Berlinale unter Beschuss: Filmschaffende kritisieren mangelnde Positionierung zum Gaza-Krieg
Filmschaffende kritisieren Berlinale zu Gaza-Krieg

Internationale Filmschaffende attackieren Berlinale wegen Gaza-Haltung

Die Berlinale, eines der weltweit bedeutendsten Filmfestivals, steht aktuell im Zentrum einer heftigen Kontroverse. Rund 80 international renommierte Filmschaffende haben in einem offenen Brief, der im Branchenblatt Variety veröffentlicht wurde, der Berlinale eine unzureichende Positionierung zum Gaza-Krieg vorgeworfen. Zu den prominenten Unterzeichnern gehören die Oscar-prämierte Schauspielerin Tilda Swinton, die bekannte Fotokünstlerin Nan Goldin und der spanische Schauspieler Javier Bardem.

Vorwurf des institutionellen Schweigens

In dem Schreiben äußern die Künstlerinnen und Künstler ihre Entrüstung über das institutionelle Schweigen der Berlinale zum Völkermord an den Palästinensern. Sie kritisieren dabei besonders, dass sich das Festival zu anderen internationalen Konflikten wie den Gräueltaten im Iran und in der Ukraine deutlich positioniert habe, während es zum Gaza-Krieg keine vergleichbare Stellungnahme abgegeben habe.

Israel bestreitet die Vorwürfe eines Völkermords im Gazastreifen entschieden – eine Position, die auch von der deutschen Bundesregierung geteilt wird. Vor dem Internationalen Gerichtshof in Den Haag läuft derzeit eine von Südafrika eingereichte Völkermord-Klage gegen Israel, deren Ausgang und zeitlicher Rahmen noch ungewiss sind.

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Politische Tradition der Berlinale

Die Internationalen Filmfestspiele Berlin haben sich traditionell als besonders politisches Festival positioniert. Bereits in der Vergangenheit war der Nahostkonflikt regelmäßig Thema bei der Berlinale. So wurde das Festival nach der Abschlussgala 2024 dafür kritisiert, dass einzelne Preisträger das Vorgehen Israels im Gazastreifen massiv kritisiert hatten, ohne dabei den Terrorangriff der islamistischen Hamas vom Oktober 2023 zu erwähnen. Diese Debatte eskalierte damals bis hin zu Vorwürfen von Antisemitismus.

Kontroverse um Wim Wenders' Aussagen

Die aktuelle Kontroverse wurde zusätzlich durch Aussagen von Jurypräsident Wim Wenders angeheizt. Bei einer Pressekonferenz hatte der deutsche Regisseur betont, dass Filmschaffende ein wichtiges Gegenwicht zur Politik darstellen würden. Diese Position stieß auf scharfe Kritik, unter anderem von der indischen Schriftstellerin Arundhati Roy, die daraufhin ihre Teilnahme an der Berlinale absagte. Auch im aktuellen offenen Brief wird Wenders' Aussage ausdrücklich kritisiert.

Festivalleitung verteidigt Haltung

Berlinale-Chefin Tricia Tuttle stellte sich am Wochenende hinter den Jurychef und die Künstler des Festivals. In einem ausführlichen Statement betonte sie, dass bei der Berlinale freie Meinungsäußerung stattfinde und viele der teilnehmenden Filmschaffenden einen tief verwurzelten Respekt vor der Würde jedes Menschen hätten.

Wir glauben nicht, dass es unter den hier vertretenen Filmschaffenden jemanden gibt, dem gleichgültig wäre, was in dieser Welt geschieht – jemanden, der die Rechte, das Leben oder das immense Leid der Menschen in Gaza und im Westjordanland, in der Demokratischen Republik Kongo, im Sudan, im Iran, in der Ukraine, in Minneapolis und an einer erschreckend großen Zahl weiterer Orte nicht ernst nähme, schrieb Tuttle in ihrer Stellungnahme.

Die Festivalleiterin verwies darauf, dass die Berlinale als Plattform für vielfältige Stimmen und Perspektiven diene, ohne dabei eine einheitliche politische Linie vorgeben zu wollen. Die Debatte zeigt erneut, wie sehr sich die Berlinale als politisches Festival versteht und wie kontrovers diese Rolle in der internationalen Filmszene diskutiert wird.

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