Am S-Bahnhof Lütten Klein in Rostock ist eine besondere Open-Air Galerie entstanden. 25 Sprayer-Teams haben am Samstag 21 Graffitis auf die Rampe des Bahnhofs gesprüht. Organisiert wurde das Stadtteilprojekt vom Verein Stadtgespräche in Zusammenarbeit mit Jugend- und Sozialarbeitern. Die Stadt Rostock war von Anfang an beteiligt und unterstützte das Vorhaben.
Graffiti-Künstler aus fünf Stadtteilen
Die Vorbereitungen dauerten drei Monate, wie Kristina Koebe vom Verein Stadtgespräche berichtet. Ziel war es, mindestens zwei Graffiti-Künstler aus jedem der fünf umliegenden Stadtteile Evershagen, Lütten Klein, Schmarl, Lichtenhagen und Groß Klein zu gewinnen. Interessierte konnten sich online mit einer Skizze oder Idee auf einen der 21 Plätze bewerben. Das Tiefbauamt Rostock erwies sich als kooperativer Partner. Die Stadt hatte ursprünglich einen teuren Graffitischutz an der Rampe erwogen, unterstützte aber die Idee der Graffiti-Galerie sofort. Das Amt übernahm die Materialkosten von rund 2000 Euro und bereitete die Flächen vor, inklusive notwendiger Absperrungen.
Bürokratie als Hürde für Sprayer
Kristina Koebe betont, dass der Prozess erstaunlich unbürokratisch verlief. Allerdings kennt sie sich beruflich mit Fördermitteln und Bürokratie aus. Der erfahrene Sprayer Cosmo Colors berichtet, dass er bei dem Versuch, legale Wände für Graffiti zu beantragen, oft an bürokratischen Hürden gescheitert sei. „Da war nirgends böser Wille dabei“, sagt er. „Aber wir Kinder von der Straße, wir scheitern oft schon an der Sprache. Wir kennen uns damit eben einfach nicht aus.“ Er lobt das Engagement von Stadtgespräche.
Legale Wände für Graffiti in jedem Stadtteil?
Kristina Koebe hofft, dass das Projekt gut angenommen wird und ähnliche Aktionen auch in anderen Rostocker Stadtteilen folgen könnten. In der kommenden Bürgerschaft soll ein Antrag der CDU-Fraktion zu „Legal Walls“ diskutiert werden, also zu Wänden, die legal für Graffiti genutzt werden dürfen. Parallel läuft eine Petition, die legale Wände in jedem Stadtteil fordert. Jendrik Werdt, Schulsozialarbeiter und Mit-Organisator, unterstützt die Petition. „Gerade bei den Jungs ist Graffiti ein riesiges Thema“, sagt er. Es fehle im Nordwesten an Orten, an denen Jugendliche einfach sein dürfen, ohne Konsumzwang oder Verjagung. Stadtteilprojekte wie dieses könnten viel bewirken.



