HPV-Impfung: Wirksamer Schutz vor Krebs wird in MV zu wenig genutzt
Die Impfung gegen Humane Papillomviren (HPV) stellt einen wissenschaftlich belegten Schutz vor verschiedenen Krebserkrankungen dar. Dennoch bleibt diese präventive Maßnahme in Mecklenburg-Vorpommern deutlich unter ihrem Potenzial, wie aktuelle Zahlen belegen. Anlässlich des Welt-HPV-Tages am 4. März machen Mediziner und Fachverbände auf diese besorgniserregende Situation aufmerksam.
Alarmierende Impfquoten bei Jugendlichen
Laut den Berufsverbänden der Frauenärzte sowie der Kinder- und Jugendärzte in Mecklenburg-Vorpommern verfügen lediglich 65 Prozent der 15-jährigen Mädchen und sogar nur 47 Prozent der gleichaltrigen Jungen über den empfohlenen HPV-Impfschutz. Diese Zahlen liegen zwar über dem Bundesdurchschnitt, bleiben jedoch weit hinter den angestrebten Zielmarken zurück.
„Das ist eine verpasste Chance im Kampf gegen Krebs“, betont Dr. Andreas Pfeiffer, stellvertretender Landesvorsitzender des Berufsverbandes der Frauenärzte in MV. „Die HPV-Impfung ist derzeit die einzige Impfung, die nachweislich vor Krebs schützt. Diese Möglichkeit sollten wir viel stärker nutzen.“
HPV: Gefährliche Viren mit weitreichenden Folgen
Humane Papillomviren gehören zu den häufigsten sexuell übertragbaren Krankheitserregern weltweit. Schätzungsweise 85 bis 90 Prozent aller sexuell aktiven Menschen infizieren sich im Laufe ihres Lebens mit diesen Viren. Während einige HPV-Typen lediglich gutartige Feigwarzen verursachen, können andere maßgeblich an der Entstehung verschiedener Krebsarten beteiligt sein.
Dr. Pfeiffer verdeutlicht die Dimension: „Allein in Deutschland erkranken jährlich etwa 4.500 Frauen neu an Gebärmutterhalskrebs, der durch HPV ausgelöst wird. Hinzu kommen etwa 25.000 Behandlungen wegen Vorstufen dieser Erkrankung bei oft noch jungen Frauen.“ Pro Jahr sterben etwa 1.600 Frauen in Deutschland an Gebärmutterhalskrebs.
Männer ebenfalls betroffen
Die Gefahr durch HPV beschränkt sich nicht auf Frauen. Steffen Büchner, stellvertretender Landesverbandsvorsitzender des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte, erklärt: „Kehlkopf-, Anal- oder Peniskrebs sind typische durch HPV ausgelöste Krankheitsbilder, die auch bei jungen Männern vorkommen können.“ Schätzungsweise 3.000 Männer aller Altersklassen erkranken in Deutschland jährlich an einer dieser Krebsarten.
Impfung als „Stiefkind“ unter den Schutzimpfungen
Trotz der wissenschaftlich gesicherten Wirksamkeit – die HPV-Impfung schützt vor etwa 90 Prozent der entsprechenden Infektionen und damit vor den daraus resultierenden Krebserkrankungen – bleibt sie unter den Kinder- und Jugendimpfungen ein vernachlässigtes Thema.
Steffen Büchner aus Güstrow nennt mehrere Gründe für diese Situation: „Das empfohlene Impfalter von neun Jahren für die Erstimpfung ist problematisch, da Kinder in diesem Alter selten zum Kinder- und Jugendarzt gehen. Ohne die freiwillige U11-Vorsorgeuntersuchung fehlt oft die Gelegenheit zur Aufklärung.“
Ein weiteres Hindernis stellt die langfristige Perspektive der Impfung dar. Eltern müssen eine Entscheidung für ihr Kind treffen, deren Wirksamkeit sich erst Jahrzehnte später beweist – nämlich dann, wenn kein Krebs entsteht. „Dabei belegen wissenschaftliche 15-Jahres-Daten einen langanhaltenden Impfschutz und zeigen, dass die frühe Impfung die beste Wirksamkeit bietet“, betont Büchner.
Empfehlungen und Perspektiven
Die Ständige Impfkommission empfiehlt die HPV-Impfung sowohl für Mädchen als auch für Jungen. Vor dem 15. Geburtstag sind zwei Impfungen erforderlich, bei einem späteren Beginn drei Impfungen. „Auf jeden Fall sollte vor dem ersten Sexualverkehr vollständig geimpft werden“, mahnt Büchner. „Studien zeigen, dass sich bereits beim ersten Sex ein Drittel aller Sexualpartner mit einem HPV-Serotypen infizieren kann.“
Prof. Christian Junghanß, Vorsitzender der Krebsgesellschaft Mecklenburg-Vorpommern, sieht Hoffnung in geplanten strukturellen Verbesserungen: „Die voraussichtliche Einführung der U10-Vorsorgeuntersuchung zwischen dem 9. und 10. Lebensjahr noch in diesem Jahr könnte die Impfquote deutlich erhöhen.“
Die Krebsgesellschaft MV fordert zusätzlich:
- Stärkung von Impfprogrammen an Schulen
- Bessere Information der Eltern über die HPV-Impfung über schulische Kanäle
- Intensivere Aufklärungsarbeit in der Öffentlichkeit
Ziel bleibt eine Impfquote von 90 Prozent – ein Wert, von dem auch Mecklenburg-Vorpommern trotz seiner vergleichsweise guten Position im Bundesranking noch weit entfernt ist. Die Mediziner betonen: Die HPV-Impfung ist keine Illusion mehr, sondern eine realistische Chance im Kampf gegen Krebs. Diese Chance sollte nicht ungenutzt bleiben.



