Vom „Brat“-Sommer zur Berlinale: Charli xcx wird zum Filmstar
Der Sommer 2024 war in einem grellen Neongrün getaucht – dank des Albums „Brat“ der britischen Sängerin Charli xcx. Das Werk prägte wochenlang die Pop- und Internetkultur und wurde zu einem internationalen Phänomen. Obwohl der Sommer längst vorbei ist, gehört die 33-jährige Musikerin zu den größten Stars der diesjährigen Berlinale. Hier stellte sie ihren neuen Film „The Moment“ vor, eine scharfe Satire auf das Musikgeschäft, die am 19. Februar in die Kinos kommt.
Fans in Grün und ein roter Teppich voller Hype
Vor der Premiere warteten zahlreiche Fans stundenlang in der Kälte am roten Teppich, um Fotos mit dem Popstar zu machen oder ein Autogramm zu ergattern. Viele waren in „Brat“-grün gekleidet oder hatten sich sogar die Haare in der Signalfarbe gefärbt – ein deutliches Zeichen für die anhaltende Faszination, die von dem Album ausgeht. In Großbritannien ernannte das Collins Dictionary den Begriff „Brat“ sogar zum Wort des Jahres, da er für eine selbstbewusste, unabhängige und hedonistische Haltung steht und sowohl Selbstakzeptanz als auch Rebellion symbolisiert.
„The Moment“: Eine Satire, die die Absurditäten der Musikbranche entlarvt
Der Film von Regisseur Aidan Zamiri knüpft direkt an den „Brat“-Hype an. Er zeigt, wie ein Plattenlabel versucht, den Erfolg möglichst lange auszunutzen, indem es einen Konzertfilm plant. Doch der Regisseur, gespielt von Alexander Skarsgård, mischt sich zunehmend in die Tourplanung ein und bevorzugt eine Hochglanz-Glitzer-Ästhetik anstelle der dreckigen Club-Atmosphäre, die Charli xcx eigentlich auszeichnet.
Im Film spielt die Sängerin sich selbst und gerät in eine Sinnkrise, als sie die peinlichen („cringe“) Aspekte des Geschäfts erlebt. Sie flüchtet nach Ibiza, trifft dort Kylie Jenner (die ebenfalls sich selbst spielt) und wird mit absurden Situationen konfrontiert – von Meetings in Autorücksitzen bis hin zu einem außer Kontrolle geratenen Werbedeal für eine Kreditkarte. Der Film ist witzig, weil er hinter die Kulissen blickt und die Heuchelei des Showgeschäfts bloßstellt, etwa wenn plötzlich ein großes Aufsehen darum entsteht, dass sie stehen soll („She's gonna be standing“), oder wenn Menschen superfreundlich tun, nur um dann keinerlei Wünsche zu berücksichtigen.
Musikindustrie im Wandel: Von Plattenverkäufen zu Streaming und anderen Geldquellen
Interessant ist die Satire auch, weil sie auf überdrehte Art thematisiert, wie sich die Musikbranche verändert hat. Während es früher darum ging, im Radio gespielt zu werden und Platten zu verkaufen, verdienen Musikstars heute schwer Geld mit Streamingdiensten und sind auf zusätzliche Einnahmequellen angewiesen. Charli xcx sagte der Deutschen Presse-Agentur, dass sie reale Erfahrungen aus ihrer Karriere in den Film einfließen ließ: „Ich wurde so oft von Leuten aus der Branche angesprochen, die mir sagten, ich solle meine Frisur ändern, weil sie zu unordentlich aussieht, und ich solle mehr lächeln, wenn ich erfolgreich sein wolle.“
Die Entscheidungen im Film basieren zwar nicht auf realen Ereignissen, aber, wie die Sängerin erklärt, „es sind Entscheidungen, die ich leicht hätte treffen können“. Besonders beschäftigt sie im Film das Gefühl, von verschiedenen Menschen in viele Richtungen gezogen zu werden, was zu Selbstzweifeln als Mensch und Künstler führt. In einer selbstironischen Szene zeigt sie sich im Spa neben der vermeintlich perfekten Kylie Jenner verschwitzt und mit roten Flecken, nachdem eine Heilerin ihr aufgrund ihres Alters und ihrer „unelastischen Haut“ einen Abstieg prophezeit hat.
Meta-Ebene und Frauenfeindlichkeit: „The Moment“ stellt kritische Fragen
„The Moment“ setzt sich auf Meta-Ebene mit dem Musikgeschäft auseinander und stellt Fragen nach Authentizität, den Machern hinter der Maschinerie und der anhaltenden Frauenfeindlichkeit in der Branche. Am Ende lässt Charli xcx im Film das „Brat“-Phänomen sterben und erklärt: „Für mich ist es vorbei.“ Der Film ist nicht nur eine unterhaltsame Satire, sondern auch eine lehrreiche Auseinandersetzung mit den Herausforderungen, denen Künstlerinnen heute gegenüberstehen.



