Hotelchefin aus Waren wird durch Oktopus-Video zum Social-Media-Star
Hotelchefin wird durch Oktopus-Video zum Social-Media-Star

Vom Hotelzimmer ins Millionenpublikum: Eine Warener Künstlerin erobert das Internet

Janett Heske, Inhaberin des Hotels am Müritz-Nationalpark in Waren, staunte nicht schlecht, als sie die Zahlen auf ihrem Smartphone sah. Ein einfaches Video, das sie auf der Facebook-Seite ihres Hotels gepostet hatte, war innerhalb von nur 24 Stunden über eine Million Mal aufgerufen worden. Plötzlich hatte die 56-Jährige 7900 neue digitale Kontakte – eine unerwartete Wendung für die Unternehmerin und Künstlerin.

Der Rat der Tochter führt zum viralen Hit

Den Impuls für diesen unverhofften Erfolg gab ihre Tochter. „Sie hat mir geraten, doch mal meine Kunst in dem Online-Netzwerk zu zeigen“, erzählt Heske. Also filmte sie sich dabei, wie sie einen detailreichen Oktopus auf eine weiße Keramikschüssel malte, und lud den kurzen Clip hoch. Mit einer derart überwältigenden Resonanz hatte die Warenerin absolut nicht gerechnet. Die plötzliche Aufmerksamkeit aus aller Welt sei ihr anfangs fast ein wenig unheimlich gewesen. Doch schnell überwog die Freude über die zahlreichen, mehrsprachigen Kommentare und die sprunghaft gestiegene Reichweite, die ihr nun perfekt in den Kram passt.

Wellness-Oase wird zum kreativen Atelier Panoart

Denn Janett Heske hat in den vergangenen Jahren eine berufliche Doppelrolle perfektioniert: Sie ist sowohl Hotelchefin als auch leidenschaftliche Künstlerin. Aus dem bisher wenig genutzten Wellnessbereich ihres Hauses schuf sie 2025 das Atelier Panoart – eine Werkstatt mit Panoramablick auf eine Wiese des Nationalparks, die sie als „Oase der Muße und Glückseligkeit“ beschreibt. Hier bietet sie seitdem Kurse im Bemalen von Keramik an. Allerdings hatte sie bislang ein Problem: Es mangelte an Laufkundschaft. „Niemand kennt mich in Waren, und niemand findet mich hier“, erklärt sie. Selbst gebuchte Gäste verfehlten trotz Navigationsgerät oft das Hotel in der Eigenheimsiedlung am Feisnecksee am südlichen Stadtrand.

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Eine Lebensaufgabe: Hotel und Kunst vereinen

Dabei führen Janett Heske und ihr Mann Erik das Hotel bereits seit 1999. Die in Waren geborene und aufgewachsene Frau studierte zunächst Bauwesen in Wismar und anschließend Architektur. Nach Beteiligungen an touristischen Projekten kam dem Paar während einer Urlaubsreise die Idee, ein eigenes Hotel zu führen. Mit 29 Jahren setzten sie den Gedanken mit Unterstützung der Eltern in die Tat um und kauften das Gebäude in Waren. Heute, 27 Jahre später, bei einer Zimmerauslastung von 92 Prozent und fünf Mitarbeitern, ist die Leidenschaft ungebrochen. „Man muss Leute mögen“, sagt Heske, und das tue sie. Selbst bei voller Belegung aller Zimmer, Suiten und des Appartements empfängt sie bis zu 20 Teilnehmer in ihrem Erdgeschoss-Atelier.

Kreativität für alle: Das Konzept von Panoart

Ihre Produktionsstätte für Hobby-Künstler hat feste Öffnungszeiten an Montagen, Dienstagen und Mittwochen, morgens sowie am frühen oder späten Nachmittag. Bis zu 20 Arbeitsplätze stehen zur Verfügung. Im Sommer strömen frische Luft und Vogelgezwitscher durch weit geöffnete Terrassentüren herein, bisweilen gesellt sich Hotelkater Djego zu den Kursteilnehmerinnen. Das Rohmaterial – weiße, unverzierte Keramik – bezieht Heske aus Österreich und der Schweiz. Nach einer kurzen Einführung beginnen zweieinhalb Stunden kreative Zeit. Vorkenntnisse oder besonderes Talent sind nicht erforderlich. Heske hilft beim Übertragen von mitgebrachten Fotos oder bei der Umsetzung anderer Ideen und hält eine Fülle von Motiven für Unentschlossene bereit. Das Brennen im bis zu 1300 Grad heißen Ofen übernimmt sie selbst, fertige Stücke können wenige Tage später abgeholt werden.

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Kunst durchdringt das gesamte Hotel

Janett Heske ist, wie sie sagt, künstlerisch tätig, „seit sie denken kann“. Dies prägt das gesamte Hotel: Jedes Wandbild hat die Chefin selbst gemalt, Glasdekorationen aus ihrer Hand verschönern die Lobby, und auf dem Buffet sind Dips und Salate in passend bemusterten Schalen angerichtet. Sogar ihre Kleidung hat sie oft selbst gestrickt oder geschneidert. „Ich liebe Unikate und gebe meine Leidenschaft gern weiter“, betont sie. Diese Leidenschaft teilt sie neuerdings auch mit den Müritz-Fischern: Im Fischkaufhaus in Eldenholz ist seit dem Winter eine kleine Verkaufsfläche ihren Arbeiten vorbehalten – verziert mit Fischen und natürlich jenem berühmten Oktopus, der ihr die Tür zu einem Millionenpublikum öffnete.