Architekt erweckt vergessenes Dornröschenschloss bei Leipzig zu neuem Leben
Versteckt im dichten Dickicht eines verwilderten Parks stand die romantische Ruine von Schloss Thierbach jahrzehntelang im Dornröschenschlaf. Die morschen Mauern, überwuchert von Dornengestrüpp bis hinauf zu den brüchigen Zinnen, waren ein europaweit bekannter Geheimtipp für Fotografen und Lost-Place-Enthusiasten. Jetzt hat Architekt Christian Stelzel (56) eine ambitionierte Rettungsaktion für das morbide Kleinod im Süden von Leipzig initiiert.
Bauchentscheidung führt zu Millionen-Rettungsplan
„Das war eine Bauchentscheidung. Ich habe das Haus gesehen und war von der Aura überwältigt“, erklärt Stelzel seine Motivation. Gemeinsam mit Investoren gründete er die „Brockhaus Schlossresidenz GmbH & Co. KG“, die das gesamte Anwesen inklusive Schlosspark für etwa 5 Millionen Euro sanieren will. Der Architekt koordiniert persönlich die Wiederbelebung des Märchenschlosses, das ab 1889 im Auftrag von Rittmeister Julius Emmrich Curt von Auenmüller im neogotischen Stil erbaut wurde.
Moderner Wohnkomfort in historischen Mauern
In dem stark beschädigten Schloss sind bereits alle Decken eingestürzt, nur die brüchigen Außenmauern blieben erhalten. „Wir bauen ein Haus im Haus. Drinnen wird es modernen Komfort und einen Aufzug geben“, erläutert Stelzel das innovative Konzept. Geplant sind insgesamt 20 Wohnungen innerhalb der historischen Gemäuer. Noch in diesem Frühjahr sollen die Baugenehmigungen beantragt werden, nachdem die Ruine bereits aus dem Gestrüpp freigeschnitten wurde. Die vollständige Sanierung ist für das kommende Jahr vorgesehen.
Jahrzehntelanger Verfall und neue Perspektiven
Der Niedergang des prachtvollen Anwesens begann bereits in den 1940er-Jahren, als die Erbauerfamilie das Schloss verkaufte. Nach wechselnden Nutzungen – von Wohnsitz der Braunkohlewerk-Direktoren über Flüchtlingsunterkunft bis hin zum Kindergarten – stand das Gebäude seit etwa 1980 nach einem Brand leer und verfiel zusehends. Nach der Wende übernahm ein Leipziger Geschäftsmann das Anwesen, unternahm jedoch keine ernsthaften Rettungsversuche.
Neben der Schlossanlage existieren zwei leerstehende Wohnblöcke aus DDR-Zeiten, die ebenfalls saniert und wohnfähig gemacht werden sollen. Insgesamt summiert sich die Wohnfläche auf beeindruckende 2500 Quadratmeter. „All das keine fünf Minuten von der Autobahn entfernt. In 15 Minuten sind Sie in Leipzig“, verspricht der engagierte Schloss-Retter und hebt damit die verkehrsgünstige Lage des Projekts hervor.



