Linklaters Hommage an die Nouvelle Vague: Ein Filmvergnügen für alle
Ein Cineastenfilm – dieser Begriff kann schnell abschrecken, verbindet man ihn doch oft mit Unzugänglichkeit und Selbstbeweihräucherung. Bei Richard Linklaters neuem Werk „Nouvelle Vague“ ist das glücklicherweise anders. Der US-Regisseur präsentiert einen unterhaltsamen und zugänglichen Film, der im lebendigen Paris der frühen 1960er-Jahre spielt und die Geburtsstunde der legendären französischen Filmrichtung einfängt.
Die Geburt eines Klassikers
Im Mittelpunkt steht die Entstehung von Jean-Luc Godards bahnbrechendem Werk „Außer Atem“ aus dem Jahr 1960. Der Film zeigt, wie Godard, gespielt von Guillaume Marbeck, mit seinem programmatischen Satz „Man braucht eine junge Frau und eine Knarre“ sein erstes Filmprojekt startet. Zusammen mit Jean Seberg (Zoey Deutch) und Jean-Paul Belmondo (Aubry Dullin) kreiert er einen packenden, existenzialistischen Film, der die Filmgeschichte nachhaltig prägen sollte.
Linklater inszeniert Godard als arroganten Superintellektuellen, dessen Drehbücher nie fertig sind und der Drehs spontan abbricht. Doch genau dieser Guerillastil mit Handkamera und natürlichen Settings wirkte belebend auf das Kino. Die schwarz-weiße Optik lässt Paris wunderbar glänzen und transportiert ein junges, ausgelassenes Lebensgefühl.
Historische Persönlichkeiten und filmische Details
Neben Godard tauchen zahlreiche weitere legendäre Figuren auf:
- François Truffaut und Jacques Rivette als Journalisten bei der Filmzeitschrift „Cahiers du Cinéma“
- Roberto Rossellini, Mitbegründer des Neorealismus, zu Besuch in der Redaktion
- Die Reise nach Cannes zu den Filmfestspielen, wo viele ihre eigenen Werke präsentieren
Besonders interessant ist die Darstellung von Jean Seberg, die nach „Außer Atem“ zwischen Hollywood und Europa pendelte und in den USA aufgrund ihrer politischen Aktivitäten für die Bürgerrechtsbewegung unter Druck des FBI geriet.
Technische Perfektion und zeitgenössischer Sound
Linklater drehte den Film auf Französisch und fing die Atmosphäre technisch perfekt ein. Der Jazz von Martial Solal, Pianist des Musikclubs Saint Germain, dient als Soundtrack und unterstreicht das Lebensgefühl der Zeit. Obwohl Godards Originalwerk mit nur 23 Drehtagen entstand und technisch als ruinös galt – mit nachsynchronisiertem Ton und Anschlussfehlern – schaffte es der Regisseur, Unsterblichkeit zu erlangen.
„Kunst ist nie fertig, sondern nur aufgegeben“, zitiert Godard im Film Michelangelo – eine passende Beschreibung für seinen eigenen schöpferischen Prozess.
Ein Film für unsere Zeit
In einer von Beschwernissen geprägten Gegenwart bietet „Nouvelle Vague“ ein erfrischendes Kinovergnügen. Die lässige gute Laune am Set, die jugendliche Ausgelassenheit und die Hommage an eine filmische Revolution machen den Film zu einem besonderen Erlebnis – nicht nur für Cineasten, sondern für alle, die das Kino lieben.



