Nachlass der DDR-Kochbuchautorin Ursula Winnington nun im Deutschen Archiv der Kulinarik
Die Sächsische Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek Dresden (SLUB) hat einen bedeutenden kulinarischen Schatz erhalten: Der umfangreiche Nachlass der DDR-Kochbuchautorin Ursula Winnington ist künftig im Deutschen Archiv der Kulinarik für Forschung und Öffentlichkeit zugänglich. Tochter Maraike Wittbrodt und Enkelin Lilly Böhm übergaben die Sammlung als Schenkung an die Bibliothek.
Die Koch-Queen des Ostens und ihr Vermächtnis
Ursula Winnington, die im Mai 2015 im Alter von 96 Jahren in Berlin verstarb, galt als Koch-Queen des Ostens. Sie veröffentlichte mehr als 1.250 Rezepte in acht Kochbüchern und zahlreichen Zeitschriftenkolumnen. Besonders bekannt wurde sie durch ihre monatliche Seite „Liebe, Phantasie und Kochkunst“ in der begehrten DDR-Zeitschrift „Das Magazin“.
Ihr letztes Buch erschien 2012 und enthielt Rezepte wie Mecklenburger Götterspeise und französisches Boeuf Bourguignon. Winningtons Werke zeichneten sich durch charmante kulturhistorische Ausflüge aus und prägten eine ostdeutsche Lebensart, die gängige Bilder bereichert.
Umfangreiche Sammlung mit historischen Schätzen
Der Nachlass umfasst eine beeindruckende Vielfalt an Materialien:
- Eine mehr als 150 Bücher umfassende Kochbuch- und Arbeitsbibliothek
- Ein handschriftliches Kochbuch ihrer Großmutter aus dem 19. Jahrhundert, das Winningtons Kochleidenschaft weckte
- Zahlreiche Publikationen seit 1964 aus Zeitschriften wie „Das Magazin“, „Guter Rat“ und „Sibylle“
- Leserbriefe und umfangreiche Korrespondenz aus den Jahren 1971 bis 1999
Besonders interessant ist die Korrespondenz mit dem VEB Exzellent Dresden, dem Hersteller der beliebten Worcestersauce, die Einblicke in die DDR-Lebensmittelindustrie bietet.
Bedeutung für Forschung und Öffentlichkeit
„Das Archiv ist eine bedeutende Quelle für vielfältigste Forschung und hochinteressant für Freundinnen und Freunde der schönen Kunst des Kochens“, betonte Enkelin Lilly Böhm. Ihrer Großmutter hätte es besonders gefallen, dass ihr Nachlass nun neben denen des DDR-Fernsehkochs Kurt Drummer und des deutschen Gastronomiekritikers Wolfram Siebeck verwahrt wird.
Katrin Stump, Generaldirektorin der SLUB, unterstrich die Bedeutung der Schenkung: „Mit der Schenkung können wir weitere bedeutende Zeugnisse zur Geschichte der Kochkunst der DDR aufnehmen.“ Das Deutsche Archiv der Kulinarik wurde 2022 gemeinsam mit der Technischen Universität Dresden gegründet und sammelt wichtige Dokumente zur deutschen Küchengeschichte.
Zugänglichmachung und Präsentation
Der Nachlass wird nun bibliothekarisch erschlossen und für die wissenschaftliche Recherche zugänglich gemacht. Die Bücher sollen zudem im „FoodStudio“ der SLUB Dresden öffentlich präsentiert werden. Diese Maßnahmen gewährleisten, dass Winningtons kulinarisches Erbe nicht nur bewahrt, sondern auch lebendig gehalten wird.
Die Sammlung bietet einzigartige Einblicke in die DDR-Alltagskultur, Kochtraditionen und die Entwicklung der deutschen Küche im 20. Jahrhundert. Für Forschende, Kochbegeisterte und Geschichtsinteressierte eröffnet sich damit ein faszinierender Blick auf eine besondere Epoche der deutschen Kulinarik.



