Kritik: 'Der Super Mario Galaxy Film' kann der Videospiel-Vorlage nichts Originelles hinzufügen
Laut, bunt und seelenlos präsentiert sich 'Der Super Mario Galaxy Film' als Fortsetzung des erfolgreichen Vorgängers. Die Adaption der beliebten Videospiel-Serie fügt dem Franchise nichts Originelles hinzu und wirkt wie eine schlecht programmierte KI-Kreation.
Eine Gute-Nacht-Geschichte mit dämonischer Note
Was gibt es Schöneres als eine liebevoll vorgetragene Gute-Nacht-Geschichte? Bowser zeigt sich als Vater, der sich ins Zeug legt, um seinen Sohn Bowser Jr. kurz vor dem Gute-Nacht-Kuss in eine fremde Welt zu entführen. Diese dämonische Schildkröte inszeniert ein Kasperletheater der besonderen Art – wenn sie denn mal zu Hause ist. Völlig ungefiltert gibt der Bösewicht seine Allmachtsfantasien weiter, faselt von Weltherrschaft, Super-Kanonen und einer entführten Prinzessin. Wer hätte gedacht, dass diese Pädagogik einmal unheimliche Früchte tragen würde?
Bedrohliche Szenen in einem seelenlosen Film
Es sind diese bedrohlichen wie gewitzten Szenen zwischen Vater und Sohn, Ober- und Babybösewicht, die in Erinnerung bleiben. Sie bilden die Ausnahme in einem Film, der ansonsten so wirkt, als wäre eine schlecht programmierte KI und keine Menschen dafür verantwortlich. 'Der Super Mario Galaxy Film' ist eine Fortsetzung, die es nur geben musste, weil der erste Teil, 'Der Super Mario Bros. Film', mit einem Einspielergebnis von 1,3 Milliarden Dollar unverschämt erfolgreich war.
Drei Jahre Vorbereitung für einen dünnen Plot
Drei Jahre hatten sich die Macher Zeit gelassen für diese Fortsetzung. Eine stimmige Geschichte gibt die Vorlage jedoch nicht her – die auch nach 40 Jahren äußerst populäre, aber inhaltlich schlichte Videospiel-Reihe bietet einfach nicht genug Substanz. Die Lösung für das Plot-Problem findet sich im Titel: 'Der Super Mario Galaxy Film' beruht auf dem bahnbrechenden 3D-Jump'n'-Run aus dem Jahr 2007.
Erstmals hatten die Spielewelten keine flachen Oberflächen mehr, es waren Himmelskörper zu sehen, in denen die Schwerkraft ausgesetzt war. Ein reizvolles Setting, aber noch keine Story. Da bereits im besseren ersten Teil die Vorgeschichte von Luigi und Mario erzählt wurde, wird die Verortung der Figuren nun vollends aufgegeben.
Nur Typen, keine Charaktere
Die nur an der Farbe der Latzhosen und Mützen unterscheidbaren Brüder sind bloße Typen, keine Charaktere. Als solche erledigen sie ihre Klempnerarbeiten nun im Pilz-Königreich von Prinzessin Peach. In diese kampferprobte Adlige ist Mario heimlich verliebt. Für eine Vertiefung der nicht standesgemäßen Beziehung fehlt jedoch die Zeit.
Rosalina, intergalaktische Beschützerin der sternförmigen Lunas, wird von Bowser Jr. entführt. Kurzentschlossen bietet Peach den Lunas ihre Hilfe an, um dem rotznäsigen Prinzessinnen-Räuber das Handwerk zu legen. Mario und Luigi sollen an der Seite des niedlichen Sauriers Yoshi unterdessen auf ihr Königreich aufpassen.
Dreister Ideenklau bei anderen Blockbustern
Es dauert aber nicht lange, bis die Klempner ebenfalls von Planet zu Planet hüpfen, um der Prinzessin beizustehen. Der dünne Plot aus der Märchen-Mottenkiste ist dabei nur Vorwand, um ins Gaming-Detail zu gehen und die knallbunten Spielewelten mit den entsprechenden Soundeffekten vorzuführen. Das Anhäufen von Verweisen und Figuren führt nicht zu einer Dramaturgie, sondern nur zu drögen Level-auf-Level-Steigerungen.
Erschreckend ist auch, wie dreist und einfallslos sich der Film bei anderen Mainstream-Blockbustern bedient. Gerade 'Star Wars' muss mehrmals herhalten – die Figur des Piloten-Hasardeurs Fox McCloud ist eine glatte Han-Solo-Kopie. Auch ein T-Rex aus 'Jurassic Park' darf nicht fehlen. Und wenn es doch mal ruhiger wird, übernimmt ein Roboter die vergnügliche Langsamkeit der Faultiere in 'Zootopia'.
Weitere Fortsetzung folgt wohl
Dennoch heißt es am Ende wohl: Weitere Fortsetzung folgt! Das suggerieren jedenfalls die im Abspann versteckten Szenen – auch wenn nicht sicher ist, ob die reizüberfluteten Kinder da noch auf ihren Plätzen sitzen. Die Kinoauswertung erfolgt in zahlreichen deutschen Lichtspielhäusern.



