Sicher mit dem Rollator: 4 Experten-Tipps zur effektiven Sturzprävention im Alltag
Von der losen Teppichkante bis zur falschen Körperhaltung: Zahlreiche Faktoren können zu gefährlichen Stürzen führen, wenn man mit einem Rollator durch den Alltag navigiert. Pflege-Experten des Zentrums für Qualität in der Pflege (ZQP) und der Aktion Das Sichere Haus (DSH) verraten, wie es besser geht und welche Maßnahmen wirklich helfen.
Tipp 1: Das Zuhause rollatorensicher gestalten
Soll ein Rollator auch in der eigenen Wohnung oder dem Haus zum Einsatz kommen, bereitet man die Umgebung am besten vorab darauf vor. Bleiben die Räder nämlich an Kanten hängen, ist es schnell vorbei mit dem Gleichgewicht. Das ZQP empfiehlt folgende wichtige Handgriffe:
- Lose Teppichkanten sorgfältig festkleben
- Dicke Teppiche am besten komplett entfernen
- (Tür-)Schwellen mit speziellen kleinen Rampen ausgleichen
- Möbel gegebenenfalls umstellen, um ausreichend Bewegungsfreiheit zu schaffen
Tipp 2: Professionelle Beratung und individuelle Einstellung
„Wichtig ist, dass ein Rollator den eigenen Bedürfnissen und konkreten Einsatzbedingungen möglichst gut entspricht“, betont Daniela Sulmann, Pflegeexpertin des ZQP. Nach einer ausführlichen Beratung in einem Sanitätsgeschäft sollte das gewählte Modell vor Ort passend eingestellt werden. Entscheidend sind dabei insbesondere die individuelle Griffhöhe und die korrekte Funktion der Bremsen.
Tipp 3: Optimale Körperhaltung und richtige Handhabung
Die goldene Regel lautet: möglichst aufrecht gehen. Man sollte sich beim Gehen mit dem Rollator weder nach vorn beugen noch die Schultern hochziehen, erklärt das ZQP. Diese Haltung schont zusätzlich den Rücken.
Für maximale Stabilität ist es essenziell, dass sich die Füße beim Gehen zwischen den Hinterrädern befinden. Man geht also nicht hinter, sondern im Rollator. Dies gilt sowohl für ebene Strecken als auch bei Bergauf- oder Bergab-Passagen. Insbesondere bei Gefälle gilt: stets bremsbereit bleiben.
Die Aktion Das Sichere Haus (DSH) rät zudem, die Bremsen unbedingt festzustellen, wenn man sich auf den Rollator setzt. Noch sicherer wird die Verschnaufpause, wenn die Vorderräder zusätzlich eine Wand berühren.
Tipp 4: Kritische Situationen gezielt trainieren
Bordsteine überwinden, in Bus oder Bahn einsteigen, rückwärts gehen oder durch Türen navigieren: All diese Manöver müssen geübt sein. Sinnvoll sind spezielle Rollatortrainings, die beispielsweise bei Kliniken, in der Physio- oder Ergotherapie, von der Polizei, Verkehrsbetrieben oder der Deutschen Verkehrswacht angeboten werden.
Wichtiger Hinweis: Nicht jeder benötigt einen Rollator
Die Entscheidung für einen Rollator sollte niemals auf eigene Faust getroffen werden. Das ZQP rät dringend, vorher mit Hausarzt, Orthopädin oder Physiotherapeut über das Thema zu sprechen. Denn einen Rollator sollte nur nutzen, wer ihn auch wirklich benötigt.
Der Grund: Wer über längere Zeit am Rollator geht, obwohl dies gar nicht medizinisch indiziert ist, riskiert Gleichgewichtsstörungen. Auch die natürliche Gehfähigkeit kann dadurch abnehmen. Eine fachärztliche Einschätzung ist daher unverzichtbar.



