Frollywood: Das neue Filmparadies in Paris
Ein faszinierender Trend erobert die internationale Filmszene: Immer mehr US-amerikanische Schauspieler und Filmemacher lassen sich in Frankreich nieder oder drehen dort ihre Projekte. Dieser bemerkenswerte Zustrom wird mittlerweile als „Frollywood“ bezeichnet – eine kreative Wortschöpfung aus „France“ und „Hollywood“. Paris fungiert längst nicht mehr nur als malerische Kulisse, sondern entwickelt sich zunehmend zum lebendigen Arbeits- und Lebensmittelpunkt für zahlreiche Hollywood-Größen.
Prominente Vorreiter des Trends
Die Liste der US-Künstler, die zeitweise oder dauerhaft in der französischen Metropole leben, liest sich wie ein Who-is-who der Filmindustrie. Zu den bekanntesten Vertretern gehören Wes Anderson, Sofia Coppola, Natalie Portman und nun auch Angelina Jolie. Die Oscar-prämierte Schauspielerin äußerte nach den Dreharbeiten zu „Coutures“ im Jahr 2025 den Wunsch, sich in Paris niederzulassen. In einem Interview mit „Le Journal du Dimanche“ betonte sie: „Ich befinde mich an einem Punkt meiner Karriere, an dem ich mich in Europa, und besonders in Frankreich, als Frau und Künstlerin besser verstanden fühle.“
Der Trend zeigt sich auch in den Besetzungslisten kommender französischer Produktionen: Matt Dillon spielt in Claire Denis' „Le Cri des gardes“, während Woody Harrelson und Kristen Stewart für Quentin Dupieux vor der Kamera stehen. Selbst Kultregisseur Jim Jarmusch hat bereits den Antrag auf französische Staatsbürgerschaft gestellt und bezeichnet Paris als seine zweite Heimat nach New York.
Strukturelle Veränderungen in Hollywood
Die wachsende Anziehungskraft Frankreichs erzählt gleichzeitig eine Geschichte vom Machtverlust Hollywoods. Die verheerenden Streiks von 2023 offenbarten tiefgreifende Probleme: sinkende Einnahmen im Streaming-Zeitalter, prekäre Beschäftigungsverhältnisse und die existenzielle Angst vieler Kreativer vor dem Einsatz Künstlicher Intelligenz. Studios setzen zunehmend auf KI-gestützte Drehbücher und digitale Schauspieler-Reproduktionen, was traditionelle Arbeitsweisen bedroht.
Der renommierte Regisseur Jean-Jacques Annaud („Der Name der Rose“) spricht von einer lähmenden Blockade, die selbst seine Projekte betrifft. Er verweist zudem auf die politischen Entwicklungen unter Donald Trump, die das Land verändert hätten. Die französische Regisseurin Rebecca Zlotowski sieht in der Trump-Ära einen Katalysator für kulturelles Exil, betont aber gleichzeitig den strukturellen Wandel: „Hollywood setzt stärker auf Marken und kalkulierbare Erfolge, während in Frankreich die Regie als künstlerische Handschrift prägend bleibt.“
Frankreichs filmisches Ökosystem
Produzent Charles Gillibert erklärt die Attraktivität Frankreichs mit einem einzigartigen Filmsystem:
- Steuerliche Anreize für Produktionen
- Ein dichtes Netz an Kinosälen
- International bedeutende Filmfestivals
- Hochqualifizierte Techniker und Verleiher
- Ein cinephiles Publikum mit ausgeprägtem Kunstverständnis
Dreharbeiten in Frankreich bieten oft mehr künstlerische Freiheit, wenn auch mit höheren Risiken verbunden. Diese kreative Offenheit zieht US-Künstler an, die in Hollywood zunehmend unter finanziellen Zwängen und Manager-entscheidungen leiden. Die Studios werden heute weniger von Filmliebhabern als von Finanzexperten geführt, die vor allem Quartalszahlen im Blick haben.
Der Fall von George Clooney zeigt zusätzliche Motive: Er erhielt kürzlich die französische Staatsbürgerschaft, vor allem wegen der Privatsphäre, die sein Anwesen in Südfrankreich bietet – fernab der aufdringlichen Paparazzi. Was einst als französische Ausnahme galt, ist heute zum Normalzustand geworden. Frollywood steht nicht nur für geografische Veränderungen, sondern symbolisiert einen fundamentalen Wandel in der globalen Filmlandschaft.



