Letzte-Hilfe-Kurse in Schwerin: Sterbebegleitung lernen und Tabus brechen
Am Sterbebett sitzen und die Hand halten – was kann man in diesen intensiven Momenten noch tun? Und was sollte man besser lassen? In Schwerin bereiten Letzte-Hilfe-Kurse des Hospizvereins Angehörige und Interessierte genau auf solche Situationen vor. Sylvia Böse, Koordinatorin beim Hospizverein Schwerin, vermittelt dort das kleine Einmaleins der Sterbebegleitung.
Vorbereitung für den letzten Abschied
„Einen Erste-Hilfe-Kurs machen die meisten, bevor etwas passiert. So ähnlich ist es bei der letzten Hilfe auch“, erklärt Sylvia Böse. Die kostenlosen Kurse finden am Abend im Anna-Hospital mit zertifizierten, ehrenamtlichen Kursleitern statt und werden von einer pensionierten Palliativmedizinerin unterstützt. Die Nachfrage ist enorm, obwohl auch andere Organisationen wie die Caritas und die Volkshochschule Schwerin ähnliche Angebote haben.
Woran erkennt man den Sterbeprozess?
In den Kursen werden konkrete Fragen behandelt: Marmorierte Haut an Armen und Beinen, Atemaussetzer, fehlende Reaktion auf Ansprache sowie der Verzicht auf Essen und Trinken sind klassische Zeichen. „Viele denken, der Mensch stirbt, weil er nicht mehr isst. Tatsächlich isst er nicht mehr, weil er stirbt – der Körper benötigt in dieser Phase keine Nahrung mehr“, klärt Böse auf. Die ehemalige Dialyse-Fachschwester mit 30 Jahren Berufserfahrung betont besonders die Bedeutung der Mundpflege und zeigt praktische Handgriffe.
Praktische Tipps für die letzten Stunden
- Bei offenem Mund können Lippen vorsichtig mit Tee-Kompressen befeuchtet werden
- Kleine Kausäckchen mit Lieblingsspeisen ermöglichen Geschmackserlebnisse
- Akupunkturpunkte gegen Schmerzen und Übelkeit können gedrückt werden
- Gerollte Handtücher helfen bei der Lagerung des Sterbenden
Kinder und Jugendliche einbeziehen
Besonders wichtig sind die speziellen Letzte-Hilfe-Kurse für Kinder und Jugendliche. „Viele Kinder begegnen im Alltag Krankheit und Sterben, doch meist fehlt die Gelegenheit, darüber zu sprechen“, bedauert Böse. Die Kurse für Schulen werden jedoch kaum gebucht – ein Zeichen dafür, dass der Tod immer noch ein Tabuthema ist. Dabei sollten Kinder immer eine Entscheidungsmöglichkeit haben, ob sie zur Beerdigung gehen oder den Verstorbenen sehen möchten.
Professionelle Kurse für Pflegekräfte
Neben den Laienkursen bietet der Hospizverein auch professionelle Letzte-Hilfe-Kurse für Pflegekräfte, Rettungsdienstmitarbeiter und Ärzte an. Hier werden Fragen des Berufsalltags behandelt: Darf man Angehörige trösten? Wie geht man mit deren Schuldgefühlen um, wenn der Tod genau in dem Moment eintritt, in dem sie kurz den Raum verlassen haben?
Termine und Kontakt
Der Hospizverein Schwerin organisiert regelmäßig Kurse. Der nächste findet am 2. Juni von 16.30 bis 21 Uhr im Anna-Hospital statt. Anmeldungen sind telefonisch oder per E-Mail möglich. Weitere Angebote gibt es bei der Volkshochschule Schwerin und dem Ambulanten Hospizdienst Wismar.



