TV-Erstausstrahlung eines finnischen Kultfilms
Der finnische Regisseur Aki Kaurismäki präsentiert mit Fallende Blätter seinen vorerst letzten Spielfilm, der nun seine deutsche Fernsehpremiere auf Arte feiert. Das Werk, das 2023 bei den Internationalen Filmfestspielen von Cannes uraufgeführt wurde und dort den Preis der Jury gewann, bildet den Abschluss seiner Reihe proletarischer Filme und ist ein typisches Beispiel für seinen unverwechselbaren Stil.
Eine melancholische Liebesgeschichte in finnischer Kulisse
Die Handlung spielt in einer Großstadt, die von Baustellen, Supermärkten und Hinterhofwohnungen geprägt ist. In dieser tristen, in fahlen Farben gehaltenen Umgebung lernen sich die beiden Gelegenheitsarbeiter Ansa, gespielt von Alma Pöysti, und Holappa, dargestellt von Jussi Vatanen, kennen. Beide Figuren sind schüchterne Außenseiter, die in prekären Jobs arbeiten und mit den Herausforderungen des Alltags kämpfen.
Kaurismäki, der auch das Drehbuch schrieb und den Film produzierte, inszeniert ihre Annäherung in langen, ruhigen Einstellungen, die wie fallende Blätter aufeinanderfolgen. Die Dialoge sind spärlich, und die Schauspieler agieren äußerst zurückgenommen – ganz im Stil des Regisseurs, der für seinen lakonischen Humor und seine sozialkritischen Themen bekannt ist.
Hindernisse und kleine Wunder
Die Romanze zwischen Ansa und Holappa ist nicht ohne Hürden: Holappa kämpft mit Alkoholismus, und Ansa will aufgrund familiärer Erfahrungen keine Beziehung mit einem Trinker eingehen. Doch der Bauarbeiter wird trocken wie 'ne Wüstenratte, wie er ihr am Telefon erklärt, und gemeinsam überwinden sie auch andere Hindernisse wie lange Trennungsphasen.
Die Musik spielt eine zentrale Rolle im Film – von Schubert-Liedern über Tango bis hin zu Elektrosound aus der Jukebox. Einzig die Nachrichten vom Krieg in der Ukraine, die aus 60er-Jahre-Radios dröhnen, durchbrechen regelmäßig die märchenhafte Atmosphäre und erinnern daran, dass die Welt kein Spiel ist.
Ein Film wie ein modernes Märchen
Fallende Blätter ist eine Mischung aus Sozialstudie, Liebesdrama und Märchen, versetzt mit Kaurismäkis charakteristischem Humor. Die beiden Hauptdarsteller überzeugen durch ihre intensive Ausstrahlung – Vatanen erinnert dabei an Hollywood-Legende James Stewart. Am Ende wandern Ansa und Holappa, begleitet von einem zugelaufenen Hund, dem Horizont möglichen Glücks entgegen – eine Hommage an Charlie Chaplins Moderne Zeiten.
Der Film nimmt Bezug auf das gleichnamige Chanson von Jacques Prévert und Joseph Kosma und beweist einmal mehr, dass Kaurismäki auch in seinem 20. Spielfilm seiner Handschrift treu bleibt. Für eingeschworene Fans ist das Werk ein Kultfilm, während andere sich möglicherweise an der langsamen Erzählweise langweilen könnten.
Die TV-Premiere auf Arte bietet nun die Gelegenheit, diesen spröden Zauber im deutschen Fernsehen zu erleben und in Kaurismäkis einzigartige Filmwelt einzutauchen.



