Idris Elba in Berliner U-Bahn-Geiselnahme: Wie realistisch ist die Serie 'Hijack'?
Die zweite Staffel der britischen Thrillerserie "Hijack" mit Idris Elba hat ihr Finale erreicht. Nachdem die erste Staffel 2023 für Nervenkitzel in der Luft sorgte, verlegt die Fortsetzung das Geschehen in den Berliner Untergrund. Am 4. März 2026 startete die letzte Folge "Endstation" auf Apple TV, die im Original den Titel "Terminal" trägt.
Handlung: Vom Flugzeug in die U-Bahn
In der ersten Staffel geriet der Verhandlungsführer Sam Nelson, gespielt von Idris Elba, in ein entführtes Flugzeug von Dubai nach London. Die sieben Episoden boten Echtzeit-Spannung von der Geiselnahme bis zur riskanten Landung. Sam Nelson erwies sich dabei als zwiespältige Figur, deren Handeln viele Fragen aufwarf.
In Staffel zwei ist Sam aufgrund der Ereignisse ein gebrochener Mann, der seine Traumata jedoch gut verbirgt. Während eines Berlin-Besuchs nimmt er die U5 vom Hauptbahnhof Richtung Brandenburger Tor und weiter nach Hönow – und landet erneut in einer gefährlichen Situation.
Die U-Bahn wird ferngesteuert entführt, wobei der Fahrer Otto (Christian Näthe) als Eingeweihter agiert. Sam Nelson findet sich plötzlich im Zentrum eines terroristischen Anschlags wieder und gerät sogar selbst unter Tatverdacht. Der Zug hält nicht mehr an Stationen, unter ihm sind Bomben installiert, und eine Irrfahrt durch den Berliner Untergrund beginnt.
Berlin-Darstellung: Klischees und künstliche Kälte
Aus britischer Perspektive erscheint Berlin in der Serie als stets kalte, graue Stadt mit unaufhörlichem Schneefall im Winter. Im Kontrast dazu zeigen Szenen in London und dem britischen Landschaft vielfältigeres Wetter.
Die Serie bedient einige Deutschland-Klischees: Der U-Bahn-Fahrer heißt Otto, ein Fahrgast (Albrecht Schuch) ist ein hipper Fahrradfahrer mit Schnäuzer und Wollmütze, der "irgendwas mit Nachhaltigkeit" arbeitet. Die Polizeichefin (Christiane Paul) trägt Uniform, während die echte Berliner Polizeipräsidentin Barbara Slowik selten so gekleidet zu sehen ist.
Die Leitstelle der Berliner U-Bahn wirkt in der Produktion eher wie die NASA als wie die realen Berliner Verkehrsbetriebe. Die echte BVG pflegt seit Jahren das Image eines chaotischen Betriebs, der Verspätungen als Berlin-Lifestyle vermarktet.
Drehorte und Produktion
Die Serie wurde Anfang 2025 tatsächlich in Berlin gedreht. Zu den Drehorten zählten der Berliner Hauptbahnhof, Tunnel und Gleise im Bereich des Alexanderplatzes sowie die Kreuzung Tauentzienstraße/Nürnberger Straße nahe dem KaDeWe.
Realitätscheck: Wie entführt man eine U-Bahn?
Technisch gesehen bewegt sich die Serie teilweise auf realistischem Terrain: Der entführte Zug fährt nur auf Strecken von Linien mit Großprofil (U5 bis U9), die etwa 2,65 Meter breit sind. Die schmaleren Linien U1 bis U4 werden korrekterweise nicht befahren.
Allerdings hat das problemlose Wechseln zwischen den Waggonen im alten U-Bahn-Zug wenig mit dem Berliner Alltag zu tun – hier opfert die Serie Realismus zugunsten der Dramaturgie.
Die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) halten sich mit Kommentaren zur Serie bedeckt. Auf Nachfrage werden weder dargestellte Orte noch technische Abläufe erläutert oder mit realen Gegebenheiten in Verbindung gebracht. Die einzige offizielle Stellungnahme einer BVG-Sprecherin lautet knapp: "Das ist Fiktion."
Die acht Episoden der zweiten Staffel wurden seit dem 14. Januar 2026 wöchentlich veröffentlicht und boten erneut Echtzeit-Spannung. Die Kommunikation mit der Leitstelle und die langsame Aufklärung der Hintergründe schaffen dabei eine intensive Atmosphäre, die für die Passagiere und die ganze Stadt zum blanken Horror wird.



