Pflegenotstand in deutschen Metropolen: 60.000 Heimplätze fehlen - Kosten variieren um bis zu 859 Euro
Pflegenotstand: 60.000 Heimplätze fehlen, Kosten variieren stark

Pflegenotstand in deutschen Metropolen: 60.000 Heimplätze fehlen - Kosten variieren um bis zu 859 Euro

Wo finden Oma und Opa, Mutter oder Vater noch einen Platz im Pflegeheim? Und wie tief müssen Familien dafür in die eigene Tasche greifen? Die Zahlen einer aktuellen Studie sind ernüchternd: Es fehlt deutschlandweit an Pflegeheimplätzen, und die vorhandenen sind ungleich verteilt. Auch die Zuzahlungen für Angehörige variieren dramatisch zwischen den Großstädten.

Versorgungsdichte: Chemnitz führt, München Schlusslicht

Eine umfangreiche Studie des Jobportals Pflegia zeigt: In Deutschlands 30 größten Städten klaffen Angebot und Kosten dramatisch auseinander. Während in manchen Städten vergleichsweise viele Plätze zur Verfügung stehen, ist es anderswo fast ein Glücksspiel – bei happigen Eigenanteilen von deutlich über 3.000 Euro im Monat.

Insgesamt wurden 1.736 Pflegeheime mit 167.436 Plätzen ausgewertet. Die meisten Plätze gibt es rein rechnerisch in Berlin (30.213), gefolgt von Hamburg (15.268) und Köln (7.947). Doch entscheidend ist die Versorgungsdichte – also die Zahl der Plätze pro 1.000 Einwohner.

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Spitzenreiter hier ist überraschend das sächsische Chemnitz mit 14,93 Plätzen pro 1.000 Einwohner. Dahinter folgen Hannover (14,11), Braunschweig (12,65), Essen und Leipzig mit ebenfalls vergleichsweise hoher Dichte.

Dramatische Lage im Süden und Westen

Ganz anders die Situation im Süden und Westen Deutschlands. Verlierer ist mit Abstand ausgerechnet das wohlhabende München mit nur 5,07 Pflegeplätzen pro 1.000 Einwohner. Auch Frankfurt am Main (6,17) und Kiel (7,27) schneiden schlecht ab.

Laut der Analyse gibt es in den untersuchten 30 deutschen Städten insgesamt 1.736 Einrichtungen, die 167.436 Pflegeplätze bereitstellen. Dem Arbeitgeberverband Pflege zufolge fehlen bundesweit rund 60.000 Heimplätze und fast 1.000 Pflegeheime.

Kostenunterschiede von bis zu 859 Euro monatlich

Neben der Frage „Gibt es überhaupt einen Platz?“ stellt sich für viele Familien die nächste Schockfrage: „Wie sollen wir das bezahlen?“ Der bundesweite Durchschnitt beim Eigenanteil liegt laut Verband der Ersatzkassen bei 3.245 Euro monatlich.

Doch zwischen den Großstädten gibt es enorme Unterschiede – bis zu 859 Euro pro Monat. Am teuersten ist stationäre Pflege in Karlsruhe (3.449 Euro), Stuttgart (3.381 Euro), Köln (3.377 Euro) und auch hier wieder München mit im Schnitt 3.237 Euro Zuzahlung monatlich.

Deutlich günstiger ist es dagegen in Braunschweig (2.590 Euro), Hamburg (2.591 Euro) und Leipzig (2.627 Euro). Das bedeutet: Wer in Karlsruhe einen Heimplatz braucht, zahlt im Schnitt fast 860 Euro mehr als in Braunschweig – jeden einzelnen Monat.

Fachkräftemangel verschärft die Krise

„Sowohl die Versorgungsdichte als auch die Pflegekosten unterscheiden sich deutlich von Stadt zu Stadt. Neben dem Mangel an Pflegeplätzen verschärft vor allem der Fachkräftemangel die Lage“, warnt der Geschäftsführer des Jobportals „Pflegia“, Felix Westphal.

Das Problem: Viele Heime dürfen Betten gar nicht belegen, wenn sie die vorgeschriebenen Personalquoten nicht erfüllen. Fehlen Pflegekräfte, bleiben Plätze leer – obwohl Bedarf da ist.

Ob ein Pflegeplatz verfügbar ist – und was er kostet –, hängt in Deutschland also massiv vom Wohnort ab. Während Städte wie Chemnitz, Hannover oder Braunschweig vergleichsweise gute Karten bieten, stehen Angehörige in München oder Frankfurt am Main vor deutlich größeren Herausforderungen.

Die Studie macht deutlich, dass der Pflegenotstand in Deutschland nicht nur ein quantitatives Problem ist, sondern auch eine Frage der regionalen Gerechtigkeit. Familien müssen sich darauf einstellen, dass sowohl die Verfügbarkeit als auch die Kosten für Pflegeheimplätze stark von ihrem Wohnort abhängen – mit finanziellen Unterschieden, die über 10.000 Euro pro Jahr ausmachen können.

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