DAK-Pflegereport enthüllt: Große Mehrheit in Niedersachsen sieht Pflegesystem als gescheitert
Eine aktuelle und repräsentative Umfrage des Instituts für Demoskopie Allensbach im Auftrag der Krankenkasse DAK-Gesundheit zeichnet ein düsteres Bild der Pflegesituation in Deutschland, mit besonderem Fokus auf Niedersachsen. Die Ergebnisse, die als alarmierender Weckruf für die Politik interpretiert werden, zeigen eine tiefgreifende Unzufriedenheit und Verunsicherung in der Bevölkerung.
Zwei Drittel bewerten Pflegesituation als unzureichend
Konkret bewerteten rund zwei Drittel der befragten Niedersachsen die aktuelle Pflegesituation als „nicht so gut“ oder sogar „gar nicht gut“. Diese Einschätzung spiegelt sich nahezu identisch in den bundesweiten Ergebnissen wider. Besonders beunruhigend: Fast jeder zweite Befragte rechnet damit, dass sich die Versorgungslage in den kommenden zehn Jahren weiter verschlechtern wird. Die Umfrage basiert auf Interviews mit rund 4.400 Menschen im Alter zwischen 16 und 75 Jahren in ganz Deutschland, darunter knapp 300 Teilnehmer aus Niedersachsen.
Personalmangel und Finanzierung als Kernprobleme
Als die zentralen Schwachstellen des Systems identifizieren die Befragten eindeutig den akuten Personalmangel und die prekäre Finanzierungslage. Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache:
- 69 Prozent sehen fehlende Pflegekräfte als großes oder sehr großes Problem.
- 68 Prozent verweisen auf die hohen Kosten bei stationärer Pflege als kritischen Punkt.
- 65 Prozent halten die Finanzierung des Pflegesystems insgesamt für nicht gesichert.
- 71 Prozent der Niedersachsen bewerten die Finanzierung der Pflegeversicherung als nicht ausreichend abgesichert.
Klare Forderungen für eine Systemreform
Bei der Frage nach notwendigen Reformen sind die Prioritäten der Bevölkerung eindeutig gesetzt. An erster Stelle steht mit überwältigender Mehrheit die Forderung, Pflege für alle Bürger bezahlbar zu machen. Fast neun von zehn Befragten (90 Prozent) halten dies für „sehr wichtig“. Weitere zentrale Reformwünsche umfassen:
- Eine langfristige Sicherung der Finanzierung, die von vier von fünf Befragten erwartet wird.
- Eine Deckelung der Eigenanteile im Pflegeheim, die für drei Viertel der Teilnehmer wichtig ist.
- Die Einführung eines einfacheren Leistungssystems, das sich fast genauso viele Menschen wünschen.
Politischer Handlungsdruck wird deutlich
Dirk Vennekold, der Leiter der DAK-Landesvertretung Niedersachsen, kommentierte die Ergebnisse mit deutlichen Worten. Er sprach von einer „großen Verunsicherung der Bevölkerung in Niedersachsen“ und bezeichnete die Umfrageergebnisse als einen „Weckruf an die Politik in Bund und Ländern“. Vennekold fordert eine umfassende Reform mit einer „strukturellen Neuausrichtung“, die die Menschen ausreichend, verlässlich und vor allem bezahlbar absichere. Die DAK-Gesundheit hat in Niedersachsen rund 530.000 Versicherte, bundesweit sind es etwa 5,4 Millionen. Von diesen beziehen rund 560.000 Versicherte Leistungen der Pflegekasse, was die Relevanz des Themas unterstreicht.



