin im Haus Achterfeld arbeitet. „Die letzte Zeit hat meine Uroma dann hier verbracht. Deshalb fühlen wir uns Haus Achterfeld heute noch verbunden.“
Von der Realschule direkt in die Pflegeausbildung
Pflege ist für die Schülerin kein abstrakter Beruf, sondern etwas sehr Konkretes, sehr Menschliches. Nach ihrem Realschulabschluss im kommenden Sommer will sie den nächsten Schritt gehen: die Ausbildung zur Pflegefachfrau. Die Möglichkeiten sind vielfältig, vom Krankenhaus über die stationäre Pflege bis zu ambulanten Diensten, Psychiatrie oder Kinderpflege.
„Im Pflegeberuf hat man eine tolle Zukunftsperspektive. Da stehen einem viele Türen offen. Noch weiß ich nicht, für welchen Bereich ich mich entscheiden werde“, sagt Laura Boldt und schiebt hinterher: „Aber Hauptsache helfen!“



