Was für ein Abend im Capitol in Schwerin! Bereits der Auftakt des Konzerts der Armin Mueller-Stahl-Band war mehr als ungewöhnlich. In dem Moment, als der Schauspieler und Ehrenpreisträger den bis auf den letzten Platz gefüllten Saal betrat, erhob sich das Publikum spontan und ehrfürchtig von den Plätzen. So gab es schon ganz am Anfang Standing Ovations für den Künstler.
Ehrenplatz direkt unter der Bühne
Armin Mueller-Stahl hatte sich eigentlich gewünscht, das seit Wochen ausverkaufte Comeback-Konzert seiner Band bequem vom Sessel aus zu genießen. Doch auf Einladung seines Freundes Günther Fischer nahm er im ersten Teil des Abends dann doch direkt unter der Bühne Platz. Er bereicherte die Musiker mit einem Vortrag, der sein Talent als Sänger und Schauspieler eindrucksvoll bestätigte.
Ursprünglich war geplant, das Konzert mit zwei Instrumental-Nummern zu beginnen. Auf Wunsch des Ehrengastes gab es eine Programmänderung: So erklang zu Beginn das bekannte Motiv aus dem DEFA-Kultfilm Solo Sunny. Ein Evergreen aus der Feder von Komponist Günther Fischer, der die melancholische Atmosphäre des Films von 1980 geprägt hat.
Poetische und musikalische Höhepunkte
Nach zwei virtuosen Instrumental-Passagen trug Mueller-Stahl mit Klavierbegleitung eine anrührende Variation seines Gedichts Der Gaukler vor. Seit Jahrzehnten nutzt er das Motiv des Gauklers als Ausdruck seiner vielseitigen künstlerischen Tätigkeiten. Über sich selbst sagt er: „Musik, Literatur und Malen sind wichtige Dinge in meinem Leben. Musik kann dich befreien, gibt dir mehr Raum als jede andere Kunst.“
Diese besondere Kraft der Musik war an dem Abend in jeder Sekunde spürbar. Günther Fischer an Piano und Saxofon, Tobias Morgenstern am Akkordeon und Tom Götze am Kontrabass boten eine Weltklasse-Performance, die höchste Kompositionskunst mit der Freiheit der Improvisation verband. Momente wie die feine Villon-Vertonung Im Sommer war das Gras so tief, das Chanson Sagst mir lächelnd ins Gesicht und das melancholische Bild aus Kindertagen zeigten die seltene Kunst des Ensembles.
Vom „Kinoerzähler“ zur legendären „Blauen Kuh“
Das Trio erinnerte mit dem Soundtrack aus Der Kinoerzähler an einen besonderen Film in der Karriere von Mueller-Stahl. Zum Abschluss erklang nach einer längeren Version von Solo Sunny auch die legendäre Blaue Kuh in einer Instrumentalversion – zu Ehren eines Künstlers, der den Jahrgang des Schweriner Filmfestivals prägen dürfte wie kein Ehrengast zuvor.



