Hape Kerkeling über Horst Schlämmer: "Markus Söder hat sofort zugesagt"
Kerkeling: Söder sagte sofort zu für Schlämmer-Film

Hape Kerkeling im Gespräch: Horst Schlämmer kehrt zurück

Die Corona-Pandemie ist vorbei, doch die allgemeine Stimmungslage in Deutschland bleibt düster. So düster, dass es Horst Schlämmer, den Chefredakteur des fiktiven "Grevenbroicher Tagblatts", nicht mehr aushält. Als dann auch noch seine Stammkneipe "Wilddieb" schließt, begibt sich Schlämmer gemeinsam mit einer jungen Social-Media-Mitarbeiterin auf eine besondere Mission: die Suche nach dem Glück in Deutschland.

Roadmovie mit satirischen Einlagen

Dies bildet die Ausgangslage für das Roadmovie "Horst Schlämmer sucht das Glück", mit dem der Allroundkünstler Hape Kerkeling seine Kultfigur zum zweiten Mal auf die Leinwand bringt. Der 61-jährige Kerkeling aus Recklinghausen – Komiker, Autor, Sänger, Schauspieler und Regisseur in einer Person – peppt die Handlung mit satirischen Miniaturen über das deutsche Unterhaltungsfernsehen auf. Denn Schlämmer ist glühender Verehrer der Schauspielerin Gabi Wampel, gespielt von Tahnee Schaffarczyk, deren Wirken er im Fernsehen verfolgt.

Kerkeling schlüpft dabei nicht nur in die Rolle des Horst Schlämmer, sondern verkörpert auch einen "Guldenburg"-Pferdepfleger, einen "Traumschiff"-Gast und einen afrikanischen Farmer. Der Film startet am Donnerstag in den deutschen Kinos.

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Die Rückkehr einer Kultfigur

Im Interview erklärt Kerkeling, warum er Horst Schlämmer nach Jahren wiederbelebt hat: "Man hätte es dabei belassen können, aber ich empfand die Rückkehr als notwendig. Als Horst 2009 in 'Isch kandidiere!' in den Wahlkampf zwischen Angela Merkel und Frank-Walter Steinmeier stolperte, war Politik noch ein vergleichsweise amüsantes und eher träges Geschäft. Im Jahr 2026 ist die Politik jedoch ein hochgradig toxisches Metier geworden."

Vor diesem Hintergrund wirke Horst Schlämmer mit seiner herausfordernden Art nahezu zutraulich. "Was man früher an ihm als extrem empfand, geht heute fast als verbindliches Auftreten durch", so Kerkeling. Horst fungiere als notwendiger Stimmungsaufheller, gerade weil er im Kern ein durch und durch demokratischer Charakter sei.

Überraschende Begegnung mit Markus Söder

Eine besondere Szene im Film zeigt die Begegnung mit dem bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder. Kerkeling verrät: "Herr Söder drängt sich einem via Social Media ja geradezu auf. Und wenn in Bayern, wie er stets betont, alles so viel besser ist, dann kann Horst Schlämmer ja wohl mal nachfragen, woran das liegt."

Die Anfrage beim Ministerpräsidenten sei auf positive Resonanz gestoßen: "Wir haben bei Herrn Söder angefragt und er hat umgehend zugesagt. Tatsächlich gibt es zwischen ihm und mir mehr Sympathien, als man von außen vermuten würde." Das Interview wurde bereits gedreht, bevor Kerkeling den Ehrenpreis des Ministerpräsidenten beim Bayerischen Buchpreis erhielt.

Glückssuche in schwierigen Zeiten

Kerkeling betont die politische Dimension von guter Stimmung: "Es hat schon seinen Grund, warum immer wieder dieser berühmte Glücksindex erhoben wird. Welches Land ist das glücklichste? Letztlich ist das auch ein Kampf der Systeme." Oft gewännen die Finnen diese Vergleiche – auch wenn sich das durch die Lage in Russland gerade verschieben möge.

Was machen die Finnen richtig? "Man begegnet sich auf Augenhöhe, bekämpft die Armut konsequent und strebt nach sozialer Gleichheit. All das führt nachweislich zu einer höheren Lebenszufriedenheit", erklärt der Künstler.

Persönliche Mediennutzung und Demokratieverständnis

Auf die Frage, wie er durch Journalismus informiert bleibe, ohne sich die Laune zu verderben, antwortet Kerkeling überraschend: "Ich lese sehr gerne die 'Apotheken Umschau'. Weil dieses Blatt mir helfen will. Die Redaktion dort will mich gesund und munter sehen – da schwingt nichts Negatives mit."

Zur Weltpolitik äußert er sich besorgt: "Es versetzt mich in Erstaunen, dass Menschen an die Schalthebel der Macht gelangen, die offenkundig dümmer sind als ich. Das betrübt mich." Gleichzeitig betont er: "Ich weigere mich jedoch, zuzulassen, dass die Nachrichtenlage meine Grundstimmung vergiftet."

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Kerkeling sieht die gegenwärtige Zeit als Herausforderung für die Demokratie: "Vielleicht ist dies eine Zeit, in der wir uns alle wieder lebendiger fühlen müssen. Möglicherweise haben wir zuvor in einem Dornröschenschlaf gedämmert und geglaubt, die Demokratie käme einfach so aus der Steckdose. Das tut sie nicht mehr. Sie ist in Gefahr, und wir müssen aktiv an ihrem Erhalt arbeiten."

Der erste "Horst Schlämmer"-Kinofilm kam 2009 bei der Kritik eher mäßig an, erreichte aber 1,3 Millionen Zuschauer. Dazu meint Kerkeling: "Für so eine Resonanz nimmt man ein paar schlecht gelaunte Kritiken gerne in Kauf. Am Ende ist mir das Urteil des Publikums wichtiger als das der Feuilletons. Ich bin Unterhalter und möchte, dass meine Arbeit mit guter Laune konsumiert wird."