Legendärer DDR-Film "Daniel Druskat" war nach nur einem Jahr verboten
Der Fünfteiler "Daniel Druskat" gilt als eine der bedeutendsten Fernsehserien der DDR in den 1970er-Jahren. Mit Starbesetzung, darunter Manfred Krug, Angelica Domröse und Hilmar Thate, begeisterte er das Publikum, doch bereits nach einem Jahr landete er auf dem Index. Die Dreharbeiten im mecklenburgischen Dorf Buchholz an der Müritz hinterließen bleibende Erinnerungen bei den Bewohnern.
Überraschender Drehbeginn im August 1974
Achim Berkholz, heute 73 Jahre alt, erinnert sich lebhaft an einen Sonntagnachmittag Ende August 1974. Zwei Wolgas mit Berliner Kennzeichen fuhren auf den Hof seiner Familie in Buchholz, südlich der Müritz. Ein Mittvierziger, der sich später als Regisseur Lothar Bellag herausstellte, trat entschlossen an die Eltern Erika und Werner Berkholz heran: "Wir wollen bei Ihnen einen Film drehen, einen Film über die Landwirtschaft." Bellag hatte den Dreiseitenhof als Drehort für den Hof von Max Stephan auserkoren, gespielt von Manfred Krug in der Serie "Daniel Druskat", die ab dem 12. April 1976 erstmals ausgestrahlt wurde.
Die Familie war perplex, denn niemand hatte sie vorab informiert. "Hätte mein Vater gewusst, welcher Film gedreht werden sollte, hätte er wohl nicht zugestimmt", sagt Achim Berkholz. Sein Vater Werner war ein privater Bauer, der unter Druck Mitglied der Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaft (LPG) geworden war, ein Thema, das im Roman von Helmut Sakowski und der Serie aufgegriffen wurde.
Dreharbeiten mit prominenten Gästen
Im März 1975 rückte eine 30- bis 40-köpfige Filmcrew auf dem Hof an, darunter Schauspielstars wie Angelica Domröse, Hilmar Thate, Ursula Karusseit, Manfred Krug, Angelika Waller und Käthe Reichel. Für sechs Monate wurden die Darsteller fast zu Familienmitgliedern. Besonders Mutter Erika Berkholz und Tante Anni waren beliebt, wenn es um zusätzliche Mahlzeiten ging. Manfred Krug hinterließ mit Anekdoten bleibende Eindrücke, etwa als er nach einem Streit mit Regisseur Bellag in die Küche stürmte und rief: "Tante Anni, ich muss jetzt erst einmal einen Schnaps trinken."
Während der Dreharbeiten verliebten sich Angelica Domröse und Hilmar Thate ineinander, was später zu ihrer Heirat führte. Thate zeigte auch Interesse am Familienpferd, das er regelmäßig besuchte. Die Dreharbeiten brachten Veränderungen für Buchholz: Die Dorfstraße erhielt einen neuen Belag, das Berkholz-Haus wurde neu verputzt, und das Wohnzimmer bekam eine exklusive Tapete.
Medienecho und plötzliches Verbot
Die Medien berichteten ausführlich über "Daniel Druskat", mit Artikeln in Zeitschriften wie "FF dabei" und "NBI". Regionalzeitungen wie die "Freie Erde" lobten die Serie als "erregende Geschichte, erzählt mit soliden handwerklichen Mitteln". Nach der Erstausstrahlung im April 1976 und einer Wiederholung im September desselben Jahres verschwand die Serie jedoch abrupt aus dem Programm. Im Kontext der Proteste gegen die Ausbürgerung des Sängers Wolf Biermann 1976 verließen Manfred Krug, Angelica Domröse und Hilmar Thate die DDR, und "Daniel Druskat" wurde indiziert.
Erst im Dezember 1989, nach dem Fall der Mauer, wurde die Serie wieder im DDR-Fernsehen ausgestrahlt. Heute ist der Fünfteiler auf DVD erhältlich, aber zum 50. Jubiläum 2026 nicht im linearen Fernsehen zu sehen, wie Anfragen bei Sendern wie NDR und RBB ergaben. Achim Berkholz und seine Schwestern verkauften den Hof 2017, doch die Erinnerungen an die Dreharbeiten und die Stars bleiben lebendig.



