Rostock mit akutem Mangel an Pflegefamilien
Die Hansestadt Rostock steht vor einer ernsten Herausforderung: Es werden dringend bis zu 20 zusätzliche Pflegefamilien benötigt, um Kindern in schwierigen Lebenssituationen ein liebevolles Zuhause zu bieten. Grit Gaida, Leiterin des Pflege-Familien-Zentrums der Caritas in Rostock, betont die Dringlichkeit dieser Suche. „Wir bräuchten unbedingt bis zu 20 zusätzliche Pflegefamilien, das wäre wirklich topp“, erklärt sie mit Nachdruck. Das Zentrum arbeitet eng mit der Stadtverwaltung zusammen, um Pflegekinder zu vermitteln und neue Pflegeeltern zu finden.
Aktuelle Situation in der Hansestadt
Derzeit sucht das Pflege-Familien-Zentrum für 15 Kinder in Rostock eine geeignete Pflegefamilie. Hinzu kommen fünf weitere Kinder, die bereits in Verwandtenpflege untergebracht sind. „Die bisherigen Lebenserfahrungen dieser Kinder sind geprägt von Abbrüchen, mangelnder Versorgung, Vernachlässigung und anderen Belastungen“, beschreibt Grit Gaida die schwierigen Ausgangssituationen. Diese Kinder benötigen dringend Stabilität, Sicherheit und Geborgenheit – Werte, die eine Pflegefamilie bieten kann.
Eine Pflegemutter erzählt ihre Geschichte
Babett Kottwitz aus Rostock hat vor fünf Jahren die Entscheidung getroffen, ein Pflegekind aufzunehmen. „Ich habe mir gedacht, ich kann die Welt nicht retten, aber ich kann ja mal damit anfangen“, erklärt die 48-jährige Angestellte im Einzelhandel ihre Motivation. Was zunächst als Kurzzeitpflege geplant war, entwickelte sich zu einer dauerhaften Familienkonstellation. Heute kümmert sie sich um ihren achtjährigen Pflegesohn, den sie wie ihr eigenes Kind liebt.
Der Junge bestätigt diese enge Bindung mit den Worten: „Babett ist meine Mama.“ Seine Pflegemutter ist sichtlich gerührt, als sie davon erzählt: „Am Anfang war ich für ihn Babett, dann wurde ich zur Mama“, sagt sie mit einem Leuchten in den Augen. Die leibliche Mutter des Kindes hat dieser dauerhaften Unterbringung zugestimmt und ist dankbar, dass ihr Sohn eine neue, stabile Familie gefunden hat.
Herausforderungen in der Pflegekinderhilfe
Grit Gaida unterstreicht, dass alle Pflegekinder in irgendeiner Weise vorbelastet sind und aus schwierigen Verhältnissen kommen. In Rostock leben derzeit 183 Pflegekinder in 153 Pflegefamilien, die vom Pflege-Familien-Zentrum betreut werden. Im Jahr 2025 konnten 21 Kinder in Pflegefamilien vermittelt werden. Besonders kritisch ist die Situation bei den sieben Bereitschaftspflegefamilien, die für Notsituationen zur Verfügung stehen.
„Diese Familien sind immer ausgelastet“, berichtet Grit Gaida. „Kinder bleiben immer länger in der Bereitschaftspflege, da geeignete Dauerpflegefamilien fehlen.“ Dieser Mangel an dauerhaften Pflegeplätzen stellt ein zentrales Problem in der Rostocker Kinder- und Jugendhilfe dar.
Unterstützung für potenzielle Pflegeeltern
Das Pflege-Familien-Zentrum bietet regelmäßig Informationsveranstaltungen und Vorbereitungskurse für interessierte Familien an. Jeden ersten Dienstag im Monat um 17:30 Uhr finden in der Kröpeliner Straße 16 Informationsabende statt. „Diese Abende sind für alle, die sich für die Pflegekinderhilfe interessieren“, erklärt Grit Gaida.
Zweimal jährlich werden zudem Vorbereitungskurse für Pflegeelternbewerber angeboten. Diese kostenlosen Kurse umfassen elf Veranstaltungen über drei Monate und helfen den Teilnehmern, ihre Eignung für diese verantwortungsvolle Aufgabe zu prüfen. Der nächste Kurs beginnt am 28. Februar, und es sind noch Plätze frei.
Die persönliche Motivation einer Pflegemutter
Babett Kottwitz hat selbst einen solchen Vorbereitungskurs absolviert und betont: „Da habe ich viel gelernt. Aber natürlich wird es erst so richtig ernst, wenn das Pflegekind dann da ist.“ Ihre Entscheidung, Pflegemutter zu werden, hat sie nie bereut. „Es gibt so viele Kinder, die Hilfe benötigen“, sagt sie mit Überzeugung.
Ihre Intention war von Anfang an klar: „Meine Intention war es von Anfang an, einem Kind ein schönes Zuhause zu geben.“ Für Babett Kottwitz steht fest, dass die Aufgabe als Pflegemutter besonders erfüllend ist, „vor allem wenn man sieht, wie positiv sich das Kind entwickelt.“
Die Hansestadt Rostock sucht weiterhin dringend Familien, die bereit sind, Kindern in Not ein sicheres und liebevolles Zuhause zu bieten – eine Aufgabe, die nicht die Welt rettet, aber für einzelne Kinder einen lebensverändernden Anfang machen kann.



