Warum Kerkelings Film nur ein Strohfeuer der guten Laune ist
Froh zu sein bedarf es deutlich mehr: In seinem neuen Film „Horst Schlämmer sucht das Glück“ versucht der Comedian und Schauspieler Hape Kerkeling, die chronische Miesepetrigkeit Deutschlands komödiantisch zu bekämpfen. Doch trotz vielversprechendem Ansatz bleibt das Werk letztlich eine unterhaltsame, aber flüchtige Nummernrevue.
Die Rückkehr einer deutschen Kultfigur
Seit den achtziger Jahren gehört Hape Kerkeling zum kleinsten gemeinsamen Nenner der deutschen Unterhaltung. Mit Formaten wie „Total Normal“ oder seinem legendären Auftritt als Königin Beatrix im Schloss Bellevue hat er sich in die Fernsehgeschichte eingeschrieben. Seine Figur Horst Schlämmer – mit grauer Strubbelfrisur, Überbiss, Bierwampe und beigefarbenem Trenchcoat – entwickelte sich zur echten Kultfigur. Übergriffig, politisch unkorrekt und mit charakteristischem Grunzlachen stieß der stellvertretende Chefredakteur des „Grevenbroicher Tagblatts“ sein Publikum stets in neue Dimensionen des wohligen Fremdschämens.
Nun erweckt Kerkeling seine ikonische Figur nach siebzehn Jahren wieder zum Leben. Allerdings findet sich Horst Schlämmer in einem Land wieder, das sich drastisch von der Republik der Merkel-Jahre unterscheidet. Flüchtlingskrise, AfD, Corona-Pandemie und Ukrainekrieg haben zu einer tiefen Polarisierung geführt. Gegen diese düstere Stimmung schickt Kerkeling seinen rheinischen Don Quichote ins Feld.
Eine Reise durch das Land der Nörgler
Schlämmer macht sich kreuz und quer durch die Republik auf die Suche nach dem Glück im Land der Nörgler und Miesepeter. Seine Reise führt ihn von einem Kurort mit Lach-Yoga-Kursen über München in die bayrische Staatskanzlei, wo er auf Ministerpräsident Markus Söder trifft. Dieser schlägt sich mit etwas Eigenhumor tapfer gegenüber dem Comedian. Weiter geht es nach Berlin, wo Schlämmer nicht ganz klischeefrei in die Hände von Drogendealern gerät, nach Schleswig-Holstein zu den laut Umfragen glücklichsten Bundesbürgern und schließlich zu einer Reiche-Schnösel-Party nach Sylt, die wenig überraschend beweist, dass Geld allein nicht glücklich macht.
Im Vergleich zum letzten Kinofilm „Isch kandidiere“ aus dem Jahr 2009 wird die Polit-Promi-Quote deutlich heruntergefahren. Die meisten Episoden sind inszenierte Sketche mit Gastauftritten von Schauspielerinnen wie Jördis Triebel als beherzter Berliner Fernfahrerin oder Meltem Kaptan in der Doppelrolle als Bahnschaffnerin und Domina. Wenn Schlämmer die Faxen dick hat von der deutschen Glücklosigkeit, flüchtet er sich in Videos seiner Lieblingsschauspielerin Gabi Wampe, gespielt von Tahnee Schaffarczyk. Diese bunten Exkurse schippern mit ironischer Nostalgie durch die bundesdeutsche TV-Geschichte – vom bayrischen Heimatfilm bis zur Traumschiff-Kreuzfahrt.
Vielversprechender Ansatz, schwache Ausführung
Der Ansatz, der chronischen Unzufriedenheit der Deutschen komödiantisch auf die Spur zu kommen und verschiedene Glücksvorstellungen zu erkunden, ist durchaus vielversprechend. Doch Regisseur Sven Unterwaldt, bekannt durch Filme wie „7 Zwerge“, gelingt es nur unvollständig, mit dem Roadmovie-Trick den starken Nummernrevue-Charakter zu kaschieren. Zwar belebt Kerkeling seine Lieblingsfigur nach siebzehn Jahren mit physischer wie verbaler Strahlkraft wieder und arbeitet deren eigenwillige, menschliche Qualitäten heraus. Dennoch fehlt ein tragfähiges Konzept, das über die interessante Anfangsprämisse hinausgeht.
Was als wärmendes, komödiantisches Kaminfeuer für die gestresste deutsche Seele angelegt ist, verbrennt auf der Leinwand letztlich als Strohfeuer. Die episodische Struktur und der Mangel an erzählerischer Tiefe verhindern, dass der Film nachhaltig wirken kann. Trotz aller Bemühungen bleibt „Horst Schlämmer sucht das Glück“ eine unterhaltsame, aber flüchtige Momentaufnahme – mehr Strohfeuer der guten Laune als nachhaltiger Glücksbringer.
Kinostart in ausgewählten Kinos wie Gloria, Leopold, Cadillac, Cinemaxx, Mathäser, Rex, Rio und Astor im Arri. Regie führte Sven Unterwaldt, die Laufzeit beträgt 93 Minuten.



