Horst Schlämmer auf neuer Kinomission: Kultfigur kehrt zurück
Eigentlich schien die Karriere von Horst Schlämmer, dem wandelnden Herrenwitz aus dem Grevenbroicher Tagblatt, bereits beendet. Doch nun feiert die legendäre Figur von Hape Kerkeling ein überraschendes Comeback in einem abendfüllenden Kinofilm. In "Horst Schlämmer sucht das Glück" begibt sich der schrullige Journalist auf eine Reise durch ganz Deutschland.
Eine ungewöhnliche Begegnung im Erzbischöflichen Haus
Eine besonders bemerkenswerte Szene des neuen Films zeigt Horst Schlämmer in einem denkwürdigen Treffen. In seinem charakteristischen beigen Trenchcoat, mit Herrenhandtäschchen und unverkennbarem Überbiss sitzt er dem sonst so zurückgezogenen Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki gegenüber. Der Kirchenfürst, der sich seit Jahren weitgehend aus der Öffentlichkeit zurückgezogen hat, lacht sich in dieser Szene kaputt - eine unerwartete Befreiung aus der selbstgewählten Isolation.
Wie ein Relikt aus vergangenen Zeiten kehrt der stellvertretende Chefredakteur des fiktiven "Grevenbroicher Tagblatts" zurück in die Gegenwart des Jahres 2026. Der Filmtitel lehnt sich bewusst an die italienische Zeichentrickserie "Herr Rossi sucht das Glück" aus dem Jahr 1976 an, die Kerkeling selbst in seiner Recklinghäuser Jugend im Fernsehen verfolgte.
Zeitgemäße Anpassung einer umstrittenen Figur
Die Rückkehr wirft jedoch Fragen auf: Passt eine vor über zwei Jahrzehnten kreierte Figur, die für ihre übergriffige Art besonders gegenüber Frauen bekannt wurde, noch in unsere Zeit? Kerkeling, der Horst Schlämmer ursprünglich als satirische Antwort auf aufdringliche Reporter entwickelte, hat dafür eine Lösung gefunden.
Dem ungezügelten Schlämmer wurde die junge Kamerafrau Anna (gespielt von Laura Thomas) zur Seite gestellt. Sie filmt und kommentiert seine Aktionen aus dem Off und korrigiert ihn, wenn er mit veralteten Verhaltensmustern auftritt. Unter ihrer Anleitung wirkt der einst so ungestüme Charakter zahmer, fast wie ein tapsiger Teddybär - wenn auch mit eigenwilligem Geruch und manchmal fragwürdigen Manieren.
Kerkeling über seine ikonische Schöpfung
Im Interview mit der Deutschen Presse-Agentur zeigt sich Hape Kerkeling als nachsichtiger "Vater" seiner Figur. "Der Horst hat sich nicht wesentlich verändert", betont der 61-jährige Comedian. "Aber dadurch, dass die Welt um ihn herum chaotischer geworden ist und Leute im öffentlichen Raum sich zu Äußerungen herablassen, die sich Horst nicht einmal im privaten Gespräch erlauben würde, hat sich die Grenze verschoben."
Kerkeling spielt im Film nicht nur Horst Schlämmer, sondern auch sich selbst - und zwar als "arroganten Kotzbrocken", wie er grinsend verrät. Diese selbstironische Darstellung unterstreicht die reflektierte Herangehensweise an das Comeback der Kultfigur.
Deutschlandreise als gesellschaftlicher Kommentar
Die Handlung führt Horst Schlämmer kreuz und quer durch die Republik. Von Berliner Clanmitgliedern über die High Society auf Sylt bis hin zum egomanischen bayerischen Ministerpräsidenten - der Mann vom Niederrhein sucht das Gespräch mit allen gesellschaftlichen Gruppen. In einer Zeit, in der sich viele Menschen in ihre eigenen Blasen zurückziehen, stellt Schlämmer mit seinem unverblümten "Isch hab da ma' ne Frage..." das Gegenmodell dar.
Kerkeling sieht in seiner Figur sogar eine Art Vorbildfunktion: "Er ist auf Offenheit getrimmt, auch wenn sein geistiger Horizont manchmal verengt wirken kann. Aber er beweist, dass es sich lohnen kann, sich neuen Ideen zu öffnen. Wenn Horst das kann, dann kann das jeder."
Die Suche nach dem Glück in schwierigen Zeiten
Der Film erkundet nicht nur Deutschland, sondern auch die Frage nach dem persönlichen Glück. Kerkeling verrät nicht zu viel über das Ende, betont aber seine Überzeugung: "Das Glück trifft einen nur, wenn man dafür bereit ist. Und wenn man erkennt, dass das Glück irgendwo in einem selbst schlummert und nicht unter Palmen oder in den Bergen."
Die weibliche Hauptrolle neben Horst Schlämmer übernimmt Comedienne Tahnee Schaffarczyk als Gabi Wampel, Schlämmers Lieblingsschauspielerin. In nostalgischen Rückblenden zu deutschen Feel-Good-Filmen der 60er bis 90er Jahre zeigt der Film eine vermeintlich einfachere Zeit - oder zumindest die verklärte Erinnerung daran.
Kerkelings Hoffnung für den Film ist bescheiden und zugleich ambitioniert: "Ich glaube, der Film sorgt dafür, dass man als Zuschauer - fast unabhängig davon, in welcher Verfassung man reingeht - in etwas besserer Verfassung wieder rauskommt. Und das ist dann schon viel, finde ich."



