Daniel Libeskind hat weltberühmte Gebäude entworfen – aber noch nie eines für sich selbst. Für den Architekten ist das gar kein Widerspruch, denn ihn interessiert etwas anderes. Der New Yorker, der an diesem Dienstag (12. Mai) 80 Jahre alt wird und sich gerade in Berlin aufhält, sagt: „Ich sollte das eines Tages mal machen. Wer hat denn Zeit für sowas? Das ist zu viel Luxus.“
Ikonische Bauwerke
Seine Gebäude stechen heraus. Der Erweiterungsbau am Jüdischen Museum in Berlin, dessen Zickzackform von oben an einen Blitz erinnert, zeigt mit dunklen Betonschächten die vernichtende Leere des Holocausts. In New York schuf Libeskind nach den Anschlägen vom 11. September 2001 den Masterplan für Ground Zero. In Dresden verpasste er dem Militärhistorischen Museum eine weit aus dem Gebäude ragende Spitze. Und im niedersächsischen Lüneburg gestaltete er das Zentralgebäude der Leuphana Universität, das wie aus einer anderen Welt wirkt.
Philosophie und Politik
Wenn man Libeskind gegenübersitzt, spricht er nicht viel übers Bauen, sondern über Gesellschaft und Politik, über die Gefahren von Algorithmen, über Denker und Künstler. Er wirkt wie ein angenehmer Dinnergast. Bis heute beginnt er neue Projekte, ohne Angst vor dem weißen Blatt. „Das Leben selbst muss einen auf das Projekt vorbereiten“, sagt er. Geboren im polnischen Lodz in einer Notunterkunft als Kind von Holocaustüberlebenden, zog die Familie später nach Israel und New York. „Ich hatte nie das Ziel, mir selbst ein Luxushaus zu bauen“, erklärt Libeskind der Deutschen Presse-Agentur. Das Jüdische Museum widmet ihm und seinem Erweiterungsbau, der vor 25 Jahren eröffnet wurde, die Ausstellung „Between the Lines“.
Kritik an Trump und AfD
Politisch hat Libeskind einiges zu sagen. Zu US-Präsident Donald Trump bemerkt er: „Die Demokratie wird Tag für Tag zerstört. Es ist eine sehr gefährliche Zeit in Amerika.“ Viele Menschen hätten sich an Lügen gewöhnt, Algorithmen und KI bekämen mehr Macht. „Die Einsamkeit ist größer geworden, weil Menschen mit Bildschirmen interagieren. Aber eine Revolution auf dem Bildschirm? Wahrscheinlich nicht.“ Auch Deutschland mahnt er: „Dieses Land hat unter dem Nazi-Regime gelebt und sollte es besser wissen. Wenn ich Reden der AfD lese, sollte das die Menschen zutiefst beunruhigen.“
Architektur als Hoffnung
Mit seinen Gebäuden will Libeskind Hoffnung machen. Architektur präge unsere Vorstellung von der Welt – wie der Parthenon für das alte Griechenland. Sie sei eine mächtige Kunstform, die ohne Worte auskomme und auf Erde und Licht setze. Wie man lebe, beeinflusse, wie man über die Welt denke. Selbst wohnt er in New Yorks Tribeca in einem dreieckigen Gebäude aus der Zeit um 1900. Vom Fenster aus sieht er die Pracht der Stadt und die Menschen, die jeden Morgen aus der U-Bahn strömen.



