Weltfrauentag in Hamburg: Bühnensturm bei Alice-Schwarzer-Lesung nach Protesten
Am Weltfrauentag, dem 8. März 2026, lud das Schauspielhaus Hamburg die Autorin und Publizistin Alice Schwarzer zu einer Lesung ein. Die Veranstaltung der 83-jährigen Feministin, die seit Jahrzehnten polarisiert, blieb nicht ohne Zwischenfälle und führte zu massiven Störungen durch Protestierende.
Mehrfache Bühnenstürme erzeugen Tumult im Malersaal
Während der Lesung im Malersaal des Schauspielhauses stürmten Demonstrierende mehrfach auf die Bühne, riefen ins Publikum und erzeugten einen lauten Tumult. Im Saal herrschten Buh-Rufe, Gereiztheit und verhärtete Fronten zwischen Befürwortern und Gegnern der Autorin. Alice Schwarzer saß während der Proteste weiterhin auf der Bühne und wartete die Unruhen ab. Später kommentierte sie die Situation mit den Worten: "Wir sind da, um voneinander zu hören, uns auszutauschen. Wir müssen überhaupt nicht einer Meinung sein."
Lautstarke Proteste vor dem Schauspielhaus
Bereits vor Beginn der Lesung hatten sich mehr als hundert Menschen vor dem Schauspielhaus Hamburg versammelt, um lautstark gegen die Veranstaltung zu protestieren. Sie hielten Banner hoch und warfen Alice Schwarzer transfeindlichen, rassistischen und ausgrenzenden "Radikalfeminismus" vor. Die Protestierenden kritisierten insbesondere ihre Positionen zu Transidentität und Sexarbeit, die sie als diskriminierend und biologistisch empfinden.
Offener Brief von 340 Theatermachern
Die Einladung an Alice Schwarzer war im Vorfeld von 340 Theatermacherinnen und -machern in einem offenen Brief scharf kritisiert worden. Sie forderten das Schauspielhaus auf, die Lesung abzusagen. Im Brief hieß es konkret, Schwarzer positioniere sich gegen das Selbstbestimmungsgesetz, beharre auf veralteten Geschlechterbildern und diskreditiere Transidentität als "Trend" oder "Freizeitvergnügen". Zudem wurde ihr vorgeworfen, teils "in AfD-Manier" zu argumentieren, wenn sie vor angeblichen Gefahren für Kinder und Jugendliche warne.
Schauspielhaus verteidigt Entscheidung für Meinungsvielfalt
Das Hamburger Schauspielhaus hielt trotz der Proteste und des offenen Briefs an der Lesung fest. In einer Stellungnahme betonte das Haus, dass Alice Schwarzer seit 50 Jahren zu vielen Themen Stellung beziehe und es problematisch sei, sie auf einzelne Positionen zu reduzieren. "Alice Schwarzer ist eine streitbare und streitfreudige Person", so das Theater. Vor allem sei sie jemand, "die nicht nur die Debatte sucht, sondern sich Diskussionen auch stellt". Meinungsvielfalt sei essenziell für die Demokratie, und man wolle ihr nicht den Mund verbieten.
Lesung mit anschließender Diskussion
Alice Schwarzer las vor etwa hundert Besucherinnen und Besuchern aus ihrem neuen Buch "Feminismus pur. 99 Worte". Anschließend führte sie ein Gespräch mit der Schauspielerin Nina Gummich und beantwortete Fragen aus dem Publikum. Die Autorin, die auch Gründerin der Zeitschrift "Emma" ist, gilt für viele als Symbol der westdeutschen Emanzipationsgeschichte, während sie für andere zur Reizfigur geworden ist – nicht nur wegen ihrer Zuspitzungen, sondern auch aufgrund ihrer politischen Fixierungen.
Kontroverse Positionen und gesellschaftliche Debatte
Die aktuelle Debatte um Alice Schwarzer spiegelt tiefgreifende gesellschaftliche Konflikte wider. Ihre Äußerungen, etwa im SPIEGEL-Spitzengespräch, wo sie eine mögliche Kanzlerschaft der AfD-Politikerin Alice Weidel als "ermutigendes" Zeichen für Frauen bezeichnete, sorgen für weitere Kontroversen. Das Schauspielhaus argumentierte, dass manche Thesen Schwarzers in der Gesellschaft kursierende Aussagen widerspiegelten und daher diskutiert werden sollten – auch wenn man ihnen widersprechen könne.



