Dresdner Hygiene-Museum: Neue Ausstellung „Wie geht's?“ thematisiert psychische Gesundheit
Ausstellung in Dresden widmet sich psychischer Gesundheit

Dresdner Hygiene-Museum: Neue Ausstellung „Wie geht's?“ thematisiert psychische Gesundheit

Die Frage „Wie geht's?“ gehört zum alltäglichen Umgangston, doch eine ehrliche Antwort fällt vielen Menschen schwer – insbesondere wenn sie an der Seele leiden. Das Deutsche Hygiene-Museum in Dresden widmet sich nun in einer umfangreichen neuen Ausstellung dieser Volkskrankheit: psychischen Problemen. Die interaktive Schau mit dem Titel „Wie geht's?“ soll Besucher für Erkrankungen sensibilisieren, die oft im Verborgenen bleiben, aber zunehmend um sich greifen.

Psychische Probleme betreffen jeden Vierten

Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation leiden weltweit etwa eine Milliarde Menschen an psychischen Problemen. In Deutschland erkrankt statistisch gesehen jeder Vierte im Laufe seines Lebens daran. Die meisten Betroffenen zeigen bereits in der Jugend erste Auffälligkeiten, suchen jedoch häufig erst im Erwachsenenalter professionelle Hilfe. Die frühe Anfälligkeit hängt stark mit sozioökonomischen Faktoren zusammen: In Familien mit niedrigem Einkommen weisen 23,1 Prozent der Kinder und Jugendlichen psychische Auffälligkeiten auf. Bei mittleren Einkommen liegt der Anteil bei 16,2 Prozent, während er in Haushalten mit hohem Einkommen nur 9,2 Prozent beträgt. Diese Diskrepanz erklärt teilweise, warum die Fallzahlen in Ostdeutschland höher sind als im Westen.

Folgen der Pandemie und gesellschaftliche Tabus

Die Soziologin Claudia Neu thematisiert in der Exposition verschiedene Formen der Einsamkeit – emotionale, soziale und kollektive Einsamkeit. Vor der Corona-Pandemie fühlten sich vier Prozent der Befragten in Umfragen fast immer einsam. Während der Pandemie stiegen diese Werte deutlich an, und die Folgen sind nach wie vor spürbar, besonders bei Kindern und Jugendlichen. Museumsdirektorin Iris Edenheiser verzeichnet eine deutliche Zunahme psychischer Belastungen als Folge der Pandemie, der fortschreitenden Digitalisierung des Alltags und globaler Krisen. Sie betont, dass die Grenze zwischen gesund und krank viel fließender ist, als allgemein angenommen wird.

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Obwohl das Bewusstsein für psychische Erkrankungen wächst, bleibt das Sprechen darüber oft tabuisiert – sei es aus Angst vor negativen Reaktionen oder vor Jobverlust. Während Störungen wie Depressionen, Burnout oder ADHS zunehmend gesellschaftliche Akzeptanz finden, erfahren Psychosen oder Suchterkrankungen sogar eine verstärkte Stigmatisierung. Das Museum möchte mit seiner Ausstellung alle Besucher ansprechen und hat dafür mit Menschen aus Dresden und Umgebung über ihre psychischen Belastungen, Diagnosen und Bewältigungsstrategien gesprochen.

Interaktive Zugänge und persönliche Einblicke

Die Ausstellung ist in drei Kapitel unterteilt. Unter dem Titel „Ich fühle, was du nicht siehst“ geht es um das Innenleben des Menschen und fragt: Wie verbreitet sind psychische Erkrankungen, und welche sind die häufigsten? Wer trägt ein erhöhtes Risiko? Das Kapitel „Danke der Nachfrage“ konzentriert sich auf Unterstützungsmöglichkeiten, während „Mal so, mal so“ Strategien zur Bewältigung ins Zentrum stellt.

Besucher können Videos von Gesprächen mit Betroffenen anschauen sowie persönliche Objekte betrachten, die den Menschen im Alltag geholfen haben. Die Schau bietet auch Rückzugsorte, an denen man sich über konkrete Hilfsangebote informieren kann. Spielerische Elemente wie Quizze und interaktive Stationen laden dazu ein, sich mit der eigenen mentalen Gesundheit auseinanderzusetzen. Selbst kleine Anstrengungen können große Wirkung zeigen: Bereits zehn Minuten körperliche Aktivität können die Stimmung heben.

Gesellschaftliche und wirtschaftliche Auswirkungen

Die Ausstellung thematisiert auch das tragische Ende einer psychischen Erkrankung: Suizid. Laut Statistik nahmen sich 2024 in Deutschland 10.372 Menschen das Leben – durchschnittlich 29 pro Tag. Viele Betroffene durchleben unmittelbar vor einem Suizidversuch eine Ambivalenzphase von etwa zehn Minuten, in der sie von ihrem Vorhaben noch abgebracht werden können. Bis zu 95 Prozent derjenigen, die diese Phase überstehen, sterben später nicht durch Suizid.

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Arbeitsausfälle aufgrund psychischer Erkrankungen sind in den vergangenen zehn Jahren um 43 Prozent angestiegen, was die wirtschaftlichen Folgen unterstreicht. Dresdens Kulturbürgermeisterin Annekatrin Klepsch betont, dass die Ausstellung die Verletzlichkeit des Menschen und der gesamten Gesellschaft anspricht. Sie mache deutlich, „warum Gesundheit mehr ist als das physische Funktionieren des menschlichen Körpers“.

Begleitprogramm und Laufzeit

Die Ausstellung wird an diesem Samstag eröffnet und ist bis zum 4. April 2027 zu sehen. Am 12. April findet in der Schau ein „Wohlfühlsonntag“ statt. Das umfangreiche Begleitprogramm umfasst Vorträge und Diskussionsrunden zu Themen wie Ausgebranntsein und den Folgen exzessiver Nutzung sozialer Medien. Mit künstlerischen, medialen und interaktiven Zugängen lädt die Exposition dazu ein, sich intensiv mit einem Thema zu beschäftigen, das uns alle betrifft.