Rostock sucht dringend Pflegefamilien: Eine Pflegemutter erzählt von ihrer bewegenden Erfahrung
In der Hansestadt Rostock herrscht ein akuter Mangel an Pflegefamilien, während gleichzeitig immer mehr Kinder ein liebevolles Zuhause benötigen. Grit Gaida, die engagierte Leiterin des Pflege-Familien-Zentrums der Caritas in Rostock, macht deutlich: „Wir bräuchten unbedingt bis zu 20 zusätzliche Pflegefamilien, das wäre wirklich topp“. Aktuell sucht das Zentrum für 15 Kinder in Rostock dringend eine Pflegefamilie, zusätzlich zu fünf weiteren Kindern, die bereits in Verwandtenpflege untergekommen sind.
Die bewegende Geschichte einer Pflegemutter
Babett Kottwitz, eine 48-jährige Rostockerin, die im Einzelhandel arbeitet, wurde vor fünf Jahren Pflegemutter. „Ich habe mir gedacht, ich kann die Welt nicht retten, aber ich kann ja mal damit anfangen“, erklärt sie ihre Motivation. Was ursprünglich als Kurzzeitpflege geplant war, entwickelte sich zu einer dauerhaften Familienkonstellation. Heute kümmert sie sich liebevoll um ihren mittlerweile achtjährigen Pflegesohn, den sie wie ihr eigenes Kind betrachtet.
„Er ist wie mein richtiger Sohn“, sagt Babett Kottwitz, die auch einen 27-jährigen leiblichen Sohn hat. Der Achtjährige bestätigt diese enge Bindung mit den einfachen Worten: „Babett ist meine Mama“. Die Rostockerin erinnert sich gerührt: „Am Anfang war ich für ihn Babett, dann wurde ich zur Mama“.
Die Herausforderungen der Pflegekinderhilfe
Grit Gaida betont die besonderen Bedürfnisse der Pflegekinder: „Die bisherigen Lebenserfahrungen dieser Kinder sind geprägt von Abbrüchen, mangelnder Versorgung, Vernachlässigung und anderen Belastungen“. Aktuell leben in Rostock 183 Pflegekinder in 153 Pflegefamilien, die alle vom Pflege-Familien-Zentrum betreut und begleitet werden. Im Jahr 2025 konnten 21 Kinder in Pflegefamilien vermittelt werden.
Ein besonderes Problem stellt der Mangel an geeigneten Dauerpflegefamilien dar. „Kinder bleiben immer länger in der Bereitschaftspflege, da geeignete Dauerpflegefamilien fehlen“, erklärt Gaida. In Rostock gibt es zwar sieben Bereitschaftspflegefamilien, die bei Notsituationen sofort Kinder aufnehmen können, doch „diese Familien sind immer ausgelastet“.
Was Pflegeeltern leisten müssen
Die Leiterin des Pflege-Familien-Zentrums unterstreicht, worauf es bei der Pflegeelternschaft ankommt: „Hier sind Stabilität, Vertrauen und eine starke Bindung gegeben. Solche Pflegeeltern suchen wir“. Es gehe darum, den Kindern Sicherheit zu vermitteln, Geborgenheit und Zuneigung – eben wie in einer echten Familie. „Und Pflegeeltern müssen auch bereit sein, schwierige Zeiten mit ihren Pflegekindern auszuhalten“, so Gaida.
Im Fall von Babett Kottwitz und ihrem Pflegesohn wurde mit der leiblichen Mutter vereinbart, dass der Junge dauerhaft bei seiner Pflegemutter bleiben wird. „Die Mutter sei dankbar, dass ihr Kind eine neue, gute Familie gefunden habe“, berichtet Grit Gaida.
Unterstützung und Vorbereitung für Interessierte
Für Menschen, die sich für die Aufnahme eines Pflegekindes interessieren, bietet das Pflege-Familien-Zentrum regelmäßige Informationsabende an. Jeden ersten Dienstag im Monat um 17.30 Uhr finden diese im Zentrum in der Kröpeliner Straße 16 statt. „Diese Abende sind für alle, die sich für die Pflegekinderhilfe interessieren“, sagt Gaida.
Zudem gibt es zweimal jährlich Vorbereitungskurse für Pflegeelternbewerber, die aus elf Veranstaltungen über drei Monate bestehen und kostenlos angeboten werden. „Hier können die Teilnehmer für sich herausfinden, ob sie Pflegeeltern werden wollen“. Der nächste Kurs beginnt am 28. Februar, und laut Gaida gibt es noch freie Plätze.
Babett Kottwitz hat selbst einen solchen Vorbereitungskurs absolviert und betont: „Da habe ich viel gelernt. Aber natürlich wird es erst so richtig ernst, wenn das Pflegekind dann da ist“. Ihre Entscheidung, Pflegemutter zu werden, hat sie nie bereut: „Es gibt so viele Kinder, die Hilfe benötigen. Meine Intention war es von Anfang an, einem Kind ein schönes Zuhause zu geben“.
Abschließend fasst die engagierte Pflegemutter zusammen: „Pflegemutter ist eine schöne Aufgabe, vor allem wenn man sieht, wie positiv sich das Kind entwickelt“. Ihre Geschichte zeigt, wie wertvoll und erfüllend die Aufgabe als Pflegeeltern sein kann – gerade in einer Stadt wie Rostock, die dringend weitere engagierte Familien benötigt.



