Eisregen-Krise: Kliniken an Kapazitätsgrenzen – Eine Seniorin erzählt ihre Überlebensgeschichte
Die eisigen Februar-Tage brachten nicht nur gefrorene Landschaften, sondern auch eine Welle von Unfällen, die Krankenhäuser in Mecklenburg-Vorpommern an ihre Belastungsgrenzen führten. Unter den Betroffenen befindet sich Rosi Porath, eine 75-jährige Rentnerin aus Neppermin auf Usedom, deren Schicksal exemplarisch für die Herausforderungen des Gesundheitssystems in Extremsituationen steht.
Eine Nacht des Horrors und der Verzweiflung
„Ich robbte bis zu meiner Haustür, völlig durchnässt und verzweifelt“, schildert Rosi Porath die Anfänge ihrer Odyssee am Abend des 12. Februar. Beim Versuch, auf ihrem vereisten Grundstück Halt zu finden, rutschte die Seniorin aus und erlitt einen schweren Sturz. Das linke Bein schwoll sofort an, die Schmerzen wurden unerträglich. Mit letzter Kraft setzte sie einen Notruf ab, der den Beginn einer langen medizinischen Reise markierte.
Die Rettungssanitäter brachten die verletzte Frau zunächst in die Wolgaster Klinik, wo jedoch schnell klar wurde: Die notwendige Operation konnte dort nicht durchgeführt werden. „Die erforderlichen Stabilisatoren waren nicht vorrätig“, erklärt Porath die erste Enttäuschung. Was folgte, war eine frustrierende Suche nach einem verfügbaren Operationsplatz.
Die Odyssee von Usedom nach Demmin
Die Universitätsklinik Greifswald und das Stralsunder Krankenhaus mussten beide absagen – überlastet durch die zahlreichen Eisregen-Unfälle. Erst das Demminer Kreiskrankenhaus sagte zu, die Seniorin aufzunehmen. Für Rosi Porath fühlte sich die Verlegung wie eine weitere Katastrophe an: „Demmin war mir völlig unbekannt, der Weg in die Ferne machte mir Angst. Die Nacht kam mir endlos vor.“
Doch in Demmin erwartete sie eine Überraschung. Chefarzt Dr. Torsten Franck von der Unfallchirurgie traf um 2 Uhr nachts persönlich in der Notaufnahme ein und diagnostizierte sofort einen offenen Sprunggelenkbruch mit gebrochenen Innen- und Außenknöcheln. Noch in derselben Nacht wurde die dringend notwendige Stabilisierungsoperation durchgeführt.
Zweifache Operation und geriatrische Rehabilitation
Sechs Tage später folgte ein zweiter Eingriff zur Optimierung der Wundheilung. Parallel dazu begann bereits die geriatrische Frührehabilitation unter der Leitung von Oberärztin Freya Riedel. „Frau Porath ist willensstark und macht konsequent mit“, lobt Riedel die Patientin. „Ihr Heilungsprozess verläft außerordentlich gut.“
Die Seniorin selbst ist von der Demminer Behandlung begeistert: „Die Herzlichkeit und Freundlichkeit in diesem Krankenhaus ist erstklassig. Die Physiotherapeutinnen um Nicole sehen schon die kleinsten Erfolge und bauen darauf auf.“ Sogar ihren 75. Geburtstag feierte Porath während des Klinikaufenthalts – mit Gratulationen des gesamten Behandlungsteams.
Akut-geriatrische Komplexbehandlung als Erfolgsmodell
Dr. Torsten Franck betont die Bedeutung des in Demmin praktizierten Behandlungskonzepts: „Die akut-geriatrische Komplexbehandlung mit enger Abstimmung zwischen Chirurgie, Physio- und Ergotherapie ist der Schlüssel zum Erfolg.“ Besonders wichtig sei die nahtlose Weiterbetreuung nach der Entlassung: „Unser Krankenhaus unterstützt die Patienten auch mit der Nachbehandlung zu Hause.“
Für Rosi Porath hat sich der anfängliche Schrecken in tiefe Dankbarkeit verwandelt: „Ich bin den Ärzten und dem Pflegepersonal unendlich dankbar. Sie haben mich neu aufgebaut. So wurde aus meinem Pech ein Glücksfall.“ Ihre Geschichte zeigt nicht nur die Belastungsgrenzen des Gesundheitssystems bei Extremwetterlagen, sondern auch, wie menschliche Fürsorge und medizinische Expertise selbst in Krisenzeiten Hoffnung schenken können.



