Richard Linklaters 'Nouvelle Vague': Eine schwelgerische Hommage an die Filmkunst
Mit seinem neuesten Werk Nouvelle Vague blickt der renommierte Regisseur Richard Linklater, bekannt für Filme wie Boyhood, in schwelgerischer Weise auf die Geschichte des Kinos zurück. Diese Liebeserklärung an die Filmkunst dürfte nicht nur eingefleischte Cineasten begeistern, sondern ein breites Publikum in ihren Bann ziehen.
Die Entstehung eines Schlüsselwerks
Der Film, der in authentischem Schwarz-Weiß gedreht wurde, schildert die Entstehung des legendären Spielfilms Außer Atem aus dem Jahr 1960. Dieses Gangsterdrama gilt als Schlüsselwerk der Nouvelle Vague, der sogenannten Neuen Welle, die sich durch Realitätssinn, lebensechte Dialoge, Handkamera-Aufnahmen, unkonventionelle Schnittfolgen und den Verzicht auf Kitsch auszeichnet. Linklater hält sich in seiner ersten rein französischsprachigen Produktion an die technischen Standards der späten 1950er und frühen 1960er Jahre, mit einem fast quadratischen Projektionsbild und einer sprunghaften Erzählweise, die den Ambitionen des damals 28-jährigen Regie-Neulings Jean-Luc Godard folgt.
Ein Fest für Filmkenner und Neulinge
Wer gerne hinter die Kulissen des Kunstbetriebs blickt, erlebt in Nouvelle Vague ein üppiges Fest. Kenner der Filmgeschichte können sich an Auftritten von heute weltberühmten Kinolegenden wie den Regisseuren Roberto Rossellini und François Truffaut oder der Chansoninterpretin Juliette Gréco erfreuen, ebenso wie an zahlreichen Anspielungen und Zitaten. Doch auch Zuschauer, die diese Prominenz und Verweise nicht erkennen, dürften einen Hochgenuss erleben, denn Linklaters Leidenschaft für das Kino ist ungemein mitreißend und zugänglich gestaltet.
Hervorragende Schauspielleistungen
Besonders begeistern jene Szenen, die das Reifen von Jean-Paul Belmondo vom unbekümmerten Schauspielanfänger zum sensiblen Künstler einfangen. Der noch weithin unbekannte Franzose Aubry Dullin verkörpert ihn herrlich schnoddrig und gedankenvoll. Zoey Deutch porträtiert die zur Handlungszeit bereits berühmte Schauspielerin Jean Seberg einfühlsam als Frau auf der Suche nach sich selbst, während Guillaume Marbeck in seiner ersten Hauptrolle Jean-Luc Godard wirkungsvoll als provozierend eigensinnigen Exzentriker darstellt.
Linklaters Erfolgsrezept
Richard Linklater, einer der führenden Vertreter des Independent-Kinos, ist für Filme wie die Before-Trilogie, Boyhood und A Killer Romance bekannt. Sein Erfolgsgarant ist eine mitreißende Mischung aus Menschenliebe und Humor, mit der er selbst von schwierigen Themen in einem charmanten Plauderton erzählen kann. Bei der Verleihung des César, Frankreichs nationalem Filmpreis, erhielt Nouvelle Vague vier Auszeichnungen, darunter die für die beste Regie an Linklater.
Kino als Quelle der Inspiration
Nouvelle Vague ist eine lustvolle Liebeserklärung an die Magie des Spiels von Licht und Schatten und feiert das Kino als Quell der Unterhaltung und Herzensbildung. Über das Schwelgen in der Filmhistorie hinaus erzählt Linklater feinsinnig, wie Menschen trotz Schwierigkeiten ihre Träume verwirklichen können – in diesem Fall der Traum von Jean-Luc Godard, von einem Filmkritiker zu einem Regisseur aufzusteigen. Die Geschichte steht zudem für Linklaters grundsätzlichen Glauben daran, dass jeder Mensch dazu in der Lage ist, über sich selbst hinauszuwachsen und durch Kunst zu wachsen.



