Arzt greift Pfleger seiner Mutter mit Toilettenstuhl-Fußstütze an
Ein 55-jähriger Arzt ist vom Amtsgericht Tiergarten in Berlin wegen gefährlicher Körperverletzung an einem Pfleger zu einer Geldstrafe von 2.250 Euro verurteilt worden. Der Mediziner hatte den 57-jährigen Pfleger seiner 87-jährigen Mutter mit der Fußstütze eines Toilettenstuhls attackiert und dabei mindestens drei Schläge ausgeführt.
Streit um Pflegeroutine eskaliert in Gewalt
Der Vorfall ereignete sich im September 2024 in einer Wohngemeinschaft in Berlin-Schöneberg. Der Arzt hatte seine Mutter besucht und plante, im Krankenzimmer zu übernachten. Als der Pfleger im Spätdienst seine übliche Pflegeroutine durchführen wollte, kam es zum Konflikt. Der Pfleger erklärte vor Gericht, der Angeklagte habe sich bezüglich der Pflege "Sachen angemaßt" und die hochbetagte Frau ohne technische Hilfsmittel aus dem Bett gehoben. "Ich habe ihm erklärt, dass ich die Pflegepflicht und die Verantwortung habe", so der 57-Jährige.
Platzwunde am Kopf und sofortiges Hausverbot
Die Richterin beschrieb die Situation als "provokativ". Der Arzt gab die Schläge zu und zeigte Reue. Er erklärte, vor der Gewalt sei es zu einem Streit und Provokationen gekommen - "da habe ich einen beliebigen Gegenstand gegriffen". Der Pfleger erlitt durch die Attacke eine Platzwunde am Hinterkopf. Unmittelbar nach der Tat erhielt der Arzt ein Hausverbot für die Einrichtung.
Gericht sieht minder schweren Fall
Die Staatsanwaltschaft hatte eine Freiheitsstrafe von einem Jahr und sechs Monaten auf Bewährung gefordert. Der Verteidiger plädierte auf eine Geldstrafe von maximal 90 Tagessätzen. Das Gericht verhängte schließlich 150 Tagessätze zu je 15 Euro. Es wertete den Fall als juristisch minder schwer, da der Angeklagte nicht vorbestraft ist und in einer emotional hoch aufgeladenen Situation handelte. Der Arzt, der nach eigenen Angaben seit Jahren seine Mutter pflegt und längere Zeit nicht mehr in seinem Beruf tätig ist, bereute seine Tat zutiefst. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.



