Glücksspielsucht: Die unterschätzte Gefahr im Alltag
Spielautomaten, Online-Casinos, Sportwetten-Apps und Pokerrunden – Glücksspiele sind in unserer Gesellschaft allgegenwärtig und sowohl online als auch offline leicht zugänglich. Was für viele als harmlose Freizeitbeschäftigung beginnt, kann sich jedoch zu einer ernsthaften Erkrankung entwickeln: der Glücksspielsucht. Diese Verhaltenssucht betrifft in Deutschland zahlreiche Menschen und bleibt oft lange unerkannt, da sie sich typischerweise schleichend entwickelt.
Die schleichende Entwicklung der Spielsucht
Der Übergang vom gelegentlichen Spielen zur Sucht verläuft häufig fließend. Anfänglich steht der Nervenkitzel im Vordergrund, doch das Gehirn reagiert auf Gewinnmomente mit der Ausschüttung von Glückshormonen, was zur Entwicklung einer Abhängigkeit führen kann. Aus gelegentlichem Spielen wird regelmäßiges Spielen, aus regelmäßigem Spielen entwickelt sich schließlich der Kontrollverlust. Fachleute weisen darauf hin, dass Warnsignale für eine Glücksspielsucht oft frühzeitig erkennbar sind, wenn man weiß, worauf zu achten ist.
Frühwarnzeichen erkennen und ernst nehmen
Folgende Verhaltensmuster können auf ein problematisches Spielverhalten hindeuten:
- Eigene Vorsätze und selbst gesetzte Limits werden nicht eingehalten
- Verluste werden durch weiteres Spielen zurückzugewinnen versucht (sogenanntes "Loss Chasing")
- Das Spielverhalten wird vor Angehörigen und Freunden verheimlicht
- Es wird mehr Geld eingesetzt, als eigentlich zur Verfügung steht
- Geld wird beschafft, um weiter spielen zu können
- Das Spielen dient als Flucht vor unangenehmen Situationen oder Gefühlen
Je stärker das Glücksspiel in den Lebensmittelpunkt rückt, desto deutlicher zeigen sich die negativen Folgen im Alltag. Soziale Kontakte werden vernachlässigt, Freundschaften und Beziehungen können zerbrechen. Die Gedanken kreisen nahezu ständig ums Spielen, während Scham- und Schuldgefühle zunehmen. Finanzielle Probleme bis hin zur Verschuldung sind ebenfalls häufige Begleiterscheinungen der Spielsucht.
Professionelle Hilfe bei Glücksspielsucht
Viele Betroffene versuchen zunächst, ihre Probleme selbst in den Griff zu bekommen, was jedoch häufig nicht gelingt. Die gute Nachricht: Glücksspielsucht ist behandelbar, und es stehen zahlreiche professionelle Unterstützungsangebote zur Verfügung. Laut der Landesfachstelle Glücksspielsucht Nordrhein-Westfalen schaffen es viele Menschen, die sich in Behandlung begeben, die Sucht hinter sich zu lassen und ein spielfreies Leben zu führen.
Der wichtigste erste Schritt ist dabei die Einsicht, dass das eigene Spielverhalten problematisch geworden ist. Anschließend können Betroffene niedrigschwellige und oft anonyme Beratungsangebote nutzen, etwa per Telefon, Chat oder E-Mail. Persönliche Gespräche in Suchtberatungsstellen vor Ort sind ebenfalls möglich.
Ablauf und Inhalte der Beratung
Die Fachkräfte in den Beratungsstellen informieren umfassend über die Suchterkrankung, besprechen die individuelle Situation der Betroffenen und entwickeln gemeinsam mögliche nächste Schritte. Ein zentraler Aspekt ist dabei, herauszufinden, welche Funktion das Suchtverhalten für die Person hat – darauf aufbauend werden dann individuelle Maßnahmen eingeleitet.
Mögliche Interventionen umfassen:
- Akute Maßnahmen gegen das Spielen wie Selbstsperren für Online-Casinos oder Spielhallen
- Festlegung von Limits für Einsätze oder Einzahlungen
- Gespräche mit Angehörigen zur Unterstützung des Veränderungsprozesses
- Vermittlung zu Schuldnerberatungen bei finanziellen Problemen
- Psychosoziale Unterstützung und Hilfe bei Behörden- oder Therapieanträgen
Bei Bedarf können intensivere Maßnahmen folgen, darunter ambulante Verhaltenstherapien, stationäre Behandlungen in Fachkliniken oder die Teilnahme an Selbsthilfegruppen mit anderen Betroffenen.
Kostenlose Beratungsangebote nutzen
Das Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit bietet eine spezielle Telefonberatung zur Glücksspielsucht an, die sich sowohl an Spielende als auch an Angehörige und Interessierte richtet. Die kostenfreie Hotline 0800 1 37 27 00 ist montags bis donnerstags von 10 bis 22 Uhr sowie freitags bis sonntags von 10 bis 18 Uhr erreichbar. Diese Beratungsstelle stellt einen wichtigen ersten Anlaufpunkt für alle dar, die sich mit Fragen zur Glücksspielsucht auseinandersetzen möchten oder bereits erste Anzeichen bei sich oder nahestehenden Personen beobachtet haben.



