Restaurierung des Elisabethsteins in Güstrow: Verborgene Schrift wird sichtbar
Elisabethstein in Güstrow: Restaurierung beginnt

Die Restaurierung des historischen Elisabethsteins in den Güstrower Heidbergen hat begonnen. Der Steinmetzmeister Thomas Borgwardt setzte den Schriftenhammer mit dem Schrifteneisen an den Gedenkstein an, um eine verborgene Schrift wieder sichtbar zu machen. Die Spitze des Werkzeugs besteht aus Widia, einem Material, das härter als Diamant ist. Borgwardt muss ein etwa drei mal vier Zentimeter großes Stück aus dem Granitstein fräsen, da zwei der 148 Buchstaben und Zahlen – das „i.J.“ – ausgebrochen sind. Das Schrifteneisen frisst sich dabei ungefähr zweieinhalb Zentimeter tief in den Stein.

Herausforderung: Spröder Stein

„Allerdings ist der Stein spröde, nicht so hart wie von einem Granit erwartet“, schildert Thomas Borgwardt den Beginn der Restaurierung. Er hatte bereits erste Vorarbeiten ausgeführt. Sein Mitarbeiter Bernd Breuer reinigte den Stein schonend mit einer biologisch abbaubaren Lösung. Rund um den Elisabethstein wurden außerdem die Findlinge weggeräumt. Jetzt ist der Stein selbst an der Reihe. Borgwardt verwendet eine geprüfte Schriftenfarbe, die speziell für Steinmetze entwickelt wurde. Mehr könne man nicht machen, so der Experte. Die restlichen Arbeiten sollen in der Woche nach dem Herrentag folgen. Bis Pfingsten will Borgwardt mit feinster Handarbeit und bei ungestörter Umsetzung – das Wetter spielt immer mit – sein Werk vollbracht haben.

Feierliche Übergabe geplant

Danach wird der Kunst- und Altertumsverein (KAV), der das Projekt für und mit der Stadt als Beitrag zum 800-jährigen Bestehen des Doms in die Wege geleitet hat, einen Termin für das feierliche Zeremoniell der Fertigstellung festlegen. Vom 31. Mai bis 7. Juni findet die Festwoche zum Dom-Jubiläum statt. „In diesem Zeitfenster soll eine würdige Übergabe stattfinden“, erklärt KAV-Vorsitzender Dr. Arnold Fuchs.

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Bevor Thomas Borgwardt am Freitag seine Restaurierungsarbeit begann, berieten Arnold Fuchs, Sabine Paris von der Marketing-Abteilung der Barlachstadt sowie Alexander Schacht und Stephan Haß von der Unteren Denkmalschutzbehörde des Landkreises die letzten Details. Bei diesem Vor-Ort-Termin ging es nochmals um die Restaurierungsarbeiten am Gedenkstein, aber auch um die Umfeld-Gestaltung. Die erfolgt so, dass die entfernten Steine nicht wieder platziert werden. Arnold Fuchs: „Der Gedenkstein soll frei stehend bleiben und somit voll zur Geltung kommen.“

Doppelter Denkmalschutz

Alexander Schacht unterstrich, dass der Elisabethstein doppelt geschützt ist. Als Gedenkstein von 1883 steht er unter Denkmalschutz und ist auch ein Bodendenkmal. „Wahrscheinlich war der Stein Teil eines Großsteingrabes. Woher er geholt wurde, wissen wir nicht. Auch gibt es keine Fotografien. Die letzten Bilder stammen aus den 1990er-Jahren. Fakt ist jedoch, dass der Elisabethstein in mehrfacher Hinsicht ein historisches Stück von großer Bedeutung ist.“

Im Anschluss an den Vor-Ort-Termin lieferte Alexander Schacht von der Denkmalschutzbehörde noch einen wichtigen Hinweis zum Schriftfeld des Steins. Beim Vergleich von Fotos mit der Transkription der Inschrift fiel ihm eine Unstimmigkeit auf. Es muss „Prinzessin“ heißen, wobei das zweite „s“ ursprünglich als spitzes ſ eingemeißelt worden war, später aber in ein rundes „s“ verwandelt wurde und daher sehr gequetscht aussah. Alexander Schacht: „Ich weiß nicht, ob die Korrektur alt ist und sich der Steinmetz damals verhauen hat oder ob die Veränderung lediglich später mit Farbe ausgeführt wurde. Das müsste man noch einmal prüfen.“

Wildobst statt Tannen

Zuvor haben Schülerinnen des John-Brinckman-Gymnasiums zum Abschluss ihrer Projekttage im Kursus „Regionalgeschichte“, in denen es rund um Herzogin Elisabeth und ihren Stein ging, zwei Wildobst-Bäume in der Nähe gepflanzt. Sie erinnerten damit an Elisabeth von Dänemark und Norwegen, die 1573 durch Domschüler in den Heidbergen Tannensamen aussäen ließ, weil der Hügel kahl war.

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Angelika Schmiegelow Powell ist die Initiatorin der Restaurierung und feiert am 28. Mai ihren 91. Geburtstag. Die gebürtige Güstrowerin floh in den 1950er-Jahren in den Westen, wanderte dann in die USA aus und kehrte nach der Wende für einige Jahre in ihre Heimatstadt zurück. Ihr kam der Gedanke, dass sich Güstrower Domschüler um die Renovierung dieses wichtigen Denkmals kümmern sollen. Sie suchte und fand viele Verbündete. Was Angelika Schmiegelow Powell wollte, steht nun kurz davor, wahr zu werden.