Münchner Krippenfreunde präsentieren erstmals seit Jahrzehnten große Passionsausstellung
Statt der traditionellen Weihnachtskrippen und Adventsszenen zeigen die Münchner Krippenfreunde ab Sonntag eine außergewöhnliche Schau zur Osterzeit. Diese Ausstellung ist die erste ihrer Art seit vielen Jahrzehnten und markiert einen besonderen Höhepunkt im fast 110-jährigen Vereinsleben.
Eine ambitionierte Idee wird Wirklichkeit
Die Idee für diese Passionsausstellung schwebte Vorstand Jürgen Milla schon lange im Kopf. "Aber sogar unsere ältesten Mitglieder, die seit 50 Jahren dabei sind, konnten sich nicht an eine solche Veranstaltung erinnern", erklärt er. Der Verein besaß selbst nur eine einzige Passionsdarstellung – eine Abendmahlsszene aus einem Nachlass. Daher mussten die 39 weiteren Exponate mühsam zusammengesucht und arrangiert werden, oft aus sogenannten Jahreskrippen.
Über 1600 Stunden Engagement und Leidenschaft
Seit Januar investierten die Vereinsmitglieder rund 1600 Stunden in Bauzeit und Konzeption, zusätzlich zu umfangreichen Recherchen. Während für die Weihnachtsausstellung typischerweise vier bis fünf Personen aktiv sind, trafen sich wöchentlich zehn bis 14 Mitglieder zur Arbeit, der harte Kern sogar zwei bis vier Mal pro Woche. "Alle wussten, dass man es sonst nicht hinbekommt", betonen Jürgen Milla und Vize-Vorständin Nadine Kagerer.
Die Arbeit an den Passionsszenen war emotional intensiv. "Da habe ich mich gar nicht immer so gut gefühlt, denn es geht ja viel um Leid", gesteht Milla. "In der Passionsgeschichte geht’s richtig zur Sache. Da ist man richtig froh, wenn dann die Auferstehung kommt."
Vielfältige Exponate von Volkskunst bis zu historischen Schätzen
In der feierlichen Atmosphäre der Krypta von St. Theresia in Neuhausen erwarten die Besucher zahlreiche Highlights:
- Krippen, die Szenen wie die Tempelreinigung, das Abendmahl, den Garten Gethsemane und die Kreuzigung darstellen.
- Filigrane Arbeiten, darunter eine Kreuzigung in einem Nandu-Ei.
- Historisch wertvolle Stücke wie ein spätbarockes Rokoko-Kreuz mit Renaissance-Figuren.
- Liebevoll gestaltete Volkskunst, etwa mit Loammandl-Figuren.
- Ein gegeißelter Jesus aus der 1888 abgerissenen Obergiesinger Heilig-Kreuz-Kirche.
Das Prunkstück ist eine 4,80 Meter lange Alt-Münchner Krippe mit kostbaren Figuren der Stiftung Schachinger aus dem 18. und 19. Jahrhundert. "Das ist ein kunsthistorischer Schatz, dessen Wert man gar nicht ermitteln kann", schwärmt Milla.
Bildung und Brauchtum für alle Interessierten
Die Ausstellung richtet sich nicht nur an religiöse Besucher. Bei Führungen werden Wissenswertes zu Ostern, Brauchtum, Kunstgeschichte und Kulturwissenschaft vermittelt. "Dass Ostern mehr ist als ein paar freie Tage, wollen wir schon vermitteln", sagt Nadine Kagerer. "Und das zugleich herausholen aus dem Abstrakten der Kirche." So erfährt man beispielsweise, dass Redewendungen wie "sich die Hände in Unschuld waschen" aus der Passionsgeschichte stammen.
Die Ausstellung ist vom 15. März bis 12. April in der Krypta von St. Theresia (Dom-Pedro-Str. 39) zu sehen. Geöffnet ist sonntags von 11.45 bis 15 Uhr sowie am Ostermontag, dem 6. April. Laufende Führungen und ein themenbezogener Spieltisch für Kinder runden das Angebot ab. Der Eintritt ist frei.



