Münchner Wirt fordert EU-weite Ausschreibung für Oktoberfest-Zelte – Tradition in Gefahr?
EU-Ausschreibung für Wiesn-Zelte gefordert – Tradition in Gefahr?

Münchner Wirt fordert EU-weite Ausschreibung für Oktoberfest-Zelte

In München sorgt ein ungewöhnlicher Vorstoß für kontroverse Diskussionen: Ein lokaler Gastronom hat beantragt, dass zwei der traditionsreichsten Oktoberfest-Zelte künftig europaweit ausgeschrieben werden müssen. Diese Forderung stellt erstmals grundsätzlich die bisherige Praxis der Zeltvergabe auf dem weltberühmten Volksfest infrage und könnte weitreichende Folgen für das bayerische Brauchtum haben.

Antrag auf vergaberechtliche Nachprüfung eingereicht

Die Regierung von Oberbayern bestätigte, dass bei der Vergabekammer Südbayern ein Antrag auf vergaberechtliche Nachprüfung eingegangen ist. Dieser wurde von der WE Gutshof GmbH eingereicht, deren Geschäftsführer der Wirt Alexander Egger ist. Egger fordert, dass sich die Stadt München bei der Zuteilung zweier zentraler Festzelte künftig strikt an europäisches Vergaberecht halten muss.

Konkret betrifft der Antrag das traditionsreiche Schottenhamel-Festzelt, in dem seit 1867 das Anzapfritual durch den Münchner Oberbürgermeister stattfindet, sowie das Paulaner-Festzelt. Beide Zelte wären bei einer positiven Entscheidung der Vergabekammer künftig EU-weit auszuschreiben, was völlig neue Bewerber auf den Plan rufen könnte.

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Wiesnwirte warnen vor Traditionsverlust

Die Sprecher der großen Wiesnwirte, Peter Inselkammer und Christian Schottenhamel, reagierten mit deutlicher Besorgnis auf die Entwicklung. „Das Oktoberfest ist in seiner mehr als 200-jährigen Geschichte zu einem einzigartigen und schützenswerten Kulturgut geworden“, betonte Schottenhamel, dessen eigenes Zelt direkt von dem Antrag betroffen wäre.

Die beiden Wiesnwirte argumentieren, dass die bisherige Vergabepraxis sich seit Jahrzehnten bewährt habe und ein Garant dafür sei, dass die Wiesn nach wie vor ein Ort bleibe, an dem bayerisches Brauchtum gepflegt und Traditionen hochgehalten werden. „Das darf nicht persönlichen Interessen geopfert werden“, warnten sie unisono.

Bisheriges Punktesystem der Stadt München

Bisher vergibt die Landeshauptstadt München die begehrten Zeltplätze nach einem speziellen Punktesystem, das regelmäßig angepasst und gelegentlich kritisiert wird. Dieses System bevorzugt traditionelle Wiesnwirte und solche mit langjähriger Erfahrung auf dem Volksfest.

Die Vergabekammer Südbayern muss nun innerhalb von fünf Wochen klären, ob die Zeltvergabe tatsächlich unter das Gesetz gegen Wettbewerbsbeschränkungen (GWB) fällt. Eine Entscheidung wird mit Spannung erwartet, auch wenn die Regierung von Oberbayern betont, dass diese „für andere Standplätze auf dem Oktoberfest oder für andere Volksfeste keine unmittelbaren Rechtswirkungen“ haben werde.

Hintergrund des Antragstellers

Alexander Egger und seine Frau betreiben seit Jahren mit der „Münchner Stubn“ ein eher kleines Zelt auf der Wiesn. Im Januar hatten sich die beiden bereits für das Paulaner-Zelt oder die Bräurosl beworben – beides große, zentral gelegene Festzelte. Egger selbst war für eine Stellungnahme zunächst nicht erreichbar.

Die Entwicklung zeigt, wie sich auch auf traditionellen Volksfesten moderne Rechtsfragen und wirtschaftliche Interessen zunehmend durchsetzen. Ob die mehr als 150-jährige Familientradition im Schottenhamel-Festzelt einer EU-weiten Ausschreibung standhalten würde, bleibt eine der drängendsten Fragen in dieser Debatte.

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