Goya-Preise 2026: Familiendrama „Los Domingos“ triumphiert als bester Film
Bei der 40. Verleihung der Goya-Filmpreise in Barcelona hat das spanische Familiendrama „Los Domingos“ (Die Sonntage) den begehrten Hauptpreis als bester Film gewonnen. Die Regisseurin Alauda Ruiz de Azúa (48) konnte damit den größten Erfolg ihrer Karriere feiern und setzte sich gegen starke Konkurrenz durch.
Vierfacher Triumph für emotionales Familiendrama
Der Film, der bereits im September 2025 die Goldene Muschel auf dem renommierten A-Festival in San Sebastián gewonnen hatte, konnte bei den spanischen Oscars gleich vier wichtige Auszeichnungen erringen:
- Bester Film
- Beste Regie (Alauda Ruiz de Azúa)
- Beste Hauptdarstellerin (Patricia López Arnaiz)
- Bestes Originaldrehbuch
Die Goya-Filmpreise gelten als die höchste Auszeichnung im spanischen Kino und werden jährlich von der Academia de las Artes y las Ciencias Cinematográficas de España vergeben.
Handlung: Familiäre Konflikte durch Glaubensentscheidung
„Los Domingos“ erzählt die berührende Geschichte der 17-jährigen Ainara, die als besonders idealistisch und begabt dargestellt wird. Während ihre Familie erwartet, dass sie eine konventionelle universitäre Laufbahn einschlagen wird, spürt das Mädchen eine zunehmende spirituelle Nähe zu Gott und erwägt ernsthaft, als Nonne in ein Kloster einzutreten.
Diese unerwartete Entscheidung löst in ihrer Familie erhebliche Spannungen aus und führt zu tiefgreifenden Fragen:
- Wie gehen die einzelnen Familienmitglieder mit dieser Situation um?
- Handelt es sich bei Ainaras Entscheidung um echten Glauben oder mögliche Manipulation?
- Werden familiäre Erwartungen und individuelle Berufung in Einklang gebracht?
Der Film zeigt einfühlsam, wie traditionelle Familienstrukturen durch unkonventionelle Lebensentscheidungen herausgefordert werden und welche emotionalen Prozesse dabei durchlaufen werden.
Internationale Preisträger und politische Momente
Neben dem Hauptgewinner wurden auch andere internationale Produktionen ausgezeichnet. Der Preis für den besten europäischen Film ging an das norwegische Drama „Sentimental Value“ von Joachim Trier. Der Film, der für neun Oscars nominiert ist, erzählt die Geschichte zweier Schwestern, die nach dem Tod ihrer Mutter mit ihrem entfremdeten Vater konfrontiert werden.
Ein besonderer Moment der Gala war die Ehrung der US-Schauspielerin Susan Sarandon (79) mit dem Goya-Preis International für ihr Lebenswerk. Die Oscar-Preisträgerin von 1996 („Dead Man Walking“) nutzte ihre Dankesrede für eine politische Ansprache, in der sie ihre Bewunderung für Spanien ausdrückte.
„In diesen Zeiten, in denen die Welt von Gewalt und Grausamkeit beherrscht wird, sehe ich Ihren Regierungschef und viele dieser Künstler und spüre, dass sie die moralische Klarheit besitzen, mir zu helfen“, sagte Sarandon unter dem Applaus des Publikums, zu dem auch der linke Regierungschef Pedro Sánchez gehörte.
Historischer Hintergrund der Goya-Preise
Die prestigeträchtigen Filmpreise sind nach dem berühmten spanischen Maler Francisco de Goya (1746–1828) benannt, dessen Werk für künstlerische Innovation und gesellschaftskritische Tiefe steht. Die verliehene Trophäe, eine Bronzebüste von Goya, symbolisiert die Verbindung zu spanischer Kunst und Kultur und unterstreicht den künstlerischen Anspruch der Auszeichnungen.
Die diesjährige Verleihung in Barcelona markierte nicht nur ein Jubiläum (40. Ausgabe), sondern auch die Rückkehr zu großen Gala-Veranstaltungen nach den pandemiebedingten Einschränkungen der Vorjahre. Die breite mediale Aufmerksamkeit und die Anwesenheit internationaler Stars unterstreichen die wachsende Bedeutung der Goya-Preise im europäischen Filmkalender.



