Streit um Bierausschank auf Auer Dult: Brauerei Brewsli kritisiert Vergabesystem als unfaire Praxis
Bierstreit auf Auer Dult: Brauerei kritisiert Vergabesystem

Tradition versus Innovation: Brauerei Brewsli scheitert mit Bewerbung für Auer Dult

Die Auer Dult in München steht wie kaum ein anderes Ereignis für jahrhundertealte Tradition und Kontinuität. Viele der Marktstände prägen seit Jahrzehnten das feste Bild des historischen Marktes, ob für Bürsten, Antiquitäten oder Keramikwaren. Gerade dieser zeitlose Charakter verleiht der Dult ihren besonderen Reiz, wobei große Veränderungen traditionell vermieden werden. Doch nun sorgt eine Absage für kontroverse Diskussionen: Die kleine Craftbrauerei Brewsli, die nur etwa 500 Meter von der Dult entfernt in der Auer Taubenstraße ihr Bier braut, darf keinen Stehausschank auf dem traditionsreichen Markt betreiben.

Frischer Wind versus etablierte Strukturen

Die Brewsli-Brauerei, die 2021 von Benjamin Saller gegründet wurde und zahlreiche Craftbiere sowie ein klassisches Münchner Helles produziert, hatte sich Mitte März mit einem kleinen Stehausschank für die anstehende Maidult beworben. In einem Social-Media-Beitrag betonte die Brauerei: "Tradition ist schön, aber neue Traditionen entstehen durch Veränderungen." Doch wenige Tage später wurde die Bewerbung offiziell abgelehnt. Beim Thema Bierausschank dominieren auf der Auer Dult seit langem die großen Münchner Brauereien Augustiner, Spaten und Paulaner, die gemeinsam mit etablierten Partnern wie der Fischer Vroni, der Feisingers Kas & Weinstub’n und der Heinz Wurst- und Hühnerbraterei große Ausschankflächen betreiben.

Kritik am Vergabesystem und Vorwurf des Biermonopols

Laut Benjamin Saller erfolgte die inoffizielle telefonische Begründung des zuständigen Wirtschaftsreferats, dass "mehr Bier nicht erwünscht ist". Schriftlich wurde hingegen auf ein Punktesystem verwiesen, bei dem Brewsli gegenüber einem Mitbewerber unterlegen gewesen sei. Das Vergabeverfahren läuft nach Sparten, wobei Brewsli kurioserweise mit einer bereits auf der Dult vertretenen Cocktailbar konkurrierte, die kein Bier ausschenkt, und nicht mit Festzelten oder Imbissbuden. Der Zuschlag ging entsprechend an diese Bar. Saller zeigte sich fassungslob und richtete kritische Worte an Wirtschaftsreferent Christian Scharpf (SPD): "Wie man sieht, bringt eine Bewerbung wenig, wenn man nicht einmal innerhalb der eigenen 'Sparte' konkurriert und Bier offenbar systematisch unerwünscht ist." Zudem sprach er von einem "Biermonopol" auf der Dult.

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Stellungnahme des Wirtschaftsreferats: Regeln und Traditionen

Auf Anfrage reagierte das Wirtschaftsreferat auf den Vorfall und widersprach der angeblichen telefonischen Aussage. Wirtschaftsreferent Scharpf erklärte: "Alkohol wird nur an einem Stehausschank pro Dult sowie in den drei Imbisshallen mit Sitzmöglichkeiten ausgeschenkt." Welches Bier in den Zelten angeboten wird, entscheiden dabei die Betreiber selbstständig – nicht die Stadtverwaltung. Bei der Auswahl des Stehausschanks kommt ein vom Münchner Stadtrat festgelegtes Punktesystem zur Anwendung, das Kriterien wie die Qualität und Attraktivität des Warenangebots sowie die Dauer der bisherigen Teilnahme an der Veranstaltung berücksichtigt. Scharpf betonte zudem grundsätzlich: "Bei der Auer Dult liegt das Augenmerk auf dem Warenverkauf." Es handle sich nicht um ein Volksfest, sondern um einen traditionellen Markt. Das Wirtschaftsreferat wies außerdem darauf hin, dass in der Vergangenheit und auch aktuell kleine regionale Brauereien in der Sparte Warenverkauf zugelassen wurden, beispielsweise das Standl von Haderner Bräu, das Bier in Flaschen zum Mitnehmen anbietet.

Ausblick und alternative Wege

Inzwischen sucht Benjamin Saller auf Instagram aktiv nach alternativen Räumlichkeiten für einen Brewsli-Stehausschank in München. Vielleicht gelingt es der innovativen Brauerei auf diesem Wege, frischen Wind in die Münchner Gastronomielandschaft zu bringen, auch wenn die traditionelle Auer Dult vorerst den etablierten Brauereien vorbehalten bleibt. Der Fall wirft grundsätzliche Fragen zur Balance zwischen Tradition und Innovation sowie zur Fairness von Vergabeverfahren bei historischen Veranstaltungen auf.

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