Wittenberge: KSTW vor Neustrukturierung – Optionen für die Zukunft
Wittenberge: KSTW vor Neustrukturierung – Optionen

Der Kultur-, Sport- und Tourismusbetrieb (KSTW) der Stadt Wittenberge bleibt ein Zuschussgeschäft: Über 1,8 Millionen Euro Defizit sieht der Haushaltsplan des städtischen Eigenbetriebs für 2026 vor. Viel Geld für eine Stadt, die ohnehin in den roten Zahlen steckt und im aktuellen Haushalt bereits deutlich sparen muss. Der neue Werkleiter Ernst Volkhardt, zugleich Geschäftsführer der Landesgartenschau-Gesellschaft, macht sich daher grundsätzlich Gedanken über die künftige Struktur des KSTW.

Sind die Strukturen noch zeitgemäß?

Der Eigenbetrieb vereint mehrere Einrichtungen unter einem Dach: Das Kultur- und Festspielhaus (KFH) gehört ebenso dazu wie das Stadtmuseum „Alte Burg“, die Bibliothek, das Ernst-Thälmann-Stadion sowie die Prignitzer Badewelt und das Freibad Friedensteich, die allerdings beide von einem privaten Unternehmen betrieben werden. Weiterhin gehören der Bootsanleger in Hinzdorf, der Sportbootanger am Nedwighafen und die Touristinfo am Paul-Lincke-Platz dazu.

Für Werkleiter Volkhardt steht fest: „Die Struktur eines Eigenbetriebs ist nicht wirklich geeignet.“ Er wünscht sich für die Zukunft mehr Flexibilität und Freiheiten, die er derzeit nicht habe. Denn die Mitarbeiter des Eigenbetriebs KSTW sind Angestellte im Öffentlichen Dienst mit entsprechenden Arbeitszeitregelungen. So müssen etwa die Preislisten für die jeweiligen Einrichtungen einzeln von der Stadtverordnetenversammlung genehmigt werden. Daher wünscht sich Volkhardt mehr Eigenständigkeit bei Finanzen und Personal, etwa was Dienstpläne und Arbeitszeiten betrifft.

Breites Pickt-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App für Telegram

Laga-Tochtergesellschaft könnte übernehmen

Im aktuellen Haushaltsplan hat er daher den Abgeordneten einige Anregungen ins Stammbuch geschrieben, die jetzt in den Gremien – insbesondere dem Werksausschuss KSTW der Stadtverordnetenversammlung – diskutiert werden sollen. „Eine Weiterentwicklung zu einer kommunalen GmbH wäre hierbei eine Option, die es zu untersuchen gilt“, heißt es dort unter anderem.

Eine entsprechende Struktur gäbe es bereits: Im vergangenen Jahr wurde die LAGA Tourismus Wittenberge GmbH neu gegründet. Sie ist derzeit eine Tochtergesellschaft der Landesgartenschau 2027 Wittenberge gGmbH, die für die Durchführung der Laga im kommenden Jahr zuständig ist. Die LAGA Tourismus GmbH hat bereits den Betrieb und die Vermarktung des Nedwighafens übernommen, wo derzeit im ehemaligen Restaurant „Fährmann“ ein neues Lokal sowie eine Anlaufstelle für Campinggäste entstehen. Mit dem Projekt „elbwärts.455“ entsteht hier ein neues Hafenquartier zum Verweilen und Treiben, Gastronomie und Stellplätzen für Wohnmobile. Die Zahl „455“ steht dabei für die Elbkilometer.

Ausschussvorsitzender will sich Zeit für Debatte nehmen

Auch der Betrieb des Wasserturms und der angrenzenden Trinkhalle soll – über die Laga hinaus – durch die Gesellschaft erfolgen. Weitere Aufgaben, die bisher der KSTW übernimmt, könnten hinzukommen. „Das ist aber nur eine Variante“, betont Stadtsprecher Martin Ferch auf Anfrage unserer Redaktion. Derzeit gebe es Überlegungen, wie eine künftige Struktur aussehen könnte. Das müsse allerdings nicht bedeuten, dass es künftig keinen städtischen Eigenbetrieb mehr geben wird. Womöglich werden nur bestimmte Aufgaben an die kommunale Gesellschaft übertragen.

Einen Zeitplan für die Schaffung neuer Strukturen gibt es indes noch nicht. Der Werksausschuss KSTW habe jetzt mit dem Vorliegen des aktuellen Wirtschaftsplanes damit begonnen, sich mit dieser Frage zu beschäftigen, so der Ausschussvorsitzende Marcel Elverich (SPD) auf Anfrage. „Wir werden uns die Vor- und Nachteile künftiger Strukturen anschauen müssen.“ Für Elverich ist nach eigenen Angaben wichtig, dass der Werksausschuss ausreichend Zeit hat, sich mit dem Thema zu beschäftigen und die Diskussion zu moderieren. „Das ist eine politische Diskussion, und die muss auch geführt werden. Die Politik muss sich eine Ansicht machen können. Im Zweifelsfall hat dieser Beschluss eine Tragweite. Deshalb möchte ich, dass jeder auch weiß, was er da beschließt.“

Dabei gelte es auch, mögliche Bedenken der Arbeitnehmer mitzunehmen. Oberstes Ziel sei, Strukturen zu erhalten. „Das muss das oberste Ziel sein, dass wir keine Lebensqualität verlieren und unsere Strukturen, die wir schwer erkämpft haben, auch weiter erhalten.“

Pickt After-Article-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App mit Familien-Illustration