Berlinale-Krise: Aufsichtsrat tagt erneut über Zukunft von Intendantin Tricia Tuttle
Berlinale-Krise: Aufsichtsrat tagt über Tuttle-Zukunft

Berlinale-Krise: Aufsichtsrat tagt erneut über Zukunft von Intendantin Tricia Tuttle

Die Zukunft der Berlinale und ihrer Intendantin Tricia Tuttle steht erneut auf der Tagesordnung einer Krisensitzung des Aufsichtsrats. Nach lebhaften Diskussionen in den vergangenen Tagen soll am Mittwochmittag über die künftige Zusammenarbeit und Ausrichtung der Internationalen Filmfestspiele Berlin beraten werden.

Tuttle bekräftigt ihren Willen zum Verbleib im Amt

Die US-amerikanische Intendantin Tricia Tuttle hat gegenüber der Deutschen Presse-Agentur deutlich gemacht, dass sie ihre Position nicht aufgeben möchte. „Ich bin sehr stolz auf mein Team und das Festival und möchte die gemeinsam begonnene Arbeit in vollem Vertrauen und mit institutioneller Unabhängigkeit fortsetzen“, erklärte die 55-Jährige, die die Berlinale vor zwei Jahren übernommen hat.

Kulturstaatsminister Wolfram Weimer (parteilos) zeigte sich zuletzt optimistisch: „Wir sind auf einem guten Weg, die Berlinale zukunftsfest aufzustellen“, sagte er der dpa. Dennoch bleibt die Situation angespannt, nachdem wenige Tage nach Festivalende Berichte über eine mögliche Abberufung Tuttles die Runde machten.

Breites Pickt-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App für Telegram

Hintergrund: Debatten um Nahostkonflikt während des Festivals

Auslöser der aktuellen Krise waren kontroverse Diskussionen während der vergangenen Berlinale zum Umgang mit dem Nahostkonflikt. Besonders der Auftritt des syrisch-palästinensischen Regisseurs Abdallah Alkhatib bei der Abschlussgala sorgte für politische Reaktionen.

Alkhatib hatte der Bundesregierung auf der Bühne vorgeworfen, Partner „des Völkermords im Gazastreifen“ zu sein. Umweltminister Carsten Schneider (SPD) verließ daraufhin den Saal und ließ mitteilen, die Aussagen seien nicht akzeptabel. Auch Kulturstaatsminister Weimer und Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner (CDU) verurteilten die Äußerungen.

Breite Solidarität aus der Kulturszene

Nach der Einberufung einer außerordentlichen Aufsichtsratssitzung durch Weimer am vergangenen Donnerstag formierte sich in der Kulturbranche breiter Protest. Zahlreiche Organisationen und Filmschaffende meldeten sich kritisch zu Wort und warnten vor staatlichen Eingriffen in die Unabhängigkeit des Festivals.

Besonders bemerkenswert ist die internationale Unterstützung für Tuttle: Mehrere führende Festival-Direktoren, darunter Thierry Frémaux, Generaldirektor des Filmfestivals von Cannes, unterzeichneten eine gemeinsame Erklärung. Darin bekräftigen sie ihre Unterstützung für Tuttles Wunsch, weiterhin als Festivaldirektorin tätig zu sein „in vollem Vertrauen und mit institutioneller Unabhängigkeit“.

Die zentralen Positionen im Überblick

  • Tricia Tuttle: Will im Amt bleiben und betont die Bedeutung institutioneller Unabhängigkeit
  • Kulturszene: Stellt sich mehrheitlich hinter Tuttle und warnt vor politischer Einflussnahme
  • Politik: Zeigt sich besorgt über kontroverse Äußerungen während des Festivals
  • Internationale Festival-Direktoren: Unterstützen Tuttle und kritisieren zunehmenden Druck auf Filmfestivals

Die Unterzeichner der internationalen Erklärung beklagten einen „zunehmenden Druck auf Filmfestivals“ und betonten die zentrale Aufgabe, einen geschützten Raum für Filmemacher, Künstler und Publikum zu schaffen. Dieser Raum müsse Menschen mit unterschiedlichsten Lebenserfahrungen und Perspektiven zusammenbringen können.

Nach der letzten Aufsichtsratssitzung war beschlossen worden, die Gespräche zwischen Tuttle und dem Gremium fortzusetzen. Die heutige Sitzung wird zeigen, ob eine Einigung über die Zukunft der Berlinale und ihrer Leitung erzielt werden kann oder ob die Kontroversen weiter anhalten werden.

Pickt After-Article-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App mit Familien-Illustration