Der Berliner Karneval der Kulturen feiert in diesem Jahr sein 30. Jubiläum, doch die Freude über das runde Fest wird von finanziellen Sorgen überschattet. Zehn Tage vor dem Start des mehrtägigen Events klafft eine Finanzierungslücke von knapp 80.000 Euro bei Gesamtausgaben von rund 2,5 Millionen Euro. Die Veranstalter hoffen, diese Lücke durch Spenden zu schließen.
Finanzielle Herausforderungen zum Jubiläum
„Wir hoffen, dass diese Lücke durch Spenden noch geschlossen wird“, sagte eine Sprecherin. „Kultur in der Stadt zu veranstalten, ist in dieser Zeit nicht so einfach.“ In Gefahr sei der Karneval aber nicht. Der Senat unterstützt das Fest mit 1,46 Millionen Euro, was aufgrund von Kürzungen etwa 140.000 Euro weniger ist als im Vorjahr. Weitere Einnahmen stammen aus Gebühren der Getränke- und Essensstände entlang der Umzugsstrecke in Friedrichshain, die mehr als 600.000 Euro einbringen. Auch Sponsoren beteiligen sich an den Kosten.
Vor einigen Wochen war noch von einer Lücke von 250.000 Euro die Rede. Durch Einsparungen und zusätzliche Sponsoren sowie Spenden in Höhe von 6.000 Euro konnte die Lücke verkleinert werden. Dennoch steigen die Kosten jedes Jahr um etwa fünf Prozent aufgrund höherer Löhne und allgemeiner Inflation. „Das kennt ja jeder auch von der Inflation, das ist eben so“, so die Veranstalter.
Kosten für Sicherheit und Infrastruktur
Neben den steigenden Personalkosten fallen auch Ausgaben für Sicherheitsteams, zusätzliche Toiletten und die Reinigung entlang der Strecke an. Die Veranstalter appellieren an die Besucher, sich verantwortungsvoll zu verhalten, die Toiletten zu nutzen und den abgesperrten Grünstreifen auf der Karl-Marx-Allee nicht zu betreten, um Schäden zu vermeiden.
Umzug in Friedrichshain und Rückkehrwunsch nach Kreuzberg
Der traditionelle große Umzug am Pfingstsonntag führt in diesem Jahr erneut über die Frankfurter Allee und Karl-Marx-Allee in Friedrichshain, da in Kreuzberg eine große Baustelle den gewohnten Weg blockiert. Mehr als 60 Gruppen präsentieren Tanz, Musik und Kostüme aus aller Welt. Die Polizei sperrt aus Sicherheitsgründen die umliegenden Straßen und stellt Poller oder Polizeifahrzeuge als Schutz vor Amokfahrten auf.
Trotz des Umzugs nach Friedrichshain hängen viele Besucher weiterhin am alten Standort Kreuzberg. Auch für die Gruppen und Veranstalter-Gremien sei es künftig „sehr wichtig“, nach Kreuzberg zurückzukehren, hieß es.
Straßenfest und Kinderkarneval
Eröffnet wird der Karneval der Kulturen am Freitag vor Pfingsten mit dem viertägigen Straßenfest am Blücherplatz in Kreuzberg. Es gibt vier Hauptbühnen und diverse Stände. Am Samstag startet der große Kinderkarneval in Kreuzberg mit einem Kostümumzug, an dem mehr als zehntausend Kinder teilnehmen, und einem Fest im Görlitzer Park. Mit dem Kinderkarneval wollen die Veranstalter auf Kürzungen und Geldmangel bei der Kinder- und Jugendarbeit und der Jugendkultur in der ganzen Stadt aufmerksam machen.
Ursprünge in der Werkstatt der Kulturen
Der Karneval der Kulturen hat seine Ursprünge in Kreuzberg und Neukölln im Jahr 1996. Als Reaktion auf Rassismus und zahlreiche Übergriffe sollte er ein Zeichen für Diversität und friedliches Miteinander setzen. Die Idee entstand in der Werkstatt der Kulturen, einem 1993 in Neukölln gegründeten Begegnungsort für die damals rund 500.000 Berliner mit Wurzeln in über 180 Nationen.
Der bunte Umzug lockt zu Pfingsten jedes Jahr hunderttausende Zuschauer an. Die Veranstalter bitten weiterhin um Spenden, um das Fest auch in Zukunft zu sichern.



