Hippie mit Waffe: Ein ukrainischer Künstler dokumentiert seine Kriegserfahrungen
Hippie mit Waffe: Kriegstagebuch eines ukrainischen Soldaten

Hippie mit Waffe: Ein ukrainischer Künstler dokumentiert seine Kriegserfahrungen

Seit dem Beginn des russischen Angriffskrieges im Jahr 2022 haben Hunderttausende Ukrainer ihre Heimat verteidigt. Unter ihnen befindet sich der ungewöhnliche Soldat Dmytro Dokunow, dessen persönliche Geschichte nun in einem bewegenden Dokumentarfilm festgehalten wird. Arte zeigt „Ein Pazifist im Krieg - Tagebuch eines ukrainischen Soldaten“ am 17. Februar um 23.05 Uhr, kurz vor dem vierten Jahrestag des Kriegsbeginns.

Vom Yoga-Fan zum Fallschirmjäger

Dmytro Dokunow lebte vor dem Krieg als Künstler, Kameramann und überzeugter Krishna-Anhänger in einer Kommune in der Zentralukraine. Sein großer Traum war die Errichtung eines Yoga-Zentrums in einer idyllischen Schlucht am Dorfrand. Doch als er im Frühjahr 2022 eingezogen wurde, entschied er sich, zur Armee zu gehen – und nahm seine Kamera mit. Diese Entscheidung erweist sich als Glücksfall für alle Zuschauer, die einen authentischen Einblick in das Leben ukrainischer Soldaten erhalten möchten.

Obwohl Kameras in diesem Krieg allgegenwärtig sind – als Handykameras, Bodycams oder Drohnenaufnahmen – leistet Dokunows Arbeit etwas Besonderes. Sie dringt tief in die emotionale Welt der Soldaten ein und zeigt ihre Ängste, ihre Erschöpfung und die zunehmende Abstumpfung durch die allgegenwärtige Gewalt.

Breites Pickt-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App für Telegram

Die Transformation eines Pazifisten

Dokunow steht exemplarisch für die vielen Ukrainer aus allen gesellschaftlichen Schichten und Berufen, die im ersten Kriegsjahr zu den Waffen griffen, um ihr existenziell bedrohtes Heimatland zu verteidigen. Der Hippie, der sich eins mit der Natur fühlte und von grenzenloser Liebe zwischen allen Menschen träumte, musste das Kriegshandwerk erlernen.

Nach seiner Ausbildung zum Aufklärer bei den Fallschirmjägern folgte der erste, von Angst geprägte Einsatz im Süden bei Cherson. Dort verlor er erste Kameraden. Es folgten intensive Gefechte bei Soledar und Kramatorsk im Donbass im Osten der Ukraine.

„Ich versuche, Schönheit in den Geräuschen zu finden – im Dröhnen der Maschinengewehre, in Explosionen. Ich stelle mir vor, das ist einfach ein Theaterstück oder ein Hörspiel“, erklärt Dokunow zu Beginn seiner militärischen Laufbahn. Doch er bemerkt schnell, wie der Krieg ihn härter und unbeweglicher macht. Selbst der Urlaub in seiner alten Kommune bringt keine Freude mehr: „Mit meinen Gedanken bin ich dort, bei den Jungs.“

Vom Soldaten zum Kompaniechef

Im Winter 2022/23 erreicht Dokunows militärische Karriere einen Höhepunkt, den er nie angestrebt hatte: Während der erbitterten Abnutzungsschlacht um Bachmut, einer der schlimmsten Phasen des Krieges, kommandiert der Pazifist mittlerweile als Kompaniechef Dutzende Soldaten. „Ich will nicht entscheiden, wer als Nächster stirbt“, gesteht er. Trotzdem unterläuft ihm ein verhängnisvoller Befehl, der ihn nachhaltig belastet.

Nach einer Verwundung und einer anschließenden Knie-Operation muss Dokunow mühsam wieder das Laufen lernen. Wie viele Soldaten, die das Grauen überlebt haben, plagen ihn quälende Gedanken: „Jeder Moment des Glücks hat immer einen Beigeschmack von Schuld.“ Sein neuer Traum ist nun die Errichtung eines Reha-Zentrums für verwundete Kameraden.

Der Dokumentarfilm vermittelt eine Ahnung davon, mit welchen äußeren und inneren Verletzungen Millionen Ukrainer aufgrund des Krieges zu kämpfen haben. Er zeigt nicht nur die physischen Herausforderungen, sondern vor allem die psychologischen Belastungen, die ein solcher Konflikt mit sich bringt.

Die Ukraine musste in aller Eile Zehntausende Rekruten ausbilden, viele davon auch im Ausland. Doch keine Ausbildung kann auf die emotionalen Herausforderungen vorbereiten, die Soldaten wie Dmytro Dokunow durchleben müssen. Sein Film ist daher nicht nur ein Kriegstagebuch, sondern auch ein Zeugnis menschlicher Resilienz und der komplexen Gefühlswelt in extremen Situationen.

Pickt After-Article-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App mit Familien-Illustration