Bewegung auf Rezept: Ärzte empfehlen Sport – mit einem Haken
Bewegung auf Rezept: Ärzte empfehlen Sport

Regelmäßige Bewegung ist ein Schlüssel zur Prävention vieler Krankheiten und fördert die psychische Gesundheit. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt mindestens 150 Minuten moderate bis intensive körperliche Aktivität pro Woche sowie an zwei Tagen muskelkräftigende Übungen. Doch laut einer Auswertung des Robert Koch-Instituts aus dem Jahr 2019 erreichen drei Viertel der Erwachsenen in Deutschland diese Vorgaben nicht – und seither hat sich daran kaum etwas verbessert. Im Durchschnitt sitzen die Menschen hierzulande zehn Stunden am Tag, und nur etwa jeder Dritte kann dies durch Bewegung in der restlichen Zeit ausgleichen.

Pilotprojekt in zwei Landkreisen

Vor diesem Hintergrund sieht Mecklenburg-Vorpommerns Gesundheitsministerin Stefanie Drese (SPD) dringenden Handlungsbedarf: „Bewegung muss wieder einen höheren Stellenwert einnehmen.“ Ein neues Projekt, das zunächst in den Landkreisen Mecklenburgische Seenplatte und Vorpommern-Greifswald läuft und später auf ganz MV ausgeweitet werden soll, könnte ein Weg sein. Ärzte können ihren Patienten ein „Rezept für Bewegung“ ausstellen, mit dem sie gezielt körperliche Aktivität empfehlen – sei es zur Stärkung des Herz-Kreislaufsystems, des Haltungs- und Bewegungssystems, zur Stressbewältigung bei Erwachsenen oder für mehr Alltagsbewegung bei Kindern.

Bewegungslandkarte als Ergänzung

Ergänzend zum Rezept erhalten Patienten in den Modellregionen einen Link zu einer Bewegungslandkarte. Diese verzeichnet nicht nur Sport- und Rehaangebote, sondern auch Spiel- und Bolzplätze in der Nähe. „Das sind alles gute Möglichkeiten, um fernab des Berufs- und Schulalltages wieder mehr in Bewegung zu kommen“, betont Drese. Das Projekt geht auf eine gemeinsame Initiative von Ärztekammer MV und Landessportbund zurück. Es basiert auf der Erkenntnis, dass Menschen sich am ehesten durch ärztliche Empfehlungen motivieren lassen, ihren inneren Schweinehund zu überwinden und Verhaltensänderungen umzusetzen.

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Hoffnung auf neue Vereinsmitglieder

Der Landessportbund erhofft sich durch die Aktion auch neue Mitglieder. „Unsere Sportvereine im Land bieten wohnortnahe, qualitativ hochwertige Bewegungsangebote von Kindesbeinen an bis ins hohe Alter“, wirbt Geschäftsführer Torsten Haverland. Die Vereine seien gern bereit, passende Angebote zu den ärztlichen Empfehlungen zu finden.

Kein klassisches Rezept – Kosten selbst tragen

Allerdings hat das „Rezept für Bewegung“ einen Haken: Es handelt sich nicht um ein Rezept im klassischen Sinne, sondern ist an das sogenannte grüne Rezept angelehnt, mit dem medizinisch notwendige, aber nicht verschreibungspflichtige Arzneimittel empfohlen werden. Das Ausstellen ist eine freiwillige ärztliche Leistung, die nicht von den gesetzlichen Krankenkassen vergütet wird. Wer die Angebote nutzt, muss Mitgliedsbeiträge oder Kursgebühren selbst zahlen, teilt das Gesundheitsministerium mit. Dennoch kann es sich lohnen, im Kursangebot der eigenen Krankenkasse zu stöbern, da viele Kassen ihren Mitgliedern bestimmte Bewegungsangebote kostenlos anbieten.

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