Horst Schlämmer kehrt zurück: Kinofilm sucht Glück in ganz Deutschland
Horst Schlämmer kehrt zurück: Mission Deutschland-Rettung

Horst Schlämmer auf großer Deutschland-Mission

Köln • Eigentlich galt Horst Schlämmer, der wandelnde Herrenwitz aus Grevenbroich, längst als ausgemustert. Doch nun kehrt die Kultfigur in abendfüllender Länge zurück auf die große Leinwand. In Hape Kerkelings neuem Kinofilm "Horst Schlämmer sucht das Glück" erkundet der stellvertretende Chefredakteur des "Grevenbroicher Tagblatts" die gesamte Bundesrepublik auf der Suche nach einem Gegenmittel für die allgemeine Missstimmung.

Eine Figur zwischen Nostalgie und Gegenwart

Horst Schlämmer, vor über zwei Jahrzehnten von Comedian Hape Kerkeling erfunden, wirkt wie ein Wiedergänger aus einer längst überwunden geglaubten Zeit. Die Figur des alten weißen Mannes mit undeutlicher Aussprache, Grunzlauten und übergriffiger Art stellt sich der Frage: Passt Schlämmer noch ins Jahr 2026? Kerkeling, Jahrgang 1964, betont im Interview: "Der Horst hat sich nicht wesentlich verändert. Aber dadurch, dass die Welt um ihn herum chaotischer geworden ist, wirkt sein Verhalten heute normaler als damals."

Um den wandelnden Herrenwitz für die heutige Zeit tauglich zu machen, hat ihm das Filmteam eine junge Kamerafrau namens Anna (Laura Thomas) an die Seite gestellt. Sie filmt und dirigiert ihn aus dem Off, weist ihn zurecht, wenn er mal wieder schwitzige Komplimente macht, und erklärt ihm, dass man das Aussehen anderer Leute heute grundsätzlich nicht mehr kommentiert. Unter ihrer Anleitung wirkt Schlämmer zahmer als früher – fast wie ein großer tapsiger Teddybär, nur mit strengerem Geruch.

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Prominente Begegnungen und filmische Rückblenden

Eine der außergewöhnlichsten Szenen des Films zeigt Horst Schlämmer im Gespräch mit Kardinal Rainer Maria Woelki. Der Kirchenfürst, der sich seit Jahren in seinem Erzbischöflichen Haus verkapselt hat, lacht sich in Schlämmers Gegenwart kaputt und wirkt richtig befreit. Diese Begegnung symbolisiert die Mission des Films: Schlämmer als großer Kontakter, der Menschen aus ihrer Isolation holt.

Die weibliche Hauptfigur des Films ist Schlämmers Lieblingsschauspielerin Gabi Wampel, verkörpert von Comedienne Tahnee Schaffarczyk aus Heinsberg. In sechs nostalgischen Filmausschnitten aus Feel-Good-Formaten der 60er bis 90er Jahre taucht der Zuschauer in eine Zeit ein, in der Deutschland – zumindest in der Erinnerung – noch mit sich im Reinen war. Kerkeling ist in diesen Einspielfilmen in verschiedenen Rollen zu sehen, einmal sogar als er selbst – und behandelt den armen Horst dabei gar nicht nett.

Eine Reise durch das heutige Deutschland

Die Handlung des Films ist angelehnt an die italienische Zeichentrickserie "Herr Rossi sucht das Glück" von 1976, die Kerkeling in seiner Recklinghäuser Heimat im Fernsehen verfolgte. Wie Herr Rossi damals reist nun Horst Schlämmer kreuz und quer durch Deutschland und begegnet den unterschiedlichsten Menschen:

  • Berliner Clanmitglieder
  • Die High Society auf Sylt
  • Ein egomanischer Ministerpräsident von Bayern
  • Verschiedene Persönlichkeiten aus allen Gesellschaftsschichten

Immer mit seiner charakteristischen Einleitung: "Isch hab da ma' ne Frage..." Schlämmer lässt den Gesprächsfaden nie abreißen und wird so zum leuchtenden Gegenbeispiel für die von Soziologen beklagte gesellschaftliche Fragmentierung nach Corona.

Die Botschaft hinter der Komik

Hape Kerkeling spricht über seine Figur wie ein nachsichtiger Vater – liebevoll, hoch engagiert, manchmal seufzend, dann wieder laut lachend. Seine Hoffnung für den Film: "Vielleicht kann er dabei helfen, den Blick zu weiten und auch das Positive zu sehen."

Zur Frage, ob Horst Schlämmer am Ende sein Glück findet, will Kerkeling nicht zu viel verraten. Aber er teilt seine Überzeugung: "Das Glück trifft einen nur, wenn man dafür bereit ist. Und wenn man erkennt, dass das Glück irgendwo in einem selbst schlummert und nicht unter Palmen oder in den Bergen. Dieser Möglichkeit geht der Film auf die Spur."

Der Filmemacher ist überzeugt: "Ich glaube, der Film sorgt dafür, dass man als Zuschauer – fast unabhängig davon, in welcher Verfassung man reingeht – in etwas besserer Verfassung wieder rauskommt. Und das ist dann schon viel, finde ich." Horst Schlämmer, einst als Rache an allen aufdringlichen Reportern erfunden, könnte so zum ungewöhnlichen Verbinder in einer zerrissenen Zeit werden.

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