Daniel Libeskind wird 80: Meister der Linien und philosophischer Architekt
Daniel Libeskind wird 80: Meister der Linien

Daniel Libeskind, der Meister der markanten Linien und schiefen Wände, feiert am 12. Mai 2026 seinen 80. Geburtstag. Der Architekt, der ikonische Gebäude wie den Erweiterungsbau des Jüdischen Museums in Berlin und den Masterplan für Ground Zero in New York entworfen hat, gibt Einblicke in sein Leben und seine Philosophie. Interessanterweise hat Libeskind noch nie ein Haus für sich selbst gebaut. „Wer hat denn Zeit für sowas? Das ist zu viel Luxus“, sagt der gebürtige Pole, der heute in New York lebt und sich gerade in Berlin aufhält.

Ein Leben für die Architektur

Libeskind wurde in einer Notunterkunft im polnischen Lodz als Kind von Holocaustüberlebenden geboren. Später zog die Familie nach Israel und dann in die Bronx nach New York, wo seine Eltern als Fabrikarbeiter tätig waren. „Auf die Welt kommen ohne echtes Zuhause – das qualifiziere mich zum Architektendasein“, reflektiert er. Sein Werdegang war geprägt von Entbehrungen, doch er sah darin eine Bestimmung. „Architekt zu werden, das war mein Schicksal.“

Philosophie und Politik

Im Gespräch mit der dpa zeigt sich Libeskind als politischer Denker. Er äußert sich besorgt über die Entwicklungen in den USA unter Präsident Donald Trump: „Die Demokratie wird Tag für Tag zerstört. Es ist eine sehr gefährliche Zeit in Amerika.“ Auch die Algorithmen und Künstliche Intelligenz sieht er kritisch. „Viele Menschen haben sich an Lügen gewöhnt. Die Einsamkeit ist größer geworden, weil Menschen mit Bildschirmen interagieren statt miteinander.“ Eine Revolution auf dem Bildschirm? „Wahrscheinlich nicht.“

Breites Pickt-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App für Telegram

Deutschland mahnt er ebenfalls: „Dieses Land hat unter dem Nazi-Regime gelebt und sollte es besser wissen. Wenn ich einige Reden der AfD lese, sollte das die Menschen zutiefst beunruhigen.“ Er appelliert an die Bürger, die Demokratie stärker zu verteidigen.

Architektur als Hoffnungsträger

Für Libeskind ist Architektur mehr als Baukunst. „Sie prägt unsere Vorstellung von der Welt. Wenn man an das alte Griechenland denkt, stellt man sich den Parthenon vor, nicht Platon oder Aristoteles.“ Mit seinen Gebäuden will er Hoffnung machen und zeigen, dass Veränderung möglich ist. „Architektur ist eine mächtige Kunstform, weil sie keine Wörter braucht, sondern auf die Erde und das Licht setzt.“

Seine Werke, wie der zickzackförmige Anbau des Jüdischen Museums, der an einen Blitz erinnert, oder die weit auskragende Spitze des Militärhistorischen Museums in Dresden, sind unverwechselbar. In Lüneburg schuf er das Zentralgebäude der Leuphana Universität, das wie aus einer anderen Welt wirkt.

Privates und Ausblick

Libeskind lebt mit seiner Frau Nina, mit der er seit 57 Jahren verheiratet ist, in einem dreieckigen Gebäude aus der Zeit um 1900 im New Yorker Stadtteil Tribeca. „Vom Fenster aus kann ich die ganze Pracht der Stadt sehen, auch die Menschen, die jeden Morgen aus der U-Bahn strömen.“ Trotz seines hohen Alters beginnt er weiterhin neue Projekte. Angst vor dem leeren Blatt Papier hat er nicht. „Das Leben selbst muss einen auf das Projekt vorbereiten.“

Das Jüdische Museum Berlin widmet ihm und seinem Erweiterungsbau, der vor 25 Jahren eröffnet wurde, die Ausstellung „Between the Lines“. Libeskind selbst bleibt bescheiden: „Ich hatte nie das Ziel, mir selbst ein Luxushaus zu bauen. Ich brauche nicht mehr.“

Pickt After-Article-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App mit Familien-Illustration