Pflegeheim in MV: Sorge vor hohen Kosten und Mehrbettzimmern wächst
Immer mehr Menschen in Mecklenburg-Vorpommern blicken mit Sorge auf die Zukunft der Pflege. Einer repräsentativen Umfrage von Civey im Auftrag der AOK zufolge fürchten neun von zehn Befragten, dass die Eigenanteile im Pflegeheim ihre finanziellen Möglichkeiten übersteigen könnten. Auch die Belastung der Angehörigen bereitet vielen Kopfzerbrechen.
Die durchschnittlichen Kosten für einen Pflegeheimplatz im Land sind Ende 2025 erstmals auf über 4.700 Euro gestiegen. Der Eigenanteil, den die Bewohner selbst tragen müssen, liegt inzwischen rund eineinhalb Mal so hoch wie die durchschnittliche gesetzliche Altersrente nach 35 Versicherungsjahren (1.640 Euro Ende 2024). Die Folge: Fast jeder zweite Heimbewohner ist auf die sogenannte Hilfe zur Pflege, eine Form der Sozialhilfe, angewiesen.
Eigenanteil steigt rasant
Zu Jahresbeginn 2026 betrug der durchschnittliche Eigenanteil im ersten Heimjahr 2.903 Euro monatlich. Das ist ein Anstieg um 246 Euro innerhalb eines Jahres. Zwar sinkt der Eigenanteil mit längerer Aufenthaltsdauer, da der Zuschlag der Pflegekasse steigt – von 15 Prozent im ersten Jahr auf bis zu 75 Prozent nach 36 Monaten. Allerdings wird in der aktuellen Diskussion über Einsparungen im Gesundheitswesen eine Verlängerung dieser Fristen erwogen, was die Belastung für Langzeitbewohner erhöhen könnte.
Die Umfrage zeigt ein düsteres Bild: 87 Prozent der Befragten befürchten, dass die Eigenanteile sie finanziell überfordern. 84 Prozent rechnen kurzfristig mit steigenden Pflegeversicherungsbeiträgen. Neun von zehn glauben nicht, dass sich die Finanzen der gesetzlichen Pflegeversicherung in den nächsten zehn Jahren stabilisieren.
Pflegeangebot wird kritisch gesehen
Die Sorgen beschränken sich nicht nur auf die stationäre Pflege. Mehr als drei Viertel (78 Prozent) der Befragten halten die Unterstützung für Pflegende und Pflegebedürftige für unzureichend. Über die Hälfte (52 Prozent) bewertet das Angebot an Pflegeheimen, ambulanten Diensten, Tagespflege und Beratungsstellen als schlecht. 58 Prozent sind der Meinung, dass die Pflegeversicherung für pflegende Angehörige schlechte Rahmenbedingungen bietet.
Konkrete Ängste der Menschen in MV sind: der Familie finanziell zur Last zu fallen (49 Prozent), im Heim in einem Mehrbettzimmer zu wohnen (48 Prozent) oder Abstriche bei der Heimqualität machen zu müssen (44 Prozent).
AOK Nordost fordert Reform
Daniela Teichert, Vorstandsvorsitzende der AOK Nordost, betont: „Die Ergebnisse sind ein deutliches Signal: Die Menschen erwarten eine verlässliche, bezahlbare und wohnortnahe Pflege. Pflegende Angehörige brauchen spürbare Entlastung. Pflege darf weder Familien überfordern noch im Alter zum Armutsrisiko werden.“ Sie fordert politische Entscheidungen: „Was es jetzt braucht, sind keine weiteren Absichtserklärungen – sondern echte Entscheidungen.“ Aus ihrer Sicht sind drei Punkte für eine Pflegereform essenziell: eine verlässliche Finanzierung der Pflegeversicherung, spürbare Entlastung für pflegende Angehörige und ein konsequenter, bedarfsorientierter Ausbau der regionalen Pflegeinfrastruktur.



