Ex-Berlinale-Chef Kosslick: „Gespenstisch, was hier abläuft“ – Kritik an aktuellen Debatten
Kosslick: „Gespenstisch, was hier abläuft“ – Kritik an Berlinale

Ex-Berlinale-Chef Kosslick: „Gespenstisch, was hier abläuft“ – Scharfe Kritik an aktuellen Debatten

Der ehemalige Festivalleiter Dieter Kosslick hat sich in einem aktuellen Interview mit deutlichen Worten zu den gegenwärtigen Kontroversen um die Berlinale geäußert. Der langjährige Chef der Berliner Filmfestspiele zeigte sich entsetzt über die Entwicklungen und sprach von einer gespenstischen Situation.

Kritik an politischen Einflüssen und Brief-Affäre

„Das ist ja gespenstisch, was hier abläuft“, sagte Kosslick dem Bayerischen Rundfunk in einem exklusiven Gespräch. Der erfahrene Festivalmanager verwies dabei auf den diesjährigen Goldenen Bären-Gewinner „Gelbe Briefe“, der sich kritisch mit staatlicher Zensur von Künstlern auseinandersetzt. „Und dann bekommt jemand blaue Briefe hier“, kommentierte Kosslick die aktuelle Situation ironisch.

Hintergrund seiner Äußerungen sind Berichte über mögliche personelle Konsequenzen für die aktuelle Festivalchefin Tricia Tuttle. Medienberichten zufolge könnte ihre Abberufung im Raum stehen, wobei der Umgang mit dem Nahostkonflikt als zentraler Streitpunkt genannt wird.

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Vergebliche Aufsichtsratssitzung und fortlaufende Gespräche

Eine eigens einberufene Sitzung des Berlinale-Aufsichtsrates unter Leitung von Kulturstaatsminister Wolfram Weimer (parteilos) endete am Donnerstag ergebnislos. Laut Sprecher des Ministers sollen die Gespräche über die künftige Ausrichtung des Festivals in den kommenden Tagen zwischen Tuttle und dem Aufsichtsratsgremium fortgesetzt werden.

Kosslick, der die Berlinale zwei Jahrzehnte lang erfolgreich führte, betonte im Interview, dass Kritik an Festivalleitungen nichts Ungewöhnliches sei. „Also die Berlinale ist immer in der Kritik. Aber meistens geht es darum, ob die richtigen Filme gezeigt werden.“

Warnung vor dauerhaften Schäden für das Festival

Der erfahrene Kulturmanager unterstrich den traditionell politischen Charakter der Berlinale, verwies aber gleichzeitig auf die besondere Verkomplizierung durch den Gaza-Israel-Konflikt. „Die Berlinale ist seit 1951 ein Festival der Meinungsfreiheit“, erinnerte Kosslick und mahnte eindringlich vor den Konsequenzen der aktuellen Debatten.

„Egal, was da am Ende bleibt: Die Berlinale ist beschädigt“, prognostizierte der Ex-Chef mit ernstem Unterton. Seine Sorge gilt dem internationalen Ansehen des Festivals, da sich Filmemacher weltweit fragen würden, ob sie künftig noch teilnehmen möchten – insbesondere wenn sie zunächst nach ihrer politischen Haltung befragt würden.

Kosslicks Äußerungen fallen in eine Phase intensiver Diskussionen über die Zukunft der Berlinale, die als eines der wichtigsten Filmfestivals weltweit gilt. Seine langjährige Erfahrung als Festivalleiter verleiht seinen Warnungen besonderes Gewicht in der aktuellen kulturpolitischen Debatte.

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