Bauhausmuseum präsentiert Spurensuche nach den Rohstoffen der Moderne
Die Stiftung Bauhaus Dessau hat eine faszinierende Ausstellung eröffnet, die tief in die Materialgeschichte der modernen Architektur eintaucht. Unter dem Titel "Soda, Linsen, Fluff" zeigt die Berliner Künstlerin Antje Schiffers ihre künstlerische Recherche zu den Grundstoffen des Bauens.
Von Dessau bis Kuba: Eine globale Materialreise
Antje Schiffers begab sich auf eine außergewöhnliche Reise, die von Sachsen-Anhalt bis nach Kuba führte. Ihr Ziel war es, die ursprünglichen Quellen jener Rohstoffe zu dokumentieren, die die moderne Baukultur überhaupt erst ermöglicht haben. Diese Expedition verfolgt nicht nur geografische, sondern auch historische Spuren, erklärt die Kuratorin der Ausstellung.
Ein zentrales Werk der Schau ist das Gemälde "Zementwerk 'Karl Marx'" aus dem Jahr 2025. Dieses Bild wird nicht konventionell präsentiert, sondern an speziellen Holzregalen ausgestellt, die aus der Trocknung der alten Ziegelei in Westeregeln im Salzlandkreis stammen. Diese Präsentationsform unterstreicht den materiellen Charakter der gesamten Ausstellung.
Künstlerische Auseinandersetzung mit Produktion und Materialität
Während vor 1989 das Motto "Künstler in die Produktion" galt, verfolgt Antje Schiffers heute einen umgekehrten Ansatz: "Künstler der Produktion hinterher". Ihre Arbeit untersucht nicht nur die Baumaterialien selbst, sondern auch die wirtschaftlichen und sozialen Bedingungen ihrer Gewinnung und Verarbeitung.
Die Ausstellung thematisiert mehrere zentrale Aspekte:
- Die Herkunft und Gewinnung von Baumaterialien
- Die wirtschaftlichen Zusammenhänge der Bauindustrie
- Die ökologischen und sozialen Folgen der Materialproduktion
- Die künstlerische Transformation industrieller Prozesse
Eine Reflexion über das Bauen und seine Grundlagen
Schiffers' Werk geht über die reine Materialbetrachtung hinaus. Sie erforscht, was zum neuen Bauen benötigt wird – sowohl die physischen Mittel als auch die finanziellen Ressourcen. Ebenso wichtig ist ihr die Frage, was von diesen Prozessen übrig bleibt: Abfallprodukte, veränderte Landschaften und soziale Spuren.
Die Ausstellung im Bauhaus Museum Dessau bietet somit eine vielschichtige Reflexion über die Grundlagen unserer gebauten Umwelt. Sie verbindet künstlerische Praxis mit materialgeschichtlicher Forschung und schafft so einen einzigartigen Dialog zwischen Vergangenheit und Gegenwart der Baukultur.



