Zarte Farben, greller Wumms: Currentzis dirigiert Berg und Mahler
Das Gastspiel des Utopia Orchestra mit der Geigerin Vilde Frang in der Isarphilharmonie bot einen unvergesslichen Abend. Teodor Currentzis, der charismatische Dirigent, führte sein Orchester durch ein anspruchsvolles Programm, das von Alban Bergs Violinkonzert bis zu Gustav Mahlers Erster Symphonie reichte.
Bergs Violinkonzert: Farben und Präzision
Bei Alban Bergs Violinkonzert verlässt man sich allzu gern auf den Solisten und den finalen Bach-Choral. Currentzis und sein Utopia Orchestra haben das Werk seit einiger Zeit im Repertoire, was sich in einem Mehr an Farben, Genauigkeit und lässiger Lockerheit auszahlte. Die Kombination mit Gustav Mahler betonte die mit einer Zwölftonreihe maskierte Walzer-Nostalgie dieses Konzerts, das Currentzis fast in die Nähe von Ravels „La Valse“ rückte. Besonders auffällig war, dass Berg am Beginn des zweiten Satzes und in der Reprise auf den Beginn des Finales der Symphonie Nr. 1 anzuspielen scheint. Die Saxofone waren deutlicher als sonst wahrnehmbar. Erstaunlicherweise bedrängte die riesige Streicherbesetzung die Solistin Vilde Frang nie wirklich. Sie brachte das Strukturelle mit dem Emotionalen sehr glücklich ins Gleichgewicht. Ob es wirklich sein muss, dass im Finale das Orchester aufsteht und die Solistin ein wenig herumspaziert, darüber lässt sich streiten. Doch solche Effekte gehören bei Currentzis einfach dazu und lenken die Aufmerksamkeit vom allzu kitschigen Andenken an einen Engel wieder in Richtung Musik.
Mahler Erste: Rustikaler Wumms
Vilde Frang verzichtete auf eine Zugabe und wirkte stattdessen als Konzertmeisterin bei Mahlers Erster mit. Currentzis dirigierte das Werk mit grellem Wumms. Das Rustikal-Folkloristische interessierte den Dirigenten besonders, und böhmischer war der Mittelteil des dritten Satzes wohl kaum zu hören. Die Horngruppe des Orchesters war fast ein wenig zu famos und dominant, und auch das zweite Thema des Finales mag man mit Blick in die Noten allzu dick aufgetragen finden. Beim Choral tobten sich die Hornisten so sehr aus, dass es an der Puste für die allerletzten Takte fehlte. Details bleiben Geschmackssache, das Gestampfe und Gefuchtel des Dirigenten ebenso. Und man sollte sich nicht so verausgaben, dass Mahlers Wunsch, den vierten Satz unterbrechungslos auf den dritten folgen zu lassen, unerfüllbar wird. Trotzdem: Currentzis ist ein musikalischer Kerl, und von denen gibt es nicht allzu viele.



